Hersteller_Grace_Design
Test
2
29.01.2013

Grace Design m502 Test

API 500 Kompressor

Kreuzbraver Geselle?

Die Grundidee bei den Geräten von Grace Design ist Transparenz und Klarheit, was ganz entgegengesetzt von dem Wunsch vieler Produzenten ist: Oftmals wollen diese heute Kompressoren verwenden, die wahre Soundmonster sind. Doch es geht auch anders: Der Grace m502 gibt sich so sauber und offen, wie das vielleicht nur mit einem Optokompressor aktueller Prägung möglich ist.

Ein in Foren viel diskutierter Punkt ist ja folgender: Der transparenteste Kompressor sei jener, der gar nicht im Signalweg liege. Dies kann man beispielsweise realisieren, indem man den Pegel manuell (beziehungsweise per Spurautomation) „fährt“ – ein Verfahren, dass in der Tat sehr gute Ergebnisse bringen kann, gerade auch in Kombination mit einem guten Kompressor. Doch es gibt auch Situationen, in denen dies zu umständlich wäre, zu viel Zeit benötigte oder einfach der spezielle Klang eines bestimmten Dynamik-Tools geschätzt wird. Und es gibt Signale, etwa Vocal-Aufnahmen, die ausgesprochen dankbar auf eine passende Dynamikkompression reagieren. Für all diese Fälle hat auch das 500-Angebot von Grace Design, das derzeit zwei Module umfasst, etwas passendes im Gepäck, nämlich den m502, einen Optokompressor von der ausgesprochen puristischen Sorte.

Seit den Anfängen, die der ehrwürdige Teletronix LA-2A in den frühen 60er-Jahren machte, gelten Optokompressoren als allererste Wahl, wenn es um smoothe, das Signal unterstützende (im Gegensatz zu: ebenjenes platt machende) Kompression geht. Anfangs lag dies vor allem am typischen, Programm-adaptiven Regelverhalten der T4-Optozelle, die im LA-2A und seinem Nachfolger, dem LA-3A zum Einsatz kommt. Die Technik hat sich jedoch im letzten halben Jahrhundert deutlich weiterentwickelt. Aus heutiger Sicht ist die T4-Zelle ein vergleichsweise primitives Stück Technik, auch wenn diese Geräte auch nach aktuellem Geschmack immer noch hervorragend klingen.

Aber zeitgemäße Optokompressoren bieten mittlerweile beides: Smoothes Regelverhalten und die Flexibilität, die wir beispielsweise bei VCA-Kompressoren schätzen. Der Grace Design m502 kann ebenfalls in diese Schublade sortiert werden, lässt er doch an seiner Basis-Ausstattung nichts vermissen, was man sich auch bei einem „gewöhnlichen“ VCA-Comp wünschen würde.

Details

Flexible Ausstattung

Die 500-Kassette mit einer Slotbreite ist recht dicht gepackt mit Bedienelementen. Insgesamt nicht weniger als fünf Potis und drei Kippschalter erlauben eben jene Flexibilität, die man heute von einem zeitgemäßen, vielseitigen Comp erwarten darf, und die weit über die Anpassungsmöglichkeiten eines LA-2A hinausgeht, der bisweilen auch – bei allem Respekt – als „one trick pony“ geschmäht wird.

Zuerst Eingangspegel anpassen

Obwohl etwas unscheinbar, ist das erste Bedienlement, das man in der Praxis nach dem Bypass-Switch anfassen sollte, der Input-Schalter, der direkt unter dem eben genannten liegt. Mit diesem kann man den Input-Pegel in drei Stufen anpassen: -10, 0 oder +10 dB. Damit kann also der Arbeitsbereich des Kompressors optimal ans Pegelniveau des Audiosignals angepasst werden. Danach folgt das Threshold-Poti mit ±15 dB, also mit einem dank des Schalters ausreichend kleinen Regelbereich, um auch feine Anpassungen ohne Pegelsprünge vornehmen zu können. Die Parameter Attack und Release bieten ziemlich große und auch etwas ungewöhnliche Regelbereiche. 30 ms bis 3 s für die Release ist ein extrem weiter Bereich, der schlichtweg alle Wünsche abdeckt. Die Attackphase lässt sich zwischen 3 und 200 ms einstellen, was in der Tat etwas unüblich ist. Eine 200-ms-Attack sollte man nur in Ausnahmefällen benötigen, während am anderen Ende des Spektrums Mikrosekundenwerte für bestimmte Anwendungen, etwa Vocal-Kompression sehr wichtig sein können.

Maximal 10 dB Make-Up: Der m502 ist sicher kein "Smasher"

Die Kompressionsrate lässt sich stufenlos zwischen 1:1 und 12:1 justieren, deckt also von sanftestem Leveling bis zu kräftigem Zupacken ebenfalls einen weiten Bereich ab. Das Output-Poti mit einem Regelbereich von ±10 dB bietet also nur maximal 10 dB Aufholverstärkung. Das ist nicht gerade üppig, aber schon ein erster Hinweis auf die bevorzugten Anwendungsgebiete dieses Dynamiktools. Schließlich verfügt der m502 noch über einen Link-Schalter. Zwei Einheiten können auf diesem Wege über ein mitgeliefertes Jumper-Kabel verkoppelt werden.

Alles, was man wirklich brauch, ist auf der Frontplatte zu finden

An Anzeigen bietet das Modul einerseits eine LED-Kette mit zehnSegmenten für die Pegelreduktion, und dazu noch eine Peak-LED für den Signalausgang. Damit lässt sich in der Praxis gut arbeiten. Man vermisst eigentlich funktional nichts, und das Platzangebot auf der 500-Frontplatte bietet zudem keinerlei Spielräume für noch ausgefeiltere Lösungen.

Hochwertige Materialien und Fertigung

Unter der Haube basiert der m502 auf der selben Schaltungsphilosophie wie der m501, der Preamp aus gleichem Hause. Generell blicken wir hier auf einen äußerst puristischen Signalweg mit Hardwire-Bypass via Goldkontakt-Relais, auf eine Schaltung, die ohne Audioübertrager auskommt, und die mittels modernster ICs auf geringstmögliche Klangfärbungen ausgelegt wurde. Der m502 soll die Dynamik komprimieren und sich ansonsten möglichst zurückhaltend geben. Die Fertigungsqualität ist vom Feinsten, hardwareseitig macht das Gerät einen sehr vertrauenserweckenden Eindruck. Darüber hinaus macht die aus massivem Aluminium gefräste Frontplatte mit den glänzenden Potikappen auch optisch einiges her.

Sidechain unter bestimmten Voraussetzungen möglich

In Kombination mit einigen 500-Frames, etwa solchen von Radial oder Purple Audio, bietet der m502 anschlussseitig Funktionen, die über die Basis-Definition des 500-Standards hinausgehen und deswegen eben nicht bei allen Modul-Frames bzw. Lunchboxen zur Verfügung stehen. Erlaubt der Modulträger dies, so kann dem m502 auch ein externes Sidechain-Signal zugeführt werden.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare