Test
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12.03.2015

Fredenstein V.A.S. Mic Pre Test

9,5“ Mikrofon-Vorverstärker

Gold-Fredchen

Fredenstein V.A.S. Mic Pre im Test bei bonedo – Das 9,5“-Format scheint vom System 500 mengenmäßig überholt worden zu sein. Auch Fredenstein produziert fleißig für das API-Modulkassettenformat, doch auch für die halbe Rackbreite gibt es Geräte. Ein Beispiel wäre dieser Mikrofonvorverstärker mit der edlen Optik, der seinen Weg zum Review bei uns gefunden hat.

Zunächst einmal muss man Fredenstein zum gelungen Markenimage gratulieren: Der Name Fredenstein klingt nach alteingesessener deutscher Gerätemanufaktur, das „F im Ohr“-Firmenlogo sieht eher nach „Audiophile Stiftung der Schallplattenconaisseure Freudenstadt“ aus, denn nach dem, was eigentlich dahintersteckt: eine junge Company aus Taipeh, Taiwan. Aber wie wir wissen, ist der Herkunftsort heutzutage nicht mehr ein zuverlässiger Indikator für Qualität. Das gilt für die Republik China genauso wie für die Bundesrepublik Deutschland oder die USA. Das Entwicklerteam ist übrigens deutsch-amerikanisch. Noch etwas ist schlau am Namen „Fredenstein“: Es gibt ihn nicht als Nachnamen oder sonstige Bezeichnung. Und zuverlässige Suchmaschinentreffer sind heutzutage wichtiger denn je…

Details

Hurra!

Je nach Farbtemperatur der Beleuchtung sieht die Frontplatte des V.A.S champagner- bis kupferfarben aus. Das mag ein wenig zu stark „bling-bling“ sein, doch wirkt es nicht allzu dick aufgetragen. Und ein schnödes Schwarz ist ja manchmal ganz schön langweilig. Schon die Rückseite des Metallgehäuses bietet Anlass für Lob. So, jetzt alle mal kurz aufstehen und applaudieren: Der V.A.S. Mic Pre hat ein eingebautes Netzteil. Gut, externe Netzteile haben durchaus ihre Vorteile. Einer davon ist, dass man Einstreuungen von der Signalverarbeitung fernhält. Wade Goeke von Chandler beispielsweise beherzt das in allen Geräten außer dem Nachbau des REDD-Preamp der EMI. Außerdem kann ein Hersteller sich die Entwicklung eigener Netzteile oder die Implementation eingekaufter Platinen ersparen und sich eine ganze Reihe Zulassungsvorgänge ersparen. Mit ein Grund dafür, dass es so viele 500-Module und Boden-Effektgeräte gibt: Die Spannungen darin können niemanden umbringen. Ganz einfach. Fredenstein jedoch haben sich dem Ärgernis eines externen Netzteils angenommen und eines eingebaut. Irgendein standardisiertes Kaltgerätekabel statt eines 12Volt-… nein, Moment, 18Volt-Netzteils… wieviel Leistung soll das… Center Pin negativ… ja, aber der Stecker ist zu groß… ach Mist, falsches Netzteil mitgenommen… – ihr kennt das wahrscheinlich. 

Sieben Buchsen

Beim Blick auf die Rückseite erkennt man auch, dass man es dem User einfach machen wollte. Ein- und Ausgang sind sowohl als XLR- als auch als TRS-Buchse ausgeführt. Zudem findet man dort einen unsymmetrischen Insertpunkt. Zwei weitere Buchsen gibt es, allerdings auf der Vorderseite. Dort kann ein Instrument wie eine Gitarre oder ein Bass angeschlossen werden. Rechts auf der Frontplatte ist zudem ein Kopfhörerausgang mit separatem Lautstärkeregler vorhanden.

Eisen und OPA

Gain und Output regeln die Verstärkung, wobei Output lediglich ein Fader ist. Das bedeutet: Mit dem Gain kann der Amp heißer gefahren werden, dabei muss bisweilen der Output heruntergeregelt werden. Soundmäßig ist durchaus Farbe zu erwarten, denn im Inneren des V.A.S. verrichtet ein amerikanischer Eisenkernübertrager seinen Dienst. Und ein solcher kann ein Signal durchaus verändern. Zum Einsatz kommt ein Transformer von Edcor, die den Ruf „preiswert, aber gut“ innehaben. Der zentrale Operationsverstärker (übrigens „OPA2“, hier ist eine deutsche Assoziation wohl eher nicht gewünscht) ist auf einem Standardsockel installiert, kann also leicht getauscht werden. Das Gain lässt sich von 20 bis 65 dB regeln, bei Bedarf dämpft ein Pad um 20, sodass Clippings vermieden werden können und man beim Pegeln nicht im unteren Regelbereich des Gains herumdoktern muss.

Vernünftiges Metering

Auf der Ausstattungsseite kann der Verstärker ordentlich Punkte einfahren. Nicht nur, dass er mit den üblichen Funktionen Hochpassfilter (60 Hz), Polaritätsinvertierung und Phantomspeisung daherkommt, er hat auch eine Impedanzumschaltung von 1500 auf nur 300 Ohm. Durch den Verzicht auf die sonst übliche Überanpassung kann man bei einigen Mikrofonen den Klangcharakter durchaus ändern. Außerdem – und das ist bei Geräten dieser Größe und Preisklasse nicht gerade ein Standard – glänzt der V.A.S. mit einer achtsegmentigen Pegelanzeige. +20 dB ist rot markiert, also als Clip zu verstehen. Von dort sind es jedoch noch sechs weitere Dezibel bis zum definierten Clip-Punkt. Bei +4 dBu Output zerrt der Mikrofonvorverstärker bei einem Kilohertz mit 0,05% Signalanteil, aber ein Amp mit Übertrager ist eben nicht clean und will es auch nicht sein. Auch der Frequenzgang mit seinen 20 Hz bis 20 kHz bei einer Toleranz von insgesamt 2 dB wird von vielen anderen Preamps locker gepinnt. Das klingt nicht nach einem tierischen Impulsverhalten – aber das benötigt man ja auch nicht für jedes Signal. „Signal“ ist ein Triggerwort, denn schon zieht es das Mikrofonkabel in meiner Hand geradezu magisch in die Input-Buchse. Ich will endlich wissen, wie der goldene Fred klingt…

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