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06.06.2019

Drum Cover: Mark Ronson, Lykke Li - „Late Night Feelings“

Drum Cover Workshop

Die neue Single des renommierten Produzenten mit Soundfiles und Noten

Am 21. Juni 2019 erscheint das fünfte Album von Mark Ronson, der spätestens seit seiner Zusammenarbeit mit Künstlern wie Amy Winehouse („Valerie“) oder Bruno Mars („Uptown Funk“) momentan zu den angesagtesten Produzenten gilt. In diesem Workshop zeigen wir euch den Groove des Songs mit Noten- und Audiobeispielen.

Was Mark Ronson von so manch anderem Produzenten unterscheidet, ist seine Vorliebe für staubige Funk- und Soul-Klänge, vor denen auch die neue Single „Late Night Feelings“ des gleichnamigen Langspielers nicht zurückschreckt. Für diesen Song holte sich Mark die schwedische Sängerin Lykke Li ins Studio, die mit dem Song „I Follow Rivers“ wohl eine der erfolgreichsten Singles der letzten Jahre veröffentlichte. 

Das Musikvideo zu „Late Night Feelings“:

Der Beat

Die charismatische Stimme von Lykke Li wird anfangs lediglich durch einen Viertelpuls in der Bass Drum unterstützt, der sehr muffig und staubig klingt und sich damit wunderbar unauffällig in das atmosphärische Klangbild aus Steeldrum und Motown-Bass einfügt. 

Spätestens mit dem Einsatz der Sechzehntel-Hi-Hat (Hand-to-Hand gespielt) und der Snaps und Claps auf „2“ und „4“ (Overdubs) wird klar, dass Mark, zumindest in Hinblick auf die Drums, erneut die klangliche Zeitreise in die Funk- und Soul-Ära unternimmt, die seine Handschrift als Produzenten bereits auf dem legendären Album „Back To Black“ von Amy Winehouse prägte, welches zusammen mit der legendären Backingband „The Dap Kings“ entstand. Anhand der kleinen, aber feinen Hi-Hat-Variationen ist nicht zu überhören, dass es sich bei „Late Night Feelings“ um live gespielte Drums handelt und nicht etwa um einen programmierten Drumtrack. Nach einer kurzen Recherche steht fest: Auch in diesem Fall hat sich Mark auf das einzigartige Feel von Homer Steinweiss verlassen. Wer hierzu mehr erfahren möchte, dem sei unser Interview mit dem Dap Kings-Drummer Homer Steinweiss ans Herz gelegt.

Kurz darauf setzt die Snare ein, die den Vintage-Vibe mit ihrem staubtrockenen und unprätentiösen Sound komplettiert. Das Ganze wird schließlich mit einem Triangle-Overdub ausgeschmückt, und fertig ist das Groove-Arrangement, das voll und ganz in der Tradition von Disco-Funk-Bands à la Kool & The Gang steht.

Während sich der Song entschlossen der Zielgrade nähert, wird der Fluss der Sechzehntel-Hi-Hat spontan durch ein kleines Fill-in auf der Snare unterbrochen. Wichtig ist, dass man hierbei das Hand-to-Hand-Sticking beibehält.

Der Sound

Der britische Musiker Jamie Lidell spricht in seinem Podcast „Hanging Out With Audiophiles“ mit Musikern, Engineers und Produzenten. Im Interview, das er mit Mark Ronson führt, erfährt man, dass Marks absoluter Lieblings-Drumsound auf dem Album „Release Of An Oath“ (1968) von der Band The Electric Prunes – mit Earl Palmer am Schlagzeug – zu hören ist. Kein Wunder also, dass der Drumsound von „Late Night Feelings“ in dieselbe Kerbe schlägt!

 

„Release Of An Oath“ von The Electric Prunes:

(Fun Fact: Mark Ronson hat vor geraumer Zeit seinen Arbeitsplatz in das legendäre Sound Factory Studio in LA verlagert. Dass die besagte Electric Prunes Platte damals in eben diesem Studio aufgenommen wurde, wurde ihm erst im Nachhinein bewusst.)

Für die Soundfiles in diesem Workshop fiel die Wahl auf eine 70er Ludwig Acrolite Snare (mit einem Küchenhandtuch gedämpft) sowie alte UFIP Hi-Hats. Um den mulmigen Lo-Fi-Charakter der Bass Drum zu erreichen, kam ebenfalls ein altes Schätzchen, nämlich eine 60er Sonor Teardrop Bass Drum zum Einsatz, die, mit einem weichen Leder-Beater gespielt und ohne Resonanzfell bestückt, wenig Attack besitzt und leicht „boxy“ klingt - nicht unbedingt der Traumsound einer Bass Drum, in diesem Fall jedoch genau das Richtige! 

Damit der Beat jedoch nach Kool & The Gangs „Celebration“ und nicht nach Foo Fighters „Everlong“ klingt, ist eine möglichst sensible und unaufgeregte Spielweise absolut Pflicht! Nur so lassen sich nämlich die Schlagzeugsignale möglichst „heiß“ aufnehmen (was bedeutet, dass die Mikrofon-Preamps sehr empfindlich eingestellt werden), was zum typischen Oldschool-Vibe führt: fett, trocken und filigran zugleich.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachtrommeln. Bis zum nächsten Mal!

Jonas

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