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Test
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03.10.2015

DW MDD Machined Direct Drive Double Bass Drum Pedal Test

Doppelfußmaschine

Gefräst, nicht gegossen

Traditionell beginnt fast jeder bonedo Test mit ein paar Worten zur Zielgruppe des betreffenden Produkts, wobei man manchmal schon ein bisschen überlegen muss, welche Käufer eine Firma denn eigentlich im Sinn hatte. Im Falle der DW MDD Machined Direct Drive Doppelfußmaschine dürfte nur eine relativ übersichtliche Anzahl an Trommlern in Frage kommen, nämlich jene, die beim Lesen des Listenpreises nicht in Ohnmacht gefallen sind. Für knappe Tausendvierhundert Euro bekommt man nämlich auch schon ganze Mittelklasse-Drumsets mit Hardware. Oder drei Tama Iron Cobra Doppelpedale. Wer sich trotzdem für das neue DW Topmodell entscheidet, wird dies sicherlich nicht nur tun, weil die amerikanische Firma einen exquisiten Ruf besitzt, was Fußwerkzeuge für Trommler angeht, sondern auch, weil schon die Aufzählung der Features eine Art Revolution im Bereich der Highend-Maschinen verspricht.

Habe ich im Test eines anderen DW-Modells gerade vom Beitrag der Firma zur Entwicklung der ersten kettengetriebenen Pedale berichtet, wird im Falle unseres heutigen Testkandidaten fast alles über den Haufen geworfen, was man bisher über Fußmaschinen und deren Einstellungsmöglichkeiten zu wissen glaubte. Die bekannte Bauform scheint bei der MDD Maschine nur halbherzige Tarnung zu sein. Was DW hier technisch umgesetzt hat, geht weit über die üblichen Detaillösungen und kosmetischen Modifikationen hinaus, die der geneigte Trommler bei der Präsentation neuer Modelle sonst gewohnt ist. Wie immer kommt es aber am Ende drauf an, wie gut man mit den Fußmaschinen Musik machen kann, also musste sich das Hightech-Gerät einem gründlichen Praxistest unterziehen.

Details

Die MDD Maschine wirkt extrem robust, ist dabei aber sehr leicht

Schon der Karton lässt vermuten, dass was Teures drin ist. Ein Stempel mit den Worten „Custom Packaging, Camarillo CA“ bezieht sich denn auch nicht auf den Inhalt, sondern die Verpackung selbst. Laut Aufschrift hält sie diversen Strapazen stand und scheint geeignet, den kostbaren Inhalt angemessen vor allerlei Zudringlichkeiten zu schützen. Selbstverständlich klötert das Alu-Kunstwerk auch nicht lose darin herum, sondern ist in einem Softbag größeren Ausmaßes und mittelmäßiger Qualität untergebracht. Darin befindet sich die teuerste Doppelfußmaschine, die mir je begegnet ist, und auch penible Naturen werden neidlos anerkennen, dass der mechanische Eindruck über jeden Zweifel erhaben ist. Den entscheidenden Hinweis auf eine besonders hohe Qualität liefert das Wörtchen „Machined“ in der Typenbezeichnung. Hier wird demnach nicht gegossen (wie bei fast allen anderen Fußmaschinen), sondern aufwändig CNC-gefräst, und das  nicht in China oder Taiwan, sondern in den USA. Auffällig ist der reichhaltige Ausstattungsumfang, und auch sonst wirkt am Testkandidaten irgendwie alles neu, nur die Form der Trittplatten und die Rahmengeometrie mit dem einsäuligen Slave-Pedal gibt Hinweise auf seine Herkunft. Neben einem Multischlüssel finde ich im Karton noch eine Bedienungsanleitung sowie einige Klettstreifen zur optionalen Sicherung der Bodenplatten auf Teppichböden. 

Schon bei den Beatern gibt es umfangreiche Optionen

Zwei Stoffbeutel beinhalten jeweils vier kleine, zehn Gramm schwere Messingzylinder sowie zwei, mit Gewinden versehene, Beater-Schlagflächen. Eine ist glatt und aus Plastik, die andere unterscheidet sich durch einen leicht gerundeten Filzeinsatz. Somit kann man aus drei verschiedenen Beater-Köpfen wählen, werksseitig montiert ist eine Variante mit glatter Filzoberfläche. Ein Blick in die Bedienungsanleitung lüftet schließlich auch das Geheimnis der Messingstücke. Schraubt man die Beater-Köpfe ab, lassen sich diese in vier dafür vorgesehene Mulden stecken, was zu insgesamt fünf Gewichtsvariationen der Beater führt. Dass sich diese selbsttätig an den Fellwinkel anpassen und so für optimalen Kontakt sorgen, rundet ihre Funktion ab.

Der Drehpunkt der Antriebsstange lässt sich stufenlos variieren

Weiter geht es mit den Trittplatten. Diese sind gelocht und aus Aluminium gefräst, ihre Verbindung zum Fersenteil stellt das bekannte, spielfrei arbeitende Delta Scharnier her. Bei der Kraftübertragung setzt DW auf einen Direktantrieb, welcher ebenso aus einer leichten Alu-Stange besteht, allerdings eine neuartige Einstellungsoption bietet. DW nennt sie Quick Pivot Adjustment. Durch eine Verschiebung des Drehpunktes kann so die Übersetzung der Pedalbewegung verändert werden. Eine Vierkantschraube fixiert hierbei einen stufenlos verschiebbaren Schlitten an der Beater-Aufnahme. Am vorderen Ende dieses Schlittens ist wiederum die Verbindungsstange des Direct Links kugelgelagert aufgehängt. Je weiter man den Schlitten nach vorne schiebt, desto weiter entfernt sich die Antriebsstange von der Achse. Der Antritt wird nun leichter, gleichzeitig verlängert sich aber auch der Trittweg. Umgekehrt verlagert sich die Übersetzung in Richtung eines kürzeren, dafür etwas schwergängigeren Weges. 

Alle Einstellungen können mit dem Stimmschlüssel vorgenommen werden

Am unteren Ende der Antriebsstange lässt sich – ebenfalls per Vierkantschlüssel – die Höhe des Trittplattenwinkels verändern, selbstverständlich stufenlos. Ähnlich wie bei der 9000er Serie sind die Federn nicht an der Außen-, sondern der Innenseite des Aluminiumrahmens montiert. Über eine kugelgelagerte obere Aufhängung sind sie mit den Beater-Aufnahmen verbunden, per Stimmschlüssel lässt sich hier direkt der Winkel der Schlägel einstellen. Ein wirklicher Clou ist jedoch die Tatsache, dass die Veränderung der Federspannung nicht über das konventionelle Lösen sich gegenseitig konternder Schrauben geschieht, sondern ebenfalls durch Vierkantschrauben, welche eine in den Säulen untergebrachte Zugmechanik in Bewegung setzen. Für eine sanfte Befestigung und gleichzeitig perfekte Anpassung an alle Spannreifen und Bassdrum-Neigungen soll ein Trio aus gummierten, flexibel aufgehängten Metallplättchen sorgen. Die unteren beiden dieser Plättchen sitzen dabei auf einer axial beweglichen Aluminumzunge. Auch nicht ganz mittiges Anbringen des Pedals am Reifen soll damit spannungsfrei möglich sein, ohne dass das Pedal schräg steht. Als wäre all dies noch nicht genug, sind fast alle Einstellungen mittels aufgelaserter Skalen memorisierbar, und wer sich völlig verschraubt hat, findet sogar Markierungen für die Auslieferungseinstellungen. Clever gelöst! Zu guter Letzt wäre noch die sehr massive und dennoch leichte Kardanwelle zu erwähnen. Aber nun will ich endlich wissen, wie sich das edle Gerät in der Praxis schlägt.

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