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Test
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22.06.2012

Dynaudio Professional DBM50 Test

Aktiver Nahfeldmonitor

Der schräge Revoluzzer

Auf der Musikmesse 2012 waren wir live vor Ort dabei, als Dynaudio anlässlich des 20sten Firmenjubiläums die Neuausrichtung der Marke und ihrer Sub-Marken bekanntgab. In diesem Zusammenhang gab es auch gleich noch die neuesten Entwicklungen zu bestaunen.

Eine echte Überraschung stellte für mich dabei die DBM50 dar, schien es sich doch um eine modifizierte Variante der BM5A MK2 zu handeln, welche wir in unserem Testmarathon Aktive Nahfeldmonitore bis 1000 Euro bereits für „sehr gut“ befunden haben. Das Besondere an diesem neuen Lautsprecher stellt die nach hinten geneigte Front dar, wodurch die akustische Achse genau auf die Ohren zielt, wenn man denn den Speaker auf einen ganz normalen Schreibtisch stellt. Ein Umstand, der wohl in vielen Projekt- und Heimstudios zu finden sein wird. Auf geht´s!

DETAILS

Bei der Dynaudio DBM50 handelt es sich um einen aktiven Zwei-Wege Nahfeldmonitor, der mit einem 180 mm (ca. 7“) großen Tieftöner und einem 28 mm großen Soft-Dome Hochtöner ausgestattet ist. Das Gehäuse wurde in Bassreflexbauweise konzipiert, der Port wurde auf 39 Hz abgestimmt und befindet sich rückseitig.

Wie bei den meisten „Aktiv-Monitoren“ üblich, werden auch hier Hoch- und Tiefton-Wege aktiv getrennt und anschließend von separaten und eingebauten Endstufen versorgt. Das besondere dabei ist, dass beide Wege digital und „DSP-basiert“ bei 1,5 kHz getrennt werden. Anschließend bekommen dann beide Wege jeweils 50 Watt (RMS) Verstärkerleistung pro Speaker spendiert.

Damit soll ein Grenzschalldruckpegel von 117 dB (SPL) Peak pro Paar in einem Meter nach „IEC Short Term“ sichergestellt werden. Diese Angaben erscheinen mir realistisch, und somit findet sich dieser Speaker größen- und leistungsmäßig zwischen der bereits von uns getesteten Dynaudio BM5A MK2 und der etwas größeren Dynaudio BM6A MK2 ein.

Mit rund 14 Litern Fassungsvermögen und den äußeren Dimensionen von 230 x 348 x 335 mm fällt das Gehäuse dennoch etwas größer aus, als bei den beiden anderen Familienmitgliedern - und das, obwohl die DBM50 mit einem Gewicht von 7,2 kg die leichteste Box des Dreiergespanns ist.

Die Angabe des Übertragungsverlaufes von 46 Hz – 21 kHz (+/- 3 dB) pendelt sich demnach zwischen BM5A und BM6A ein. Weitere Unterschiede finden sich in dem Gehäuse-Finish, während das MDF-Holzgehäuse der beiden Schwestern furniert wurde, ist es bei unserem vorliegenden Testkandidaten DBM50 nun schwarz/grau-matt foliert.

Der auffälligste, optische und auch funktionelle Unterschied ist jedoch die offensichtlich nach hinten gekippte Front, wodurch die Box, von vorn betrachtet, fast schwebt. Cool. Doch dabei soll es nicht bleiben, denn das Ganze hat ja einen praktischen Hintergrund, und zwar folgenden: Bei einer normalen, waagerechten Positionierung auf einem handelsüblichen Schreibtisch wird dank des gewagten Designs trotz Höhenunterschied sichergestellt, dass die akustische Achse der Speaker dennoch auf die Ohren zielt, wenn man sie im Nahfeld innerhalb von bis zu ca. einem Meter Abstand aufstellt.

So spart man unter Umständen spezielle Studio-Möbel oder Stative, um die Boxen idealerweise auf Ohrhöhe zu positionieren bzw. Schaumstoffkeile zum Unterlegen, falls man die Boxen anwinkeln möchte. Zwar kann man die DBM50 auch auf die Seite legen, sodass sie wieder „normal“ nach vorne strahlt, aber dann kann man sich ja auch gleich „normale“ Monitore holen, oder? Nun, so viel vorweg: immerhin reduziert das asymmetrische Design auch innere Resonanzen.

Gleich geblieben sind hingegen die Metalleinfassungen der Hoch- und Tieftontreiber, wodurch nicht nur optische BM-Familienzugehörigkeit bewiesen wird. Im Hochtonbereich hat dies ja bewährte, funktionelle Gründe: Die leichte Vertiefung des Hochton-Latzes, der sogenannte Waveguide, sorgt nämlich für eine homogenere Ankoppelung des Treibers an die Schallwand und damit für weniger Verzerrungen im HF-Bereich durch Reflexionen.

Das 360°-konsistente Design des grau-pulverbeschichteten Rings lässt erahnen, dass keine besonderen Unterschiede in der vertikalen bzw. horizontalen Abstrahlung des Speakers zu erwarten sind. Der sternartige Käfig hingegen soll den Hochtontreiber vor mechanischen Gefahren schützen und zusätzlich einfach nur „gut aussehen“. Ich denke nicht, dass er die Aufgabe eines Diffusers erfüllt.

Der Tieftöner hingegen verzichtet auf den manuellen Schutz in Form eines Gitters. Er ist aus einem besonders harten Kunststoff (MS-Polymer) gefertigt und besitzt eine 75mm Alu-Schwingspule. Zu seinen Gunsten wurden wiederum die Gehäusekanten abgeschrägt, um eventuelle, vom ihm ausgehende, Turbulenzen an den sonst zu scharfen Kanten zu unterbinden. Das machen mittlerweile ja fast alle Hersteller so.

Unterhalb des Basstreibers findet sich dann das neue Dynaudio Professional Logo, allerdings ohne den Zusatz „Professional“. Auch die Status-LEDs mussten ihren Platz räumen. Jetzt findet sich die grüne LED, welche den Schaltzustand signalisiert, auf der „cleanen“ Rückseite, wo keinerlei Kühlrippen, o.ä. abstehen, wenn man von eingesteckten Kabeln einmal absieht.

Eine LED zur Überlastungs-Anzeige findet sich nicht mehr. Mit zwei gesunden Ohren merkt man aber sicherlich auch ohne blinkendes Lämpchen, wann man (s)eine Box überfordert. Sie geht dank der eingebauten Schutzschaltungen zwar nicht zwangsweise kaputt, sehr lange sollte man dies trotzdem nicht tun - allein, weil es scheußlich klingt, wenn der Limiter des Woofers greift und der Sound presst.

Thermische Überlast-Schutzschaltungen gibt es auch, ich konnte sie aber trotz langer und übermütiger Aussteuerung nicht zum Auslösen provozieren, was sicherlich auch der guten Dimensionierung der Endstufen geschuldet bzw. zu verdanken ist. Außerdem gibt es eine Auto-Standby-Funktion, welche den Speaker abschaltet, sobald kein Audiosignal anliegt, bzw. umgedreht. Das wiederum ist praktisch und „grün“.

Neben einem XLR-Eingang hat Dynaudio der DBM50 rückseitig auch einen Cinch-Eingang spendiert, wohl wissend, dass sich wahrscheinlich nicht nur Musikschaffende für diese Art von Speaker interessieren dürften. In dem Zusammenhang nicht überraschend, aber dennoch etwas unpraktisch, der Stromanschluss: Hier finden C7/C8-Kabel der Heimgebrauchs-A/V-Technik Verwendung und keine gewöhnlichen Kaltgeräte-Kabel. Da die notwendigen, wenn auch etwas speziellen, Kabel dennoch mitgeliefert werden, ist dies aber auch nicht ganz so tragisch.

Der Miniklinken-Eingang wiederum dient dem Anschluss einer proprietären, Kabel-gebundenen Volume-Fernbedienung, die es optional und für rund EUR 80,- gibt.

Abgerundet wird unser Überblick der Rückseite bei der kleinen Schalttafel mit den „verpolsicheren“ Mini-Schaltern: Einer davon dient der Pegelkontrolle und wartet mit -10 dB / 0 dB / +4 dB Wahlmöglichkeit auf. Die Filter hingegen bilden Eingriffsmöglichkeiten im Bassbereich von -2 dB / 0 dB / +2 dB sowie ein Mitten-Filter mit -4 dB / -2 dB / 0 dB und ein Höhenfilter mit –1 dB / 0 dB / +1 dB Korrektur. Ein Hochpass-Filter, vorzugsweise zur Benutzung mit einem Subwoofer, befindet sich ebenfalls an Bord, und lässt wiederum wahlweise eine Begrenzung ab 60Hz oder 80 Hz zu bzw. kann auch ausbleiben. Ich hab eine Vermutung, dass auch die Filter digital sind, konnte diese Mutmaßung bis hierher aber nicht verifizieren. Aufschrauben und reinschauen, war diesmal leider nicht drin, da die Rückseite zusätzlich eingeklebt war.

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