Test
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08.09.2015

Hercules DJControl Jogvision Test

DJ-Controller mit Audiointerface

Wheels, Pads & Party-Power!

Hercules hat mit dem DJControl Jogvision einen DJ-Controller für zwei Decks mit integriertem Audiointerface im Portfolio, bei dessen Entwicklung die Devise wohl „klotzen statt kleckern“ gewesen sein muss. Nicht nur, dass der Controller mit dem berührungslosen Abstandssensor „Air Control“ ausgestattet ist, Serato DJ (Intro) im Gepäck hat und mit zwei imposanten Jogwheels im besten Technics Look nebst integrierten LED-Display-Funktionen ausgestattet ist. Nein, darüber hinaus stellt er auch Pads, Effektregler und visuelle Mixhilfen bereit. 349 Euro (UVP) ruft der Hersteller für seinen Neuling auf, der somit in direkter Konkurrenz zu Pioneers DDJ SB2, dem GMX von Gemini und NIs Traktor Kontrol S2 MK2 steht. Schauen wir mal, ob Hercules mit DJControl Jogvision in diesem hart umkämpften Marktsegment ein guter Wurf gelungen ist.

Details

Nimmt man den Controller in die Hand, staunt man nicht schlecht, denn die Verarbeitung ist gut gelungen, das überwiegend aus Kunststoff gefertigte Case legt ein vertrauenserweckendes Gewicht an den Tag und das gute Gefühl verstärkt sich, wenn ich anfange, an den Tasten und Reglern herumzuspielen. Die Tasten sind je nach Funktion von adäquater Größe und zum Teil mit transparenten Schlitzen wie bei Controllern von Native Instruments versehen. Die Drehknöpfe reagieren geschmeidig und gleichmäßig, während die Fader ein wenig seitliches Spiel aufweisen, aber dafür dennoch sauber auf der Leiterbahn laufen. Dass der Controller ein echter Hercules ist, kann, ja will er offensichtlich nicht bestreiten, denn das Layout ist an einigen Stellen schon ein wenig „unkonventionell“, doch dazu im Laufe des Textes mehr.

Das Jogwheel mit seinem 1210er-Design zieht nicht nur meinen Blick auf sich, sondern lockt direkt auch meine Hand für einen imaginären Kick-Abwurf. Der kühle Metallring fasst sich gut an, der Widerstand ist ausgezeichnet. Nur wenn ich beim Scratchen sehr fest drauf drücke, gibt es ein wenig nach und schleift am Gehäuse. Ich kann aber beruhigen: Das ist bei meinem Pioneer DDJ-SX2 auch nicht anders. Nichtsdestotrotz ist es konstruktionsbedingt ein wenig kippeliger als der besagte Konkurrent. Kritisieren könnte ich an dieser Stelle eigentlich nur den geringen Abstand zum Pitchfader, wenn dieser voll heruntergezogen ist. Ein Umstand, der aber wegen des allgemeinen Sync-and-Perform-Virus wohl nicht so schwer ins Gewicht fallen dürfte. Mit Maßen von 46 x 26 Zentimetern erweist sich mein Testkandidat zudem nicht nur als äußerst rucksackkompatibel, sondern auch als relativ bescheiden hinsichtlich der Aufstellung, da er sich auch dort gut einfügt, wo Stellplatz knapp ist. Beispielsweise auf dem Schreibtisch oder im „Bedroom“.

Anschlussmöglichkeiten

Übersichtlich geben sich Front- und Backpanel. Vorn entdecke ich eine Mikrofonbuchse nebst Lautstärkeregler und gleich zwei Kopfhöreranschlüsse, eine als Standard- und die andere als Miniklinke ausgeführt. Adapter braucht ihr demnach nicht mitzunehmen. Allerdings fehlt hier der klassische Drehregler für den Kopfhörer-Mix, stattdessen setzt Hercules auf zwei Tasten mit den Bezeichnungen „Cue“ für das Vorhörsignal respektive „Mix“ für das Summensignal. Außergewöhnlich und ... klar, kann man so machen, nur mein Fall ist es nicht, da sich das Verhältnis von Cue und Master nicht stufenlos ineinander blenden lässt, wie es bei jedem Clubmixer oder den meisten DJ-Controllern üblich ist. Wer jetzt sagt: Ist mir egal, ich will nur wissen, ob der Cue, Track oder Beat passt oder die Synchronisation stimmt, kann meine Anmerkung ignorieren.

Auch an der Rückseite ist alles zu finden, was der Einsteiger benötigen könnte. Es gibt sogar einen regelbaren Cinch-Ausgang für die Monitorboxen sowie zwei Stereo-Masterausgänge im Cinch- und Miniklinkenformat, die seltsamerweise wiederum nicht regelbar sind. Außerdem findet sich hier die Netzteilbuchse zur Spannungsversorgung ein. Ein nettes Detail: Die Aufnahme für das Kensington-Lock ist mit einem Gummischutz versehen. Gummi erblicke ich auch unter der Konsole, denn dort geben vier wirklich große Standfüße dem Controller Halt auf glatten Unterlagen.   Obendrein integriert Hercules noch einen Aux-Eingang, ebenfalls als Miniklinkenbuchse ausgelegt. Dieser ermöglicht, externe Zuspieler wie ein Warm-up iPhone anzuschließen. Allerdings muss hierfür die Verbindung zum Computer und zur Spannungsversorgung gegeben sein. Ich hätte es sinnvoller gefunden, wenn sich der Aux-In auch ohne USB-Verbindung auf die Summe schicken ließe. Wieso? – Nun,

  • falls der Rechner mal abstürzt,
  • um auf einer Party die Gäste schon mal mit ein wenig Musik zu beschallen, während man noch den Computer aufbaut,
  • falls auf einer Party ein DJ-Wechsel stattfindet, man aber in der Zeit, wo er sein Notebook anschließt, die Musik nicht unterbrechen möchte.

Davon abgesehen hinterlässt der Proband bis hierher einen guten Eindruck. Die zahlreichen Ein- und Ausgänge sind in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit.

Software

Bevor es tiefer in die Materie geht, lade ich Serato DJ Intro von der Hersteller-Website, dazu die Hercules Treiber für den Mac. Das Jogvision-Serato-Bundle gibt sich bereits mit einem Core 2 Duo ab 2,4 GHz oder einem 1,6 GHz I3 sowie 2 GB RAM, einem USB2.0 Port und 100 MB Disc Space zufrieden. Erfahrungsgemäß schaden 4 GB bei neueren Betriebssystemen allerdings nicht, schon gar nicht bei den Betriebssystemen von Microsoft. Gefordert sind entweder Windows 7 oder 8 (32/64 Bit) sowie Mac OS X ab 10.7 (ebenfalls in 32 oder 64 Bit).

Eine Bemerkung am Rande: Die hauseigene Software von Hercules „Djuced“ gehört momentan (08/2015) noch nicht zu den offiziell unterstützten DJ-Programmen. Dafür aber ...  

Serato DJ Intro

Die Beipackvariante bietet euch im Zusammenspiel mit der vorliegenden Hercules-Hardware zwei virtuelle Decks mit farbigen Wellenformen in horizontaler oder vertikaler Anordnung. Für eure Tracks steht ein umfangreiches Musikmanagement nebst iTunes-Integration und virtuellen Plattenkisten zur Verfügung. Sechs Effekte, vier vom Controller zugängliche Hotcues und ein Sample-Player mit vier Slots runden das Programm ab, nachstehend in Screenshots festgehalten. Klar, die Vollversion (129 Euro) hat deutlich mehr zu bieten, beispielsweise den Mix-Rekorder, mehr Effekte, den Slicer und Rolls etc. Doch auch Intro hat alle Basis-Funktionen zum Auflegen an Bord. Manch einem könnte das durchaus reichen.

Eine Anmerkung noch an dieser Stelle: Jogvision lässt die Auswahl zwischen 7 Bit und 14 Bit MIDI zu. Verwendet den voreingestellten hochauflösenden Modus, denn ansonsten funktionieren die Fader und Knobs nicht zusammen mit Serato DJ.

Bedienoberfläche

Beim ersten flüchtigen Streifzug über die Bedienoberfläche dürften nicht nur Controller-Greenhorns zunächst ein wenig irritiert sein, denn die Anordnung einiger Tasten und die Doppelbelegungen müssen erst mal verinnerlicht werden. Das Handbuch ist dabei nicht unbedingt nötig, da die Funktionsbeschreibungen, wenngleich verschachtelt, eindeutig genug sind. Unterstützend wirken statusbeleuchtete Tasten oder LED-Lämpchen, die darauf hinweisen, welche Betriebsart oder Funktion gerade aktiviert ist.

Mixer

In der Mitte sitzt der Mixer, ausgestattet mit 47 Millimeter langen Linefadern, einem 40-Millimeter-Crossfader und dem obligatorischem Dreiband-Equalizer, allerdings ohne dedizierte Gain-Controls und ohne dedizierte Kanalfilter. Stattdessen steuert ihr via Air-Control ein Lowpass-Filter, das zwar an jedem Kanal separat aktiviert werden kann, allerdings über denselben Infrarotsensor mit MIDI-Daten gefüttert wird. Die Gain-Regler justiere ich über dem zentralen, dicken und griffigen Browse-Encoder und die Deck-zugehörige Shift-Taste. Für alte Hasen, die an gängigen Kontrollparadigmen festhalten wie die Maus am Käse, ist dies sicher gewöhnungsbedürftig. Serato bietet alternativ hierzu die Option an, die Lautstärke der Titel automatisch auf das gleiche Niveau einzustellen (Preferences, Auto Gain). Hervorheben möchte ich noch, dass ein Tastenblock über dem Crossfader die Funktionen Panel, View, Load Prepare und Area bedient. Ferner finden sich hier die Vinyl-Taste fürs Scratchen und der Mic-Button zur Aktivierung des Mikrofonwegs ein.

Decksektionen

An den Seiten: die Deck-Sektion mit dem vergleichsweise hünenhaften Jogwheel, den oben liegenden Pitch-Fadern und einer Transportsektion unterhalb des Tellers. Vier RGB Performance-Tasten finden sich an den jeweiligen Außenflanken ein. Das sieht man auch nicht oft, denn man hätte sicherlich auch zwei Vierer-Zeilen wie beim DDJ-SB2 oder Mixtrack anordnen können, jedoch herrscht so eine klare optische Trennung zwischen dem Cue/Play-Gefolge und den Pads. Diese kennen vier verschiedene Befehlsebenen, und zwar „Cues 1-4“, „Samples“, „Cues 5-8“ und „Sample-Bank“. Allerdings sind nur die ersten beiden Layer für SDJ Intro korrekt ausgewiesen. Die beiden letztgenannten Arbeitsebenen stehen nur in der Serato DJ Vollversion zur Verfügung. Rolls und Slicer bekommt ihr also auch bei einem Update nicht geboten.

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