Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
1
27.01.2021

Praxis

Beim ersten trockenen Anspielen fällt der drahtige Sound der JA-60 auf. Die Saiten schwingen recht lange aus und können auch in puncto Intonation gefallen. Lediglich der Abstand zum Griffbrett ist definitiv zu hoch. So wird das Bespielen unnötig erschwert und gerade für Anfänger zu einer echten Herausforderung. Nach dem Einstellen der Saitenlage zeigt sich die JA-60 SB von ihrer besten Seite und lädt zum Spielen ein. Dass sie sich dabei als etwas kopflastig präsentiert, zeigt sich beim Bespielen als eher vernachlässigbar.
Für die folgenden Beispiele verbinde ich die Harley Benton mit meinem Marshall JVM 410 Topteil und führe das Boxensignal in eine Universal Audio OX Box, in der ich eine mit Vintage 30 Speakern bestückte Box ausgewählt habe. Der Hall stammt ebenfalls aus der OX Box, weitere Klangveränderungen habe ich nicht vorgenommen.
Los geht es mit dem cleanen Kanal, dabei schalte ich durch alle drei Positionen des Dreiwegschalters, beginnend am Hals-Pickup.

Die JA-60 liefert erwartungsgemäß einen etwas voluminöseren Sound als herkömmliche Strat Singlecoils und gefallen mir mit ihrer direkten Ansprache und eigenständigen Klangfarbe. Alle drei Positionen bieten die vertrauten Klänge und besitzen ordentlich Draht im Sound, wobei sie sich schön offen in den Höhen und aufgeräumt in den tiefen Frequenzen zeigen.

Auch beim Spiel ohne Plektrum im dritten Beispiel werden die dynamisch gespielten Töne ohne Wenn und Aber genauso an den Amp weitergeleitet, sehr gut! Ich schalte dazu in den nächsthöheren Kanal und erzeuge einen leichten Crunchsound.

Auch am angezerrten Amp macht die JA-60 eine sehr gute Figur und liefert knackige, durchsetzungsstarke Sounds in allen drei Positionen des Dreiwegschalters. Dabei zeigen sich Hals- und die Mittelstellung tendenziell drahtig und glockig, der Steg-Pickup verdichtet erwartungsgemäß die Mitten, zeigt aber auch ausgeprägte Höhen. Somit sind knackige Riffs mit Biss für unsere Kandidatin überhaupt kein Problem.

Es wird Zeit für etwas mehr Zerre. Auch hier spiele ich alle drei Positionen des Wahlschalters an und beginne am Hals.

Mit einem in den Höhen deutlich ausgeprägten Sound geht die Gitarre am stärker zerrenden Amp ans Werk und erzeugt einen durchsetzungsstarken und dabei charakterstarken Klang. Die direkte Ansprache kommt ihr hier natürlich zugute und sorgt für klar herausgestellte Attacks, die verhindern, dass der Klang verschwimmt.

Natürlich darf auch ein Beispiel am stark zerrenden Amp nicht fehlen. Auch hier sind wieder alle drei Positionen des Wahlschalters zu hören.

Spätestens hier dürfte klar sein, warum dieser Gitarrentyp gerade bei Indie- und Alternative-Gitarristen so beliebt war, denn er zeigt sich ausgesprochen charakterstark und schön bissig, aber wesentlich kräftiger im Klang als beispielsweise eine Strat. Dabei werden die gespielten Akkorde schön aufgefächert und klar wiedergegeben. Die Attacks würde ich als glockig bezeichnen, die den Zerrsound mit einer ganz eigenen Note versehen. Natürlich erzeugen die Pickups bei höherem Gain deutlich hörbare Nebengeräusche, aber dafür wird man mit einem wirklich tollen Sound belohnt.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare