Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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23.09.2020

Praxis

Der in China gefertigte Verstärker besitzt eine von Harley Benton genannte "Tube Emulation Circuit", wobei ich schon sehr gespannt bin, wie diese sich im Klang darstellt.
Zu diesem Zweck positioniere ich ein Shure SM57 zwischen Center und Rand des Speakers und leite das Signal direkt weiter zu einem alten Telefunken-Preamp. Weitere Klangbearbeitungen habe ich nicht vorgenommen. Bei allen Beispielen habe ich den Reverb-Regler auf 9 Uhr positioniert, alles darüber hinaus lässt den Sound in einer Hallwolke verschwimmen.

Los geht es mit dem cleanen Kanal, für den ich im ersten Beispiel eine Fender Telecaster, im zweiten eine Gibson Les Paul verwende. Alle Regler zeigen auf 12 Uhr.

Der Clean-Channel zeigt sich färbungsfrei und gibt den Sound der jeweils angeschlossenen Gitarre klar und deutlich wieder. Dabei zeigt er sich recht übersteuerungsfest, denn auch ganz aufgedreht sind ihm keinerlei Verzerrungen zu entlocken.

Wie sich der EQ im Klang bemerkbar macht, zeigt das nächste Beispiel. Hier ist wieder die Tele zu hören, dabei habe ich Treble und Bass auf 15 Uhr und Middle auf 9 Uhr gedreht. Zum besseren Vergleich sind aber erst einmal alle Regler in der Mittelposition zu hören.

Der EQ ist in der Lage, in dieser Einstellung das Mittenbild auszuhöhlen und die hohen Frequenzen zu pushen. Dabei zeigt sich der Bassregler recht zahm und plustert das Signal nicht zu sehr auf.

Weiter geht es mit dem Overdrive-Kanal. Hier wiederhole ich den Vorgang und drehe alle Regler auf 12 Uhr. Erst ist die Tele, dann die Les Paul zu hören.

Ich muss zugeben, dass ich doch ziemlich überrascht war, als ich in den Overdrive-Kanal geschaltet habe, denn dieser zeigt sich von seiner besten Seite und liefert einen satten, britisch eingefärbten Sound, der sich auch in einer Studiosituation erstaunlich gut einsetzen lässt!
Dabei wird der Klangcharakter der angeschlossenen Gitarren wie auch schon im cleanen Kanal deutlich wiedergegeben, sehr gut!

Nun möchte ich herausfinden, wie der Gain-Regler arbeitet. Dazu schultere ich die Les Paul und drehe den Regler auf 9, 12 und 15 Uhr und abschließend auf Maximum.

Wie erwartet, verdichtet sich der Klang mit zunehmender Reglerstellung, mir persönlich gefällt die Mittelstellung am besten, da der Sound zwar dick, dabei aber knochig bleibt und die Attacks nicht zu sehr in den Vordergrund treten.

Natürlich interessiert mich auch, wie in diesem Kanal der EQ arbeitet und positioniere Bass- und Treble-Regler auf 15 Uhr und den Middle-Regler auf 9 Uhr. Im ersten Durchgang stehen aber wieder alle Regler auf 12 Uhr.

Dank des beherzt zugreifenden EQs sind Klangverbiegungen kein Problem und erweitern das Klangbild des Combos deutlich. Gerade in einer Aufnahmesituation ist das natürlich sehr praktisch und ich denke, das Resultat spricht für sich.
Es bewahrheitet sich mal wieder der Spruch, dass kleine Dinge im Studio groß und große Dinge im Studio klein klingen ...

Fehlt nur noch der Klang des Kopfhörerausgangs. Hier vergleiche ich das mit dem Mikrofon abgenommene mit dem Kopfhörersignal. Alle Regler befinden sich dazu wieder in der Mittelstellung, den Gitarrenpart übernimmt die Les Paul.

Ich fasse mich kurz, der Kopfhörersound ist für meinen Geschmack nicht brauchbar und hat mit dem Ton, der aus dem Speaker kommt, nichts zu tun. Somit gibt das leider einen fetten Minuspunkt.

Der Combo liefert genug Lautstärke, um es sich dauerhaft mit seinen Nachbarn zu verscherzen, für eine Bandprobe mit einem lauten Drummer reicht es aber nicht.

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