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15.07.2019

Drum Cover Classic: Sade „The Sweetest Taboo“

Legendäre Drummer & Grooves #7 - Dave Early

Back to the legendary 80`s! In dieser siebten Folge unserer kleinen Workshop-Reihe widmen wir uns einem Groove, an dem in den superkreativen Achtzigern wohl niemand vorbeikam: Die Rede ist von „The Sweetest Taboo“, einer Single vom zweiten Album „Promise“ der Londoner Combo „Sade“ aus dem Jahr 1985. Sade ist sowohl der Bandname als auch die abgekürzte Form des Namens der betörenden nigerianisch-britischen Jazz- und Soul-Sängerin Helen Folasade Adu, kurz Sade Adu, ganz kurz: Sade. Die Band, zu deren vierköpfiger Kernbesetzung nach der Trennung von Gründungsmitglied Paul Cooke kein fester Drummer gehörte, kreierte auf ihrem ersten Album „Diamond Life“ im Jahre 1984 einen bis dahin ungehörten, super-entspannten Smooth-Jazz-Sound mit viel Soul und unwiderstehlich hookigen Pop-Songs, die die Welt im Sturm eroberten. Die Folge waren ein BRIT-Award sowie über zehn Millionen verkauften Einheiten des Debuts. Neben dem Knaller-Erfolg der Single „Smooth Operator“ finden sich weitere zeitlose, größtenteils live eingespielte Klassiker auf der Platte; man fühlt sich in eine entspannte und sexy Welt von Bossa-artigen Rimclick-Pop-Beats versetzt, angereichert mit sparsamen Drumcomputer-Programmings und traditioneller Percussion, die durch ihren poppigen Einschlag zwar modern und hitlastig, aber dennoch bis heute absolut zeitlos rüberkommen. 

Den bewährten Sound führten Sade auch auf dem Nachfolger „Promise“ im Jahre 1985 weiter und schafften damit Nummer-1-Album-Platzierungen in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Im Unterschied zu „Diamond Life“ wurden vom erneut engagierten Produzententeam (Mike Pela, Robin Millar, Ben Rogan und der Band selbst) bei „Promise“ nun auch vermehrt neueste Technologien wie das Sampeln von Live Drums eingesetzt; grundsätzlich wurde aber weiterhin zusammen live eingespielt. Für die Studio-Sessions stieß Drummer Dave Early, wie schon beim ersten Album, zur Band. Der Engländer Early, der unter anderem auch mit Chris Rea und Van Morrison arbeitete, starb tragischerweise im Jahre 1996 im Alter von nur 39 Jahren bei einem Autounfall in Irland.

Aus Drummer-Sicht sticht aus diesem Album besonders die Single „The Sweetest Taboo“ heraus, die es schließlich auf Platz fünf der US-Billboard Charts schaffte. Dave Early versah die Nummer mit einer zweitaktigen Groove-Komposition aus Bass Drum, Rimclicks und Snare Backbeats, welche den gesamten Track prägt und trägt. Ob Early den Groove über die gesamte Dauer des Songs live getrommelt hat, oder ob Teile bzw. Takte geloopt wurden, lässt sich für mich nicht abschließend klären, in jedem Falle: Ein sehr schöner, unverwechselbarer Beat! Und diesen legendären Ohrwurm-Groove schauen wir uns nun einmal im Detail an!

Alle Noten zum download:

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Der Zweitakter, mit dem der Song auch beginnt, besteht aus einem intelligenten Geflecht aus Bass Drum und korrespondierenden Rimclicks sowie auflösenden Snare Backbeats zum jeweiligen Ende der Takte. Auf Hi-Hat und Toms am Kit wurde bei den Aufnahmen gänzlich verzichtet. Ausgehend von den Infos, die ich zur Produktion finden konnte, scheint es, als wären die Rimclicks und die Snare Backbeats (gleichzeitig) mit nur einer Snare aufgenommen worden – was möglich ist, was ich bewegungstechnisch aber recht „eng“ und somit etwas schwierig fand – ich habe für die Re-Recordings eine zweite Snare Drum für die Rimclicks benutzt. Die rhythmische Basis von „The Sweetest Taboo“ stellen Sechzehntel-Dreiergruppen in der Bass Drum dar, laufend über die jeweils ersten drei Viertel des Taktes, gefolgt von zwei Backbeat-Varianten an den Taktenden. Die Rimclicks „folgen“ quasi den Bassdrum-Noten – was für ordentlich Bewegung sorgt – und werden dann jeweils im Bereich der „4“ durch die Snare-Akzente aufgelöst. Achtet auf das notierte Sticking – die Snare Backbeats fallen alle drei auf die rechte Hand, während die Rimclicks folgerichtig mit links gespielt werden. Wenn Ihr beide Sounds aus nur einer Snare herausholen wollt, versucht, die Backbeats nicht durch die auf dem Fell aufliegende linke Hand „tot zu dämpfen“, sondern die linke Hand hoch zu nehmen, wenn der Backbeat ansteht.

Hier einmal nur die linke Hand isoliert notiert. Besonders clever und effektvoll finde ich den noch untergebrachten (Linke-Hand-) Rimclick-Schlag auf der zweiten Sechzehntel der „4“ des ersten Taktes, weil er dem unmittelbar danach folgendem Snare Backbeat (mit rechts) auf der „4+“ nochmal einen schönen Auftrieb verschafft. Im hinteren Takt liegen die Rimclicks auf „3“ und „3+“, die Snare Backbeats auf „4“ und „4+“, sodass der zweite Takt des Grooves wie eine Antwort auf die Frage vom ersten Takt wirkt – Stichwort „Call and Response“.

Die isolierte Rechte-Hand-Notation zeigt die drei Backbeats, die quasi als „Anker“ für den Beat fungieren. 

Und hier noch die Bass Drum in der Einzelansicht. Ihr seht, dass beide Takte identisch sind (Dreiergruppen in Sechzehnteln über jeweils drei Viertel), im ersten Takt kommt lediglich eine weitere Bassdrum-Note auf der „4“ dazu. Ein kleines Detail, das im Zusammenspiel aller Elemente aber einen spürbaren, „uplifting“ Unterschied bewirkt.

Ich empfehle Euch, die drei verschiedenen Stimmen des Grooves einzeln und in verschiedenen Kombis miteinander auszuchecken und so zu üben. Auf diese Art könnt Ihr den Beat wirklich bewusst spielen und die Verhältnisse der Noten zueinander verstehen.

Im Studio wurde der nackte Groove (es ist ja kein Hi-Hat Ostinato oder ähnliches am Start) von Percussionist Martin Ditcham unter anderem noch mit einer Shaker-Figur verwoben, die mit ihren rollenden Sechzehnteln sowohl ein verbindendes Element hereinbringt, als auch für weitere Bewegung im Beat sorgt. 

Im Mittelteil des Songs wird der Groove etwas variiert: Die Snare Backbeats sitzen hier auf den klassischen Positionen „2 & 4“. Im ersten Takt muss dafür die zuvor angesprochene Bass Drum auf der „4“ weichen. Interessant, was eine kleine Variation in der Snare für eine Veränderung im gesamten Groove Feel ausmachen kann, oder..?

Live Video (2011), Pete Lewinson on Drums: 

Ich habe im Netz diesen schönen Clip gefunden, eine Live-Version von Sade mit „The Sweetest Taboo“ aus dem Jahre 2011. Dort ist gut zu sehen und zu hören, wie der aktuelle Live-Drummer Pete Lewinson Hi-Hats zum Original-Beat addiert, welche die Shaker-Stimme aus dem Studio simulieren, während Live-Percussionist Karl Vanden Bossche die Congas bedient. Technisch ist diese Umsetzung eigentlich recht einfach, wenn man den Original Beat einmal drauf hat. Tom Lewinson spielt quasi durchgehende Rechte-Hand-Achtel auf der Hi-Hat und flechtet nur auf der vierten Sechzehntel der „4“ (Takt 1) bzw. der zweiten und vierten Sechzehntel der „4“ (Takt 2) mit links gespielte Hi-Hat Noten ein. Um den Groove bewegungstechnisch und soundmäßig so umzusetzen, dass er live und auf großen Bühnen funktioniert, macht es Sinn, die Rimclicks auf einer links von der Hi-Hat positionierten Snare bzw. einem E-Pad (Stichwort Sound-Konstanz / Lautstärke) mit einem Rimclick-Sample zu spielen. Eine gute Idee, wie ich finde, die auch bestens funktioniert.

Hier noch einmal der Live-Main-Groove: Die Rimclick-Figur der linken Side-Snare spiele ich, quasi ein E-Pad simulierend, auf dem Fell und ohne angelegten Teppich. Das klingt natürlich etwas anders, aber so lässt sich das Linke-Hand-Pattern zusammen mit der Hi-Hat deutlich konstanter und leichter spielen. 

Ich hoffe, ich konnte Euch mit dieser Groove-Analyse dazu inspirieren, euch ein wenig mit der grandiosen, zeitlosen Musik von Sade und dem Spiel des durchaus auch legendären Drummers Dave Early zu beschäftigen. Abgesehen davon, dass wohl so ziemlich jeder diesen unverwechselbaren und eingängigen Groove schon einmal gehört hat und mit Sade in Verbindung bringt, ist „The Sweetest Taboo“ vor allem ein ausgesprochen effektiver, Song-prägender und intelligent komponierter Drum Beat, der dem Titel „Legendärer Groove“ auf jeden Fall würdig ist – und den der leider viel zu früh verstorbene Dave Early einfach toll eingespielt hat.

Viel Spaß beim Auschecken wünscht Euch

Harry Bum Tschak

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