Gitarre Hersteller_Fender
Test
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04.07.2009

PRAXIS

Schon bei den ersten Griffen hat man das Gefühl, ein Instrument in der Hand zu haben, mit dem man schon viele Jahre vertraut ist.  Oder beeinflusst die Optik hier die Psyche? Unsere Road Worn liegt jedenfalls auch mit dem dicken Hals richtig gut in der Hand und bietet eine exzellent niedrige Saitenlage, was bei stark gewölbten Griffbrettern schon außergewöhnlich ist. Deshalb sind auch schnelle filigrane Läufe keine Hexerei. Der Hals ist korrekt eingestellt, Bendings auf den Diskantsaiten bis zur kleinen Terz sind ein Kinderspiel und strengen nicht übermäßig an. Es gibt keine Deadnotes auf dem Griffbrett und bei jedem Akkordwechsel freut man sich über Bund- und Oktavreinheit.



Bei den Aufnahmen musste zunächst ein Fender Blues Deluxe Reissue ran. Beide Komponenten aus dem Hause Fender müssten sich doch gut vertragen, sollte man annehmen. Aber überraschenderweise konnte sich unser Kandidat auf dem klaren Kanal nicht so gut in Szene setzen wie erwartet. Der typische Telesound, den ich im Ohr hatte, war der Road Worn nicht auf Anhieb zu entlocken.

 

Mit dem Lead Channel erzeugt der Blues Deluxe allerdings ein brauchbares Signal. Hier überzeugten alle drei Toggle-Switch-Positionen, wobei der Solosound mit dem Bridge Pickup recht aggressiven kommt und der Neck Pickup schön bluesig Crunchs.

Für die klaren Sounds wurde auch ein Engl Screamer 50 bemüht. Dabei standen die drei Klangregler Bass, Middle und Treble am Amp linear in der 12 Uhr Position.
Mit dem Neck Pickup bringt unsere Road Worn jetzt einen glasklaren Ton mit klingelnden Höhen und knackigen Bässen.

Allerdings klingt das Signal im klaren Kanal mit gleicher EQ-Einstellung am Amp leicht „spitz“ oder „crip“, wenn man den Toggle-Switch in Richtung Bridge Pickup kippt. Unten kommt dann zu wenig Druck. Subjektiv kam auch zunächst ein leiseres Signal im Vergleich mit dem Neck Pickup an. Das Problem lässt sich aber wegschrauben, wenn man den Pickup etwas weiter hochfährt. Wie schon gesagt: Der Bridge Pickup ist mehr für den Solosound im Lead Channel gemacht, aber bei Rhythmen sollte gegebenenfalls auch der Tone Regler mitmischen.

 

Wenn beide Pickups im klaren Kanal des Engl zusammengeschaltet werden, stimmt der Mix. Die Höhenanteile des Bridge Pickups dominieren beim Rhythmus nicht mehr.

Auch auf dem Lead Channel machen die beiden Tex Mex ein guten Eindruck, wenn es crunchen soll. Hier ist das Umschalten mit dem Toggle Switch unproblematischer.

Für Hi-Gain Sounds ist der Ton der Road Worn Tele substantiell nicht geeignet; die gab es damals in der 50er Jahren ja auch noch nicht. Aber bei Blues, Oldies, Country, Rock und auch Hard Rock machen die Pickups eine gute Figur. Ein Vergleich mit einer richtig alten Tele wäre schön gewesen. Leider war gerade keine zur Hand. Aber auch unter den alten Instrumente gibt es gute und schlechte und nicht alle Oldies waren und sind heute ihr Geld wert. Aber vielleicht reicht ja auch schon ein direkter Vergleich beim Händler mit einer teuren Relic „Made in USA“.

Natürlich bringt unsere Tele auch alle bekannten Schwachpunkte der alten Instrumente mit, die man im Laufe der Jahrzehnte ausgemerzt hat. Aber Gewicht, Klinkenbuchse, Justierschraube für den Truss Rod am Schlagbrett, der dreiteilige Steg und die Ecken und Kanten am Body gehören dazu und machen den Charme dieser Kopie erst aus.

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