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Feature
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18.04.2017

Gear-Chat Gregor Tresher

Performance, Workflow und Equipment

Luxemburg, Holland, Mazedonien, England, Serbien und Deutschland. Was auf den ersten Blick wie der Berufsalltag eines Business-Managers erscheint, ist Gregor Treshers Liste an Gigs – nur für den Monat April. Der Frankfurter ist schon seit mehr als einem Jahrzehnt global als DJ und mittlerweile auch als Live-Act unterwegs, betreibt sein eigenes Label „Break New Soil“ und findet nebenher auch noch Zeit für eigene Produktionen. Ein Gear-Chat mit einem der größten deutschen Techno-Interpreten.

Wann und aus welchem Antrieb heraus hast du dir dein erstes Equipment zum Auflegen zugelegt?

Das war 1994. Ich war 17 und fing an, in Clubs zu gehen. Die Initialzündung war, als ich Laurent Garnier an Weihnachten 1993 im Dorian Gray beim Auflegen zugesehen habe. Ich habe mir dann zwei Technics und einen kleinen Battlemixer zusammengespart und dann viel geübt.

Auch als jahrelang professioneller DJ: Gibt es auch heutzutage noch Gigs, die dich nervös werden lassen?

Ja, natürlich. Es sind aber vor allem die Live-Gigs, da bin ich nach wie vor aufgeregt, weil ich da nicht so routiniert bin wie als DJ.

Was war dein erstes Equipment zum Produzieren?

Ein Yamaha SY-35 und ein PC mit Cubase.

Hast du eine Equipment-Geheimwaffe? Ein Synthesizer oder einen Effekt, der immer für dich funktioniert?

Der Synthesizer, den ich wahrscheinlich am meisten benutzt habe, ist der Korg Mono/Poly, weil man von filigraneren Sounds bis hin zu sehr breiten Sachen (durch die vier Oszillatoren) so ziemlich alles damit hinbekommt.

Wie lange hast du gebraucht, um die ersten produktionstechnischen Hürden zu meistern? Welche waren das?

Ich erinnere mich, dass ich, als ich zum ersten Mal Cubase auf einem Atari ST gesehen habe, erstmal recht erschlagen war. Damals musste man ja auch erst einmal noch MIDI verstehen und meistern. Auch mit einem Sampler umzugehen war damals noch absolute Pflicht. Das ist heutzutage natürlich alles etwas einfacher geworden und man muss sich nicht mehr auf winzigen Displays umständlich durch tausende von Untermenüs klicken.

Wie beginnst du einen neuen Track? Und wie verläuft dann dein Workflow?

Ich habe kein wirkliches Rezept, das ich immer wiederhole, aber meistens kommt zuerst die Bassdrum und ich versuche daraufhin einen interessanten Leadsound beziehungsweise eine gute Melodie oder Harmonie zu finden. Wenn man einmal etwas in der Richtung gefunden hat, kommt der Rest des Tracks meist recht schnell. Das Arrangement empfinde ich als notwendige Fleißarbeit.

Welches Equipment nutzt du für deine Live-Sets?

Bisher Ableton mit Controllern und ein paar wenige Effekte. Ich arbeite gerade an einer neuen Version meines Live-Acts, sozusagen 2.0 – damit werde ich gegen Ende des Jahres anfangen zu spielen.   Wie funktioniert bei dir der Transfer vom Studio auf die Bühne? Das ist gerade momentan im Wandel – bisher habe ich mir mehr oder weniger Stems oder auch mal die ein oder andere MIDI-Spur von den Tracks beim Mixdown mit aufgenommen, die ich dann später auch live benutzen konnte. Ich bin aber gerade dabei, diesen Prozess zu verändern und den ganzen Live Act umzustellen. Dazu kann ich allerdings noch nicht so richtig viel sagen, das ist quasi gerade in der Mache.

Welche Teile deines Sets sind vorbereitet? Welche Elemente baust du live ein?

Als DJ spiele ich inzwischen von Festplatten die an den CDJs hängen. Ich höre jede Woche viel neue Musik und habe Ordner auf den Platten, die dann nach Wochen und Monat sortiert sind. Ich versuche als DJ immer recht neue Musik zu spielen und baue selten Classics ein, das entspricht meinem Verständnis von DJing, gerade im Bereich Techno. Beim Live-Set ist dann deutlich mehr vorbereitet, aber wie schon erwähnt, befinde ich mich da gerade in einer Umbruchsphase.  

Du trittst live und als DJ auf. Welche Vorteile siehst du hier bei den einzelnen Performance-Arten?

Ich bin schon deutlich länger DJ als ich live spiele, und das DJing liegt mir nach wie vor sehr am Herzen. Ich habe den Live-Act immer eher wenig spielen wollen, nicht zuletzt, weil es mich langweilen würde, immer die gleichen Tracks zu hören. Wenn die Leute zu einer Live-Show kommen, erwarten sie meistens auch die bekannten Tracks. „A Thousand Nights“ oder „Neon“ zum Beispiel habe ich aber schon seit Jahren nicht gespielt, und ich verstehe, wenn das manche Zuhörer dann enttäuscht. Nicht zuletzt deshalb arbeite ich an einer neuen Version des Live-Acts, der mir dann mehr kreative Möglichkeiten bietet, auch mal solche Sachen einzubauen, ohne sie in ihrer Originalversion spielen zu müssen. Abgesehen davon hat das Live-Spielen aber natürlich auch seine Reize und ich mache das schon sehr gerne, man ist naturgemäß aber nicht so flexibel, weil das Repertoire begrenzt ist. Mit sogenannten Live-Acts, die Tracks von anderen Künstlern spielen, kann ich nichts anfangen.

Was für Projekte stehen bei dir in nächster Zeit an?

Wir veröffentlichen im Mai die neue Ausgabe meiner Breaking New Soil Serie, mit verschiedenen Künstlern als Doppel-Vinyl und digital. Dann steht der Sommer vor der Tür, das heißt wieder viele Festivals in Europa und Ende Mai auch seit längerem mal wieder eine Australien- und Asien-Tour.

Dein Top-5-Equipment im Studio?

  • Steinberg Cubase
  • Korg Mono/Poly
  • Roland System 100
  • MFB Urzwerg
  • UAD-Plugins

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