Hersteller_Denon
Test
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01.07.2016

Praxis

Erste Runde: Aus dem Stand

Für meinen Praxistest bekommt der MCX8000 zwei Turntables an die Seite gestellt. Dazu gesellen sich das MacBook mit Serato und Engine, natürlich der obligatorische USB-Datenträger und mein DJ-Headphone. Hier gleich vorweg: Der Kopfhörerausgang ist laut und transparent im Sound. So ab 15 Uhr Reglerstellung beginnt es dann, wohlgemerkt bei nicht dauerhaft zuträglicher Lautstärke, auf dem DJ-Kopfhörer zu zerren und es klingelt in den Ohren. Zeit, den Monitorsound wieder ein wenig runter zu fahren, ebenso wie die via XLR verbundene HK Audio Lukas Nano 600, die der MCX8000 mit einem druckvollen Klang versorgt. Schön, dass auch noch ein zweiter XLR-Output verbaut wurde, denn so lassen sich gleich zwei professionelle Beschallungssysteme/Monitore verwenden.

Auch wenn sich wohl kaum jemand einen MCX8000 zulegen wird, um diesen ohne „digitale Vorzüge“ nutzen zu wollen, lassen sich neben besagten Plattenspielern (die ordentliche Qualität des Phono-Signals habe ich nachstehend aufgezeichnet) Audiodateien vom USB-Datenträger auch aus dem Stand verwenden. Der MCX8000 spielt AAC, AIFF, MP3 und WAV (entweder mit 16 oder mit 24 Bit) von HFS+ und FAT16/32 Medien mit maximaler Größe von 2 TB ab. Sticks sind bei den heutigen Größenverhältnissen und den dafür aufgerufenen Preisen (128 GB USB schon unter 30 Euro) nicht nur für mobile Diskotheken, Party und Cross-Genre-DJs eine echte Option zum Laptop oder einer externen Festplatte. Vielleicht hat man sich daher bei Denon gegen ein Festplattenfach unterhalb des Gehäuses entschieden, zu finden beispielsweise beim Sirus Pro DXS-1000 oder Stanton SCS4DJ. Ich persönlich hätte es dem MCX8000 – am besten noch abschließbar – mit auf den Weg gegeben, für den Fall, dass eine SSD dauerhaft eingebaut werden soll. Fürs Protokoll noch: Smartphones wie ein Samsung Galaxy oder iPhone lassen sich im Gegensatz zu Rekordbox und in Ermangelung einer aktuellen Engine-App nicht am MCX8000 auslesen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn es gab ja bereits mal eine Engine-App.

Auf meinem USB-Stick parken einige Tracks, die noch keiner Engine-Analyse unterzogen wurden, mit dem Ergebnis, dass sie am Display/Browser nur alphabetisch sortiert nach Dateinamen zur Verfügung stehen. Mittels Push-Encoder, der auch durch die Tracks browst, sind diese in Windeseile ins Deck geladen und die Tag-Infos ausgelesen und es wird eine erste Wellenauschnittsbetrachtung erstellt. Der Rest wird on-the-fly im laufenden Track mit einigen Sekunden Vorlaufzeit gezeichnet. Gibt es im Track kein BPM-Tag, wird natürlich keines ausgelesen, aber ebenso wird keins automatisch berechnet. „Behelfsweise“ lässt sich jedoch über das Effekttiming das Tempo feststellen oder besser gesagt manuell einklopfen. Dies gilt auch, wenn der Titel ein zweites Mal oder in ein gegenüberliegendes Deck geladen wird. Eine interne Speicherfunktion scheint es also nicht zu geben. Schade, denn Beatcounter und Speicher gab es schon bei betagten DJ-CD-Playern früher Generationen.

Ich klopfe das Tempo der Tracks also kurzerhand im Takt mit und nähere mich mit dem Pitch des zweiten Decks den auf den Displays angezeigten Werten an. Der Rest erfolgt „oldschool“ per Gehör und Handrad. Ein nettes Detail hier: Denon hat dem MCX8000 auch zwei Pitchbend-Tasten spendiert, um die Songs in den Gleichlauf zu bringen.

Das Jogwheel mit dem beleuchteten, optional invertierbaren „Nadelindikator“ liegt gut an der Hand und setzt Bewegungen akkurat um, im Pausenmodus darf mittels Shift eine Hochgeschwindgkeitssuche erfolgen. Alternativ bemüht man den Touchstrip unterm Screen zur Navigation. Für die kreative Performance sind zudem noch eine Slip- und Censor-Funktion verbaut. Die Tasten der Beatgrid-Abteilung darunter funktionieren nur im Zusammenspiel mit Serato. Engine zeichnet  - anders als in der Software am Mac/PC - (noch) kein Beatgrid im Standalone-Modus.

Dafür geht das „Durchblättern“ des Musikordners mit dem MCX, der in diesem Szenario wie gesagt lediglich die Dateinamen am Display ausgibt, mit sieben Einträgen besser von der Hand als an klassischen CD-Laufwerken. Sollte euch also auf einer Party der entfernte Verwandte des Gastgebers mit einem 3000 Tracks USB-Stick konfrontieren, wird es natürlich schwieriger, ohne Tastatur oder jedwede „Filter“ nach dem Musikstück zu suchen, doch das dürfte sicher nicht so oft passieren. Eine Prepare-Liste nimmt eure Tracks für die Warteschleife entgegen.

EQs, FX und Performance Pads

Beim klanglichen Finetuning gehen die EQs und das Filter gut zu Werke. Außerdem könnt ihr die FX auf die Einzelkanäle abfeuern, wobei für die Kanäle 3 und 4 der Deckswitch betätigt werden muss, was etwas irritierend ist, wenn man mit Externa wie Turntables arbeitet, aber immerhin lassen sich so alle Kanäle effektieren.

Apropos Effekte: Schade, dass Denon der Unit keine Send-Return-Schleife spendiert hat, damit man auch im Solo-Betrieb auf mehr als die drei integrierten FX zugreifen kann, beispielsweise über ein Kaoss-Pad. Gut, Serato DJ hat hier ja einiges im Repertoire.

Klanglich würde ich die drei integrierten FX eher als Hausmannskost einstufen. Beim Phaser und Echo ist neben der Intensität das Timing die Stellschraube, ein Parameter-Regler ist nicht dabei. Der dritte FX im Bunde ist Noise. Immerhin: Das Echo lässt sich mittels Fader schön verhallen. Ich hätte mir für den MCX8000 allerdings gewünscht, die FX simultan einschalten zu können, statt nur einzeln und dass Denon den einen oder anderen Master-Effekt eingebaut hätte.

Kommen wir zur Loop-Sektion und den Performance Pads. Mit der erstgenannten lassen sich manuelle und automatische Schleifen einfangen sowie Flanken mit dem Jogwheel anpassen. Loops lassen sich verdoppeln und halbieren sowie nach vorn und nach hinten verschieben, was auch über die unteren Pads Im „Roll-Mode“ erfolgen darf. Hier warten zudem noch die Modi Slicer, Roll und Hotcue auf, allerdings ohne taktgenaues Beat-Snapping oder Quantisierung. Im Mix mit zwei Titeln ist also extrem gutes Timing gefragt, damit es nicht rumpelt, denn auch Autosync funktioniert ohne Engine nicht. Kommen wir nun also zu Engine und schieben dem MCX8000 eine Festplatte mit auf dem Rechner analysierten Musikstücken unter.

Gentlemen, Start your Engines

Vor dem MCX8000 ist es eine lange Zeit still gewesen um Engine. Unser letzter Engine-Test fand im Zusammenspiel mit dem SC2900 statt. Mittlerweile ist Engine für PC und MAC in der Version 1.5 angekommen und bietet farbige Wellenformen, diverse Filter wie Tonart, Genre, BPM, Album und Key.

Engine ist keine vollwertige DJ-Mix-Software vom Schlage eines Traktor, Serato oder Rekordbox, zu dem es gewisse Ähnlichkeiten nicht verleugnen kann. Aber klar, es ist ja auch eine DJ-Software und kaum einer würde von einem KFZ erwarten, dass die Fahrersitze plötzlich auf dem Dach montiert sind und einem der Auspuff von vorn entgegendampft. Das branchentypische Design mit der Abspieleinheit oben und der Library unten jedenfalls ist sowohl optisch als auch funktional ansprechend.

Engine ermöglicht den Import von m3u- und XML-Playlisten, einzelnen Dateien und ganzen Verzeichnissen. Die Desktop-App erlaubt, Playlisten und Crates anzulegen und natürlich ID3-Tags upzudaten. Außerdem könnt ihr Musikstücke unter Vorgabe eines Audio Devices im Player abspielen, dort Hotcues mit Beat-Snapping-Funktion setzen und speichern (8 an der Zahl, keine Loop-Speicherplätze).

Laut Denon lassen sich pro Collection bis zu 100.000 Musikstücke verwalten. Playlisten dürfen bis zu 1000 Titel enthalten, die virtuellen Plattenkisten (Crates) außerdem sechs Untergruppen (Subcrates).

Hinsichtlich der BPM-Analyse kennt Engine zwei Methoden, und zwar BPM-Average und RAW. Im ersten Fall wird das Taktraster anhand der ermittelten Geschwindigkeit auf die Laufzeit gezeichnet. Im zweiten Fall erfolgt eine genauere Analyse und Platzierung anhand der Transienten/Peaks. Die Wahl liegt bei euch. Die ermittelten Daten exportiert man dann auf den Stick und nutzt sie am Controller. Hier noch eine Anmerkung: Die Software ist nicht in der Lage, mehrere Analyse-Threads gleichzeitig zu starten. Schade, besonders wenn man einen Quad-Core Rechner mit Hyperthreading besitzt. Starten wir eine Mixsession und finden heraus, was noch geht.

Schon das Browsen durch die Musikbibliothek direkt am Deck ist für mein Dafürhalten weitaus angenehmer als der Griff zum Notebook und zur Tastatur, wenngleich die Möglichkeit einer Eingabe am Touchscreen dem Ganzen sicher die Krone aufgesetzt hätte. In den Crates und Kategorien (Artist, Album etc.) besteht – das hätte ich mir auch für die Playlists gewünscht – zudem die Option, über eine Tastenkombination „alphabetisch“ zu browsen. Alles in allem sind das dann schon hochgewichtige Vorteile, die eine Berechnung der Library durch den PC oder Mac mehr als rechtfertigen. Bitte baut noch ein 5-Sterne Rating-System ein, gern auch direkt von der Hardware aus zugänglich (und die Option, die iTunes-Library zu deaktivieren).

Die Titel sind in die Decks geladen und dann geht es auch schon los, denn das Wellenformgeschehen wird adrett am Display aufbereitet, nur fehlt hier vom Taktraster jede Spur. Beim Beatmatching fällt dann auch auf, dass der Sync-Button sehr wohl das Tempo, das im Player zehntelgenau ausgegeben wird, synchronisiert, nicht jedoch den Takt. Die Tracks müssen also erst einmal per Gehör in den Gleichlauf geschubst werden. Ob und wann das Beatgrid nachgereicht wird und wie es dann um das Phase Matching bestellt ist, bleibt abzuwarten.

Für die bessere Platzierung von Cuepoints lässt sich in die Wellenformen zoomen. Höchst bedauerlich auch hier, dass Denon keine Snap-to-Grid-Funktion und Quantisierung vorgesehen hat, würde sie doch das taktgenaue Interagieren auf mehreren Decks unterstützen. Auch dass unter Engine der Slicer nur im Loop, nicht jedoch fortlaufend funktioniert, ist verbesserungswürdig.

Mein Eindruck: Engine hat zwar noch einigen Aufholbedarf zu Rekordbox, man sollte aber nicht vergessen, dass ein Pioneer CDJ-2000NXS2 aktuell fast so viel kostet wie zwei Denon DN-SC2900 Player und der MCX8000. Es wäre schön, wenn Denon das Programm, denn Potenzial ist da, weiter ausbaut, zeitnah vielleicht auch die eigenen SC-Mediaplayer überarbeitet. Hier könnte am Ende auch der Preis ein entscheidendes Kriterium sein, dem Marktführer Marktanteile abzujagen. Bei 2000 Euro für einen CDJ-Nexus sicher möglich. Vor dem Hintergrund, dass ein XDJ-700 aber bereits für knapp 700 Euro zu haben ist, wird der Spielraum wohl ein wenig enger, schließlich benötigt es auch hier zwei Einheiten und einen Clubmixer.

An dieser Stelle noch ein Hinweis auf das Geräte-Setup des MCX-8000, das unter anderem globale Einstellmöglichkeiten für den LED-Kranz und die Display-Helligkeit sowie Engine-spezifische Optionen bietet, für die sich ein Blick ins Handbuch allemal lohnt.

Was die Steuerung von Serato DJ angeht, habe ich kaum einen Grund zu meckern. Der MCX8000 gibt einem ein taktiles Gefühl, die Teller, Regler und Tasten arbeiten ohne spürbare Verzögerungen mit der Software zusammen. Wellenformen und Serato-Informationen werden vom Screen dabei zügig und gekonnt aufbereitet, und selbst wenn alle vier Player im Einsatz sind, behält man über die Deckswitches, Displays und Status-Feedbacks die Übersicht, ohne auf den Laptop schielen zu müssen.

Die Konsole erlaubt euch, neben dem klassischen Mixgeschehen natürlich zahlreiche Effekte aus der Feder von iZotope und weitere Live-Remix-Features abzufeuern, darunter Loops, Rolls, den Slicer, seltsamerweise allerdings ohne Domain-Anzeige auf dem Display, den (Velocity) Sampler und Serato Flip Speicher. Außerdem an Bord: eine Loop-Sektion, Parameter-Tasten, Gridding von der Hardware aus, et cetera. Das geht gut von der Hand, hier steht der MCX der Konkurrenz in nichts nach und sollte euch der Rechner mal abstürzen, geht´s dennoch weiter, wenn ihr den Notfall-USB-Stick dabei habt.

MCX8000 ist außerdem die erste Workstation am Platz, die Serato Pitch Play unterstützt. Über eine Tastenkombination ruft ihr dabei einen Cuepoint eurer Wahl auf und spielt diesen über die Performance Pads in verschiedenen Tonlagen ähnlich wie Samples auf einer Klaviatur. Dabei stehen drei Bandbreiten zur Verfügung:

  • Up-Range (Original-Tonhöhe und +1 bis +7 Halbtöne und)
  • Middle-Range (Orginal-Tonhöhe bis +3 und -4)
  • Low-Range (Original-Tonhöhe und -1 bis -7 Halbtöne)

Ein cooles Feature, jedoch wird hierfür das kostenpflichtige Serato Pitch ’n’ Time Plug-in (29 Euro) benötigt. Das hat aber noch mehr auf der Pfanne, wie man dem Audiovergleich „Timestretching“ entnehmen kann.

DVS und Turntables

Letztlich ist der MCX8000 auch noch DVS-zertifiziert und erlaubt, Seratos Decks über zeitcodiertes Steuervinyl auf dem Plattenteller zu dirigieren, wofür ihr die Turntables am Kanal 3 und 4 anschließen und euch mit niedrigen Latenzen und der Hand am Plattenspieler dem Scratchen und Mixen widmen könnt. Grundvoraussetzung hier: Das optionale Serato DVS-Plug-in. An dieser Stelle sei mir noch die Bemerkung erlaubt, dass Denon DJ auf der NAMM einen neuen Turntable zur Schau gestellt hat, namentlich VL12, der auch schon im Produktkatalog 2016 auftaucht. Somit dürfte auch bei Denon DJ bald die komplette Range für den DJ zur Verfügung stehen. Der MCX8000 jedenfalls ist bereit dafür und erlaubt, sämtliche Betriebsmodi kunterbunt zu mixen. Wäre jetzt noch ein USB-Recorder integriert, mit dem sich der Master-Ausgang aufzeichnen ließe …

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