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Test
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23.04.2015

Goodhertz Faraday Limiter Test

64 Bit AU / AAX Plugin für Logic und Pro Tools

Analog färbender Limiter für lau!

Der Faraday Limiter des Plugin-Newcomers Goodhertz wird mit dem smoothen Sound von hochwertigen Ein- und Ausgangsübertragern beworben, der sich zur Klangveredelung von Bussen wie auch Einzelspuren bis hin zu Gesang eignen soll.

Mit dem Begriff Limiter assoziiert man heute schnell die technische Variante, die häufig auf einem (Master-)Bus lediglich vor Pegelspitzen schützt und die letzten dB an gewünschter Lautheit herausholen soll. Zu dieser Gattung zählt der Faraday Limiter nicht! Was man mit dem Freeware-Plugin anstelle dessen so anstellen kann und ob sich die Installation auch wirklich lohnt, klären wir im folgenden bonedo-Test.

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Details + Praxis

Der Faraday Limiter komplettiert als einziges Freeware-Plugin das Sortiment des Herstellers, bestehend aus Can Opener/Studio (Crossfeed für Kopfhörer), Vulf Compressor, Tone Control (EQ), Lossy (Bit Crusher), Lohi (Filter) und Panpot. Weitere Informationen zu den Plugins findet ihr hier.

Alle bisher erschienenen Goodhertz-Plugins sind ausschließlich unter 64 Bit als AU und neuerdings auch als AAX-Plugin lauffähig. Goodhertz hat bereits angekündigt, dass weitere Formate (VST) in der Pipeline sind. Nachdem man als Zielgruppenzugehöriger hier ein Konto eingerichtet hat und hier die Software heruntergeladen hat, steht dem Spaß also nichts mehr im Wege. 

Im Download-File sind bereits alle erschienenen Plugins enthalten, wobei die kostenpflichtigen Effekte für eine 15-tägige Probezeit sogar einzeln aktiviert werden können.

GUI

Wie bei den anderen Plugins des Herstellers ist auch die Benutzeroberfläche des Faraday Limiters äußerst puristisch. Wobei, puristisch ist fast noch übertrieben. Goodhertz-Plugins lädt bzw. kauft man nicht, weil sie toll aussehen, sondern man toleriert zunächst das Aussehen, um im Nachhinein festzustellen, dass die Bedienbarkeit inklusive der großzügigen Regelwege viele Vorteile gegenüber den meisten fotorealistischen Oberflächen bietet.

Parameter

Die Parameter des Faraday Limiters erinnern mit variabler Ratio (2:1, 4:1, 8:1, 20:1) und regelbaren Zeiten für Attack und Release eher an einen Kompressor oder einen Limiter im Sinne eines Urei 1176 als an einen „technischen“ Limiter, der beispielsweise als hinteres Glied einer Mastering-Kette verwendet wird. Die Sounddesign-Intention erkennt man dann spätestens an den „Vibe“-Parametern „Color“ und „Warmth“, welche der gezielten Verfärbung und Sättigung des Signals dienen.

Die obere Abbildung zeigt das zweite Bedienfenster des Faraday Limiters. Hier lässt sich das Plugin in den HQ-Modus versetzen, den wir schon vom Vulf Compressor kennen und der die Qualität der Klangresultate mittels Oversampling nochmals steigert. Ein weiteres interessantes Feature ist die wahlweise Verlinkung von beiden Stereokanälen oder alternativ dem Mitten- und Seitensignal, wobei die Intensität der Verlinkung sowie das Verhältnis beider Teilsignale variabel sind. Hiermit lassen sich kreative oder auch korrigierende Manipulationen des Raumeindrucks durchführen, was auf diese Art für einen Limiter oder Kompressor eher ungewöhnlich ist. Das erst kürzlich in einem Update hinzugekommene Sidechain-HPF ist eine bewährte Funktion vieler Buss-Kompressoren und ein Zeichen dafür, dass die Programmierer von Goodhertz sich nicht zu fein sind, auch ihre Freeware-Plugins um sinnvolle Features zu erweitern!

Klang

Musik sagt mehr als 1000 Worte, doch bevor ihr euch die Audiobeispiele anhört, möchte ich hierzu anmerken, dass ich bewusst etwas übertriebene Einstellungen am Faraday Limiter vorgenommen habe, um seinen Charakter möglichst plakativ darzustellen. Vorwegnehmen kann ich seinen durchweg gutmütigen und musikalischen Charakter, der auch in den ersten Audiobeispielen zum Vorschein kommt, in welchen der Faraday Limiter in der Summe eines synthetischen Logic-Arrangements für eine sehr  starke Verdichtung (Threshold -24dB!) sorgt. Im ersten Audiobeispiel ist der Faraday Limiter auf Bypass.

Da die Einzelspuren der vorhergehenden Audiobeispiele teilweise schon recht „crunchy“ und obertonreich sind, ist die unterschiedliche Färbung der jeweiligen Files durch den Faraday Limiter eher nuanciert wahrzunehmen. Auffallend hingegen empfinde ich den abrundenden, organischen Charakter, der trotz meiner extremen Einstellung vorherrscht und offensichtlich der Übertrager-Emulation zuzuschreiben ist. In Audiobeispiel 04 sorgt die Anhebung des Seitensignals (M/S) für einen etwas räumlicheren Höreindruck. Im Folgenden hören wir einen Drum-Groove zunächst auf Bypass und dann mit zwei, auf Presets basierenden und etwas moderateren, aber immer noch kräftigen Einstellungen.

Zu guter Letzt hören wir den Faraday Limiter auf einer ungesäuberten Gesangsspur zunächst auf Bypass, gefolgt von zwei plakativen aber je nach Produktionsästhetik nicht unüblichen Einstellungen mit zunächst heller und dann warmen Färbung. Auch hier macht er einen sehr guten Job!

Was gefällt?

Der Goodhertz-Slogan „Simple interfaces & good audio“ geht auch beim Faraday Limiter voll auf! Die Fähigkeit, selbst bei starker Kompression nicht an Musikalität und Lebendigkeit einzubüßen, ist bemerkenswert und hat das Zeug dazu, einige meiner Standard-Kompressoren und -Limiter in den Vorruhestand zu versetzen. Zudem hat der Sound des Faraday Limiters wirklich dieses wohlige „gewisse Etwas“, das man mit hochwertigen Übertragern verbindet.

Was gefällt nicht?

Die Beschränkung auf AU/AAX 64Bit begrenzt natürlich die Zielgruppe, wobei Goodhertz bereits an weiteren Versionen arbeitet. Wenn man auf hohem Niveau meckern möchte, ist an dem Plugin selbst von meiner Seite aus eigentlich nur eine Kleinigkeit auszusetzen: Eine narrensichere, intelligente Pegelanpassung, wie man sie von einigen - eher technischen - Limitern kennt, ist leider nicht an Bord und hemmt ein klein wenig die Experimentierfreude. Bei aktivierter Funktion „Constant Gain“ wird das Signal bei der Absenkung des Thresholds merklich leiser, weil hier kein Pegel aufgeholt wird. Ist diese Funktion inaktiv, wird das Signal lauter und droht schnell, zu übersteuern. Nun ja, ein 1176 Limiting Amplifier bzw. Emulationen davon verhalten sich in dieser Beziehung aber auch nicht anders und verlangen nach manueller Anpassung des Outputs. Von daher ist dieser Punkt eher ein konstruktiver Verbesserungsvorschlag als wirklicher Kritikpunkt!

Fazit

Der Faraday Limiter ist kein weiteres technisches Mastering-Tool mit Brickwall-Limiting, Dithering und Co. Er ist stattdessen ein fantastisches Kreativ-Werkzeug, das sich vielseitig und unkompliziert zur Klangformung einsetzen lässt und das aufgrund seines organischen Sounds einen Stammplatz in jeder Plugin-Sammlung verdient! Es ist ein geschickter Schachzug des Herstellers,  das Plugin als Freeware anzubieten, weil es definitiv neugierig auf weitere Goodhertz-Produkte macht. Volle Punktzahl für den Faraday Limiter, die er auch als kostenpflichtiges Plugin verdient hätte.

  • PRO:
  • Vielseitiger Einsatz als Kompressor und Limiter
  • Überzeugende Soundeigenschaften
  • Kreative, analoge Färbung des Signals
  • Übersichtliche Bedienung
  • Freeware
  • CONTRA:
  • (Bisher nur als Audio Unit 64Bit für OS X und AAX (Pro Tools 11/12) verfügbar)
  • FEATURES
  • Limiter PlugIn AU 64Bit (OS X 10.7+) / AAX (OS X, Windows 7/8)
  • Emulierte Ein- und Ausgangsübertrager
  • Ratios 2:1 / 4:1 / 8:1 / 20:1
  • Attack und Release regelbar
  • Link wahlweise L/R oder M/S mit weiteren Regelmöglichkeiten
  • HQ-Mode (Oversampling)
  • Sidechain-HPF (20 bis 250Hz)
  • Variable Färbung des Signals
  • Preis:
  • Kostenlos auf der Webseite des Herstellers https://goodhertz.co/order

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