Gear_DJ-Controller Hersteller_Hercules
Test
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18.03.2015

Hercules DJControlWave Test

DJ-Controller mit Bluetooth

Gadget oder Gear?

Hobby-DJs aufgepasst, mein heutiger Testkandidat Hercules DJControlWave ist ein Bluetooth-fähiger MIDI-Controller für Rechner und iPad, der Schluss mit lästigem Kabelsalat im Bedroom machen möchte. Sein spaciges Design mit der angewinkelten iPad-Ablage und der Techno-kühlen Beleuchtung mag zwar auf den ersten Blick etwas unkonventionell erscheinen, doch bei näherer Betrachtung wird klar, dass sich das Layout dennoch am typischen DJ-Workflow orientiert und das nur am Rande, sämtliche erforderlichen Bedienelemente nebst iPad-Ablage mitbringt, die man als DJ für eine grundlegende Mix-Session mit einem Controller benötigt.

Unabhängig von der Stromdose kann der Proband ebenso agieren, denn sein integrierter Akku verspricht eine Nennleistung von acht Stunden bei einer maximalen Reichweite von bis zu zehn Metern. Ein Audiointerface ist jedoch nicht integriert und was dies für den Anwender bedeutet respektive wie der „Wellenkontrolletti“ allgemein aufgestellt ist, erfahrt ihr im bonedo.de Praxistest. Gadget oder Gear?

Details

Werfen wir zum Einstieg einen Blick auf die Ingredienzien, die die Kartonage für uns bereithält: Da wäre einmal der Hercules DJControlWave, gut verpackt in Klarsichtfolie und Schaumstoffformteile. Ihn begleiten eine gedruckte Installationsanleitung nebst Instruktionsposter und ein USB-Kabel mit USB-Netzteil, das als Ladegerät fungiert. Ebenso ist im Lieferumfang ein Splitterkabel (Klinkenstecker auf zweimal Klinkenbuchse, beide 3,5 Millimeter) enthalten, das die Vorhörfunktion ermöglichen gewährleisten will. Der Controller wiegt 1,5 Kilo und misst 40 x 29 x 4,5 Zentimeter.

Erkundungstour

Eine erste visuelle Begutachtung des überwiegend aus Kunststoff gefertigten, äußerst leichten Steuerinstruments zeigt eine in der Tat nach hinten gewölbte, an eine Welle erinnernde Formung. Das Pult ist elegant abgerundet und die superflachen, 10 Zentimeter im Durchmesser betragenden, Rand-gummierten Jogdials mit Metallauflage muten ziemlich edel an. Eigentlich läst sich dies über die gesamte Gehäusekonstruktion sagen, beginnend bei der schneeweißen Bodenschale und der hochglänzenden, anthrazitfarbenen Oberfläche über die silberfarbenen Elemente an den Potis und in der Transportsektion bis hin zu den blau beleuchtete Tasten und den grünen LEDs der Handräder. Ein Poliertuch gegen unansehnliche Fingerabdrücke, die man unweigerlich relativ schnell auf der glänzenden Oberfläche hinterlässt, sollte man sich besorgen. Unten mache ich neben vier Gumminoppen, zwei Klappstützen und dem Akkufach noch einen Netzschiebeschalter aus. An der rechten Gehäuseseite sitzt seitlich die Mini-USB-Buchse als einzige Schnittstelle zur Außenwelt, mal abgesehen vom Bluetooth-Transmitter.

Die Konsole ist in einen unteren und oberen, gut 40 Grad angewinkelten Bereich aufgeteilt, in dessen Mitte sich eine klappbare iPad-Stütze befindet. Im südlichen Part flankieren je ein Deck mit Touch-sensitivem Jogwheel sowie „Sync“-, „Cue“- und „Play“-Tasten und einem horizontal (!) angeordneten Pitch Fader, was gewöhnungsbedürftig ist, den zentralen Mixer. Dieser wartet mit Kanal-Fadern für die Lautstärke, Dreiband-EQs und einem Crossfader auf. VU-Meter neben Channel-Fader wollen beim Abgleich der Deck-Pegel behilflich sein. Ein überdimensionales, äußerst griffiges, sanft in seiner Achse drehendes Master-Poti stellt die Ausgabelautstärke des iPads ein. Gain- oder Cue/Mix-Regler sind nicht an Bord, was darauf schließen lässt, dass Hercules, dies zeigt sich auch noch bei anderen Aspekten, konzeptionell wohl die Handbedienung des Tablets mit einbezogen hat.

Bedienelemente

Auf der Bedienoberfläche tummeln sich insgesamt fünf Fader, sechs Drehregler, zwei Loop-Encoder, zwei kapazitive Jogwheels, ein riesiges Drehpoti für die Masterlautstärke und 20 Taster mit diversen Funktionen. Acht davon haben wir bereits abgefrühstückt, die übrigen zwölf sitzen im hinteren angewinkelten Drittel, je sechs an den Flanken. Drei ovale Tasten geben die Betriebsart (Effekte, Samples oder Hot Cues) für die drei durchnummerierten runden Modelle vor, womit klar sein dürfte, dass sich drei Effekte, drei Samples oder drei Hot Cues anlegen und abfeuern lassen.

Inbetriebnahme

Setze ich den Controller unter Strom, beginnt die Session mit einem durchaus farbenprächtigen kleinen Schauspiel. Grün illuminierende Jogdial-LEDs blinken im Einklang mit den Channel Metern und den Multicolor-Lämpchen der Encoder und zupfe ich die Potikappen vom einem der EQ-Regler, blicke ich auf transparenten Kunststoff, der das blaue LED-Licht an die ebenfalls durchsichtigen Positionsmarker „weiterreicht“. Sieht alles in allem ziemlich schick aus und sorgt auch für eine gewisse Grundbeleuchtung im Dunkeln. Im Anschluss an die Lightshow blinkt der Kopplungs-Button und schreit nach einem Verbindungsaufbau per Bluetooth. Dem komme ich gern nach, mache mich aber zuvor auf in den App-Store, um Djuced DJW zu laden, gefolgt von einem Ausflug zur Website von Hercules für den Download von Djuced 40°. Beide Applikationen sind kostenlos.

Ich baue die „Blauzahn“-Verbindung auf und noch bevor ich mich der App überhaupt widmen kann, poppt mehrere Male hintereinander das Fenster „Verbindung verloren“ auf, obwohl alle Regler funktionieren. Beim Hochfahren bombardiert mich Djuced sporadisch immer mal wieder mit Werbung zu, was man durch eine Investition von 5,99 Euro wohl abschalten kann. Ich finde, dies sollte mit dem nächsten Update vielleicht geändert werden (auch wenn die App als Demo kostenlos genutzt werden kann), ansonsten wäre es ein Ärgernis, dass man nach einem Controller Kauf, der mit der App wirbt, so was erdulden muss. Außerdem ist mir aufgefallen, dass auch in den Voreinstellungen so mancher virtuelle „Tastendruck“ den Browser Safari aufruft, beispielsweise verlinken „Über“, „Hilfe“ und „Video“ ins Web. Okay, schalte ich WLAN aus, was ohnehin eine gute Idee ist, hat der Spuk ein Ende, doch ich möchte das nachstehend einmal für euch in Screenshots festgehalten haben.

DJ needs Sound!

Und damit kann nicht das „Gepiepse“ aus dem iPad-Lautsprecher gemeint sein, ist doch klar. Dementsprechend bieten sich mehrere Konstellationen an, das vorliegende DJ-Bundle aus iPad und Hercules zur Audioausgabe anzuleiten.  

  1. Ich stecke einen Kopfhörer ein und mixe für mich im stillen Kämmerlein.
  2. Ich schließe das iPad an einen Verstärker oder ein Boxenpaar an und mixe für jeden, der in meiner Nähe steht, jedoch ohne Vorhörmöglichkeit.
  3. Ich verbinde eine Bluetooth-Box und nutze diese wie zuvor beschreiben.
  4. Ich verwende das mitgelieferte Splitterkabel und habe nun zwei getrennte Signalpfade in Mono für Kopfhörer und Anlage.
  5. Ich besorge mir ein Core Audio 4-Kanal-Interface für eine amtlichen Stereo-Preview und einen Master in Stereo, was zunächst einmal sinnvoll erscheint, aber die Frage aufwirft, warum man am Wave keine Kopfhörertasten findet. Platz ist doch da und immer auf das Tablet „patschen“ ist auch nicht „der Rocker“.
  6. Für den Fall, dass DJControlWave via USB in Verbindung mit einem Computer (es ist ja immerhin auch ein MIDI-Controller) genutzt wird, bietet sich zum 4-Kanal-Interface noch ein kabelloses „Master/Preview“-Setting eines selbst erstellten Aggregats an, beispielsweise bestehend aus einem Bluetooth-Kopfhörer und -Boxen.  
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