Test
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29.07.2020

Praxis

Vorbereitungen

Die Genelec 8030C RAW sind als Nahfeldmonitore für einen Hörabstand von etwa einem, bis anderthalb Meter gedacht. Mein Praxistest beginnt also mit der Aufstellung der Boxen, dem genauen Ausmessen der Abstände und der Einstellung des Wiedergabepegels. Nachdem die Genelecs eingemessen sind, beginne ich mit der Anpassung. Da die Boxen bei mir auf dem Studiotisch stehen, spiele ich zuerst mit dem Desktop-Filter und tatsächlich: Der Sound mit aktiviertem Filter bringt etwas mehr Klarheit in den Tiefen. Ansonsten belasse ich es bei dieser Anpassung, denn ich habe genug Abstand zu Rück- und Seitenwand und mein Raum ist mit Akustikpaneelen ausgestattet. Nächster Schritt: Hören!

Eine Beichte vorab

Okay, zuerst muss ich zugeben: Ich bin Genelec-Monitoren bisher möglichst aus dem Weg gegangen, da ich vor langer Zeit mal eher gemischte Erfahrungen mit einem Paar 1031A gemacht habe: Box und ich, wir sind einfach nicht zusammengekommen. Umso neugieriger war ich, wie mir die 8030C RAW in Anbetracht dieser Erfahrung gefallen würden und ich kann vorwegnehmen: Ich bin vollständig bekehrt!

Grundehrlich

Bisher hatte ich die Genelecs als leichte Schönfärber verortet, doch schon die ersten Tracks zeigen: Die 8030C RAW sind angenehm neutral im Klang. Ein Studiomonitor muss eine ebenso einfache, wie schwierige Aufgabe meistern: Gutes soll gut und Schlechtes schlecht klingen. Ich möchte Fehler im Sound hören und bis zu dem Punkt korrigieren können, dass ich sie nicht mehr als solche empfinde. Die 8030C RAW sind in diesem Sinne nicht die gnadenlosen Aufdecker, aber gerade der sensible Mittenbereich wird durchaus ehrlich wiedergeben.

Die Darstellung von Phantomschallquellen im Stereobild ist ebenfalls sehr gut, die Signale sind sauber getrennt und „hängen“ am Pan- oder Balance-Poti. In fertigen Produktionen wie Lordes „Tennis Court“ kann man den im Stereobild wandernden Percussionelemente deutlich folgen. Gesangsaufnahmen erklingen greifbar und dreidimensional aus der Stereomitte, diese hohe Trennschärfe der Signale macht die Mixarbeit weniger anstrengend und ich hatte auch nach längeren Hörsessions nicht das Gefühl, mein Gehör sei ermüdet.

Gutes klingt gut, Schlechtes schlecht

Dann spiele ein paar Produktionen aus Zeiten des Loudness-Wahnsinns ab und alles klingt genauso schlecht, wie ich es in Erinnerung hatte! Lilly Alans Album „Alright, Still“ ist so ein Kandidat oder Metallicas „Death Magnetic“. Der Daumen geht hier für das völlig überkomprimierte Mastering runter, für die 8030C RAW aber nach oben, weil die Box a) die Überkomprimierung und Verzerrungen deutlich hörbar wiedergibt, sich aber b) vom hohen Pegel wenig beeindruckt zeigt.

Ganz allgemein gefällt mir die Dynamik der Genelec 8030C RAW sehr gut, die Box kann erfreulich leise spielen, ohne dass sich der Klang großartig ändert. Trotzdem will ich's wissen und gebe mal richtig Gas am Volumenregler! Ich möchte hören, wie sich die Schutzschaltung bemerkbar macht. Tatsächlich breche ich diesen Versuch vorzeitig ab, weil es mir schlicht zu laut wird. Trotzdem weiß ich jetzt, dass die 8030C für die moderate Größe erstaunliche Lautstärkereserven haben, und Wiedergabepegel meistern, in die ich im normalen Studioalltag nicht vordringe.

Die 8030C RAW sind für ihre Größe nicht nur laut, sie erzeugen ganz schön viel Bass. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass man auf einen Subwoofer verzichten kann (kann man nicht, zumindest nicht für die Musikproduktion), aber für viele Anwendungen ist das Tieftonfundament ausreichend. Ich denke an Sprachaufnahmen und Hörspielproduktionen oder den Broadcastbereich.

Eine Tendenz bezüglich eines Musikgenres kann ich nicht heraushören. Ich habe verschiedenste Stile auf den 8030C RAW gehört, hab einen Song eines Jazzalbums, an dem ich gerade arbeite auf den Genelecs gemischt und Sprachaufnahmen editiert. Geht alles wunderbar!

Lediglich bei Klassikproduktionen würde ich eventuell eine andere Abhöre wählen, denn es gibt einen einzigen Punkt, an dem ich Kritik üben könnte: die Tiefenstaffelung. Die würde ich mir „tiefer“ wünschen, mit mehr Dreidimensionalität und mehr „Musiker sitzt vor mir im Raum“-Gefühl. Die Neumann K310 zeigen hier zum Beispiel eine deutlich tiefere und realere Klangbühne, aber zugegeben, diese Boxen sind auch in einer anderen Preisklasse angesiedelt.

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