Hersteller_Finhol
Test
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20.02.2016

Praxis

Nachdem ich den Rock/Metal Air Kick mit Strom versorgt und per XLR-Kabel mit meinem Preamp verbunden habe, kann es losgehen. Zunächst lege ich das Gerät auf ein kleines Kissen innerhalb meiner Wahan 24x13 Zoll Acryl-Bassdrum. Diese ist eher offen gestimmt, die Felle können also ohne größere Mengen an Dämpfungsmaterial ungehindert ausschwingen. Beim Empfindlichkeitsregler beginne ich in der Mitte der Skala, nämlich bei fünf, den Sound-Wahlschalter stelle ich zunächst auf „Rock“. Als Stützmikrofonierung verwende für alle Soundfiles lediglich zwei Overhead-Mikros. 

Dynamik ist ein weites Feld, allerdings bestimmt diese der Trigger nach Gutdünken

Beim Spielen stellt sich umgehend das typische „E-Drum-Feeling“ ein. Dieses besteht bei mir aus dem Eindruck, nicht mehr Herr über die Dynamik zu sein, und – in einer schlimmeren Ausprägung – auch nicht mehr die volle Kontrolle darüber zu haben, was überhaupt gespielt wird. Die Aufnahme bestätigt dies: während alle Spuren zusammen irgendwie noch OK klingen, ist die auf solo geschaltete Air Kick-Spur nicht akzeptabel. Die Dynamik tut, was sie will, ab und zu löst der Drucksensor auch bei Snare- und Tom-Schlägen aus, während er den ersten Schlag schnellerer Doppelschläge gerne verschluckt. Und dabei handelt es sich offensichtlich noch nicht einmal um besonders dynamisches Material. Der Rock-Sound selbst ist durchsetzungsstark und verwendbar, klingt aber etwas synthetisch. Bei der „Metal“-Variante tritt diese Charakteristik – wie erwartet – noch stärker hervor. Hier mischt sich ein aggressiver Kick in den Gesamtound, die Performance fällt leider auch hier durchwachsen aus. 

Insbesondere für das Jazz/Blues-Modell lässt die dürftige Dynamik nichts Gutes erwarten. Und tatsächlich: eine leichte, dynamische Spielweise ist kaum möglich, weil das Air Kick Modul entweder gar nicht (auch bei maximal eingestellter Sensibilität) oder unberechenbar laut auslöst. Den Sound an sich würde ich eher als retro-rockig denn als jazzig bezeichnen. Das gleiche gilt für die Einstellung „Blues“, mir wäre ohne entsprechende Bezeichnung sicherlich nicht der typische Blues-Bassdrum-Sound in den Sinn gekommen, hier gibt’s stattdessen schon ziemlich attackbetont auf die Mütze. Das Pop/Funk-Modul bietet ebenfalls reichlich knallige Sounds, aber warum Funk deutlich bassiger ist als Pop, erschließt sich mir nicht. Im musikalischen Kontext dürften beide Sounds funktionieren, solange es nicht in die traditionelle Richtung geht, denn dafür sind sie zu modern. Ich habe euch hier alle sechs Sounds im Solo-Modus aufgenommen.

Der nächste Versuch mit einer kleineren Bassdrum

Ein etwas positiveres Bild ergibt sich bei einer kleineren, stärker gedämpften sowie tiefer gestimmten Bass Drum, in diesem Fall einer Wahan Buche Version in 20x14 Zoll. Hier kommt der Drucksensor mit dem Material besser zurecht, von dynamischer Performance würde ich trotzdem nicht sprechen. In den drei folgenden Klangbeispielen könnt ihr euch die Finhol Air Kicks im Groove-Kontext anhören. Im ersten verwende ich die große 24er Bassdrum mit dem Blues-Sample. Auffällig ist dabei die schwankende Dynamik, ebenso wie gelegentliche Fehltrigger auf manchen Snare-Schlägen. Im zweiten Beispiel kommt die kleine 20er Bassdrum mit dem Metal-Preset zum Einsatz. 

Beim Spielen irritiert mich bei schnelleren Schlagfolgen eine spürbare Latenz, besonders, wenn man das Air Kick Modul laut auf dem Monitor oder Kopfhörer hat. Ein Abgleich der Wellenformen von Overhead-Mikrofonen und Air Kicks bestätigt, dass die Air Kick-Samples acht Millisekunden später ankommen. Der Funk-Sound im dritten Beispiel ist recht aggressiv, das Gespielte klingt damit eher hart als smooth, und auch hier erzeugen Dynamiksprünge ein merkwürdiges Groove-Gefühl. 

Obwohl die Einfachheit des Air Kick Systems durchaus ihren Charme hat, empfinde ich es in der Praxis als Einschränkung, keinerlei Einfluss auf die Sounds nehmen zu können. Dass man für die einzige verfügbare Einstellungsoption – die Klangveränderung per Kippschalter am Gerät – aufstehen, ums Set laufen und in die Bass Drum greifen muss, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Showstopper.

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