Test
8
10.10.2016

dBTechnologies Opera 12 Test

Aktivbox

Fett nachgelegt!

Unter dem unscheinbaren Namen Opera 12 präsentiert dBTechnologies die offiziellen Nachfolger der Opera 712DX. Wie es scheint, direkt ausgestattet mit den richtigen Argumenten für eine erfolgreiche Machtübernahme: Neues Design, leichter, lauter und besser ausgerüstet im Vergleich zu den Vorgängern. Dabei muss ich gleich ein Geständnis ablegen: In meinem Lager stehen zwei dBTechnologies Opera 712DX. Diese haben sich im Laufe der Jahre als zuverlässige Kollegen selbst auf den undankbarsten Jobs (Abi Partys, Dry Hire, Karneval, Kneipenbeschallung usw.) erwiesen. Keine Frage, dieses Investment hat sich längst bezahlt gemacht. Sollten die Kunststoffkameraden einmal in den wohl verdienten Ruhestand gehen, braucht sich der Autor wohl keine Gedanken über potentielle Nachfolger zu machen, oder? Ein Test muss her. 

Details

Ich weiß, es sind die inneren Werte, die zählen. Aber gerade das Design der meisten Kunststoff-Beschallungsboxen ist oft der Grund, warum diese bei der Wahl der Beschallungswerkzeuge ähnlich zögerlich gewählt werden wie adipöse Klassenkameraden beim Sportunterricht. Dieses Manko darf die neue Opera Serie endgültig ablegen. Endlich eine Kunststoffboxen-Serie mit durchgehend flächigem Lautsprechergitter. Das macht einen seriösen, erwachsenden Eindruck.

Der Lieferumfang ist schnell aufgezählt: Box, Kaltgerätekabel, Quick Start Guide und ein Garantieschein (24 Monate). Die Serie umfasst drei Modelle, wobei die Opera 10 die kleinste und die Opera 15 die größte Variante darstellt. Auf unserer Testbank nimmt derweil die Opera 12 Platz. Respekt, man muss schon genauer hinsehen, um den Kandidaten als Kunststoffbox zu enttarnen. Zudem ist das Gehäuse schön kompakt ausgefallen und besitzt im Vergleich zum Vorläufer drei M10-Flugpunkte. Dank des niedrigen Gewichts von gut 14 Kilo lässt sich die Box mit ihren zwei Griffen bestens navigieren.

Damit die Opera 12 auf einer Distanzstange oder einem Lautsprecherstativ thronen kann, wurde an eine Hochständeraufnahme gedacht. Schon die Vorläufer besaßen ein multifunktionales Gehäuse, logisch, dass auch die neuste Ausgabe als Topteil oder Monitor einsetzbar ist. Dafür ist das Gehäuse auf einer Seite abgeschrägt, so dass dem Musiker eine praxisgerechte Monitorschräge vom 45° zur Verfügung steht. Die Treiberbestückung ist mit einem 12-Zoll-Tieftöner und einem 1-Zoll-Hochtontreiber identisch zum Vorläufer, das Hochtonhorn wurde allerdings überarbeitet und strahlt mit 100° im Nahbereich noch etwas breiter ab, während der asymmetrische Hornverlauf sich nach oben hin auf 85° verjüngt. Somit bietet diese Box einen praxisnahen Kompromiss: Während die ersten Reihen breit ausleuchtet werden, bedingt die nach oben enger werdende Abstrahlung, dass auch die hinteren Reihen mit ordentlich Pegel versorgt werden.

Bitte ein Bit!

Oder besser gleich 56 Bit wie im neuen DSP des Aktivmoduls. Die Aktivelektronik der Opera 12 ist versenkt angebracht, wurde seitens dBTechnologies massiv aufgewertet und bietet ein deutliches Mehr an Mixmöglichkeiten. Beginnen wir mit den beiden Eingängen, die als XLR/Klinke-Combobuchsen ausgeführt sind. Sie lassen sich über versenkte Schalter von Mikrofon- auf Line-Pegel umschalten und mit ihren Gain-Potis unabhängig voneinander einpegeln. Sind Singer-Songwriter anwesend? Die Opera bietet neben dem Einsatz als klassische Beschallungsbox auch die Möglichkeit, ein Instrument via Klinke und ein Mikrofon gleichzeitig anzuschließen und separat auszusteuern. Für die kleine Akustiknummer im Club? Warum nicht!

Besitzt man eine zweite Opera 12, lässt sich der Mix der ersten Box über die Mix-Out XLR-Buchse an die zweite Box durchschleifen. Alternativ gibt die Mix-Out-Buchse nur das Eingangssignal des ersten Eingangs weiter. Solche Routing-Optionen sind für diese Preisklasse nicht selbstverständlich. Begleitet wird der Mix von dem LED-Duo „Limit & Signal“, welche ein anliegendes Signal (und bei zu viel Schub aus dem Mixer) die Limiter-Aktivitäten anzeigt.

Damit die Treiber vor Überlast geschützt sind, fährt der DSP zudem ein Trio aus Peak-, RMS- und Thermal-Limiter auf. Sie sollen die drei häufigsten Treibertode gekonnt abwenden. Eine saubere Verwaltung von Trennfrequenzen und passende High- und Lowcut-Filter sind ebenfalls wichtig für Treiberschutz und guten Sound. Dabei kann der DSP sogar auf FIR- anstatt herkömmliche IIR-Filter zurückgreifen. Eine Option, die man eigentlich nur in externen, kostspieligen Lautsprecher-Managementsystemen findet. 

Der Opera-DSP kann noch mehr. Er stellt dem User auf Wunsch passende Voreinstellungen für verschiedene Anwendungen zur Verfügung. Alleskönner und Puristen nutzen natürlich das Preset „Flat“ (lineare Abstimmung), darüber hinaus bietet ein versenkter Encoder folgende Klangoptionen für den Einsatz als Topteil: Club, Vocal, Bass Reduction, Playback, Bass Boost. Kommt die Box als Bodenmonitor zum Einsatz, empfehlen sich die Presets Wedge Vocal oder Wedge Playback. Prima Sache, vor allem wenn es schnell gehen muss.

Komplettiert wird die Ausstattung von einem Netzschalter und einer Kaltgerätebuchse. PowerCon-Netzbuchsen sind in dieser Preisklasse die Ausnahme, aber zumindest ein verriegelbarer Stecker wäre schön gewesen. Alternativ greift der Anwender zu einem optionalen Kaltgerätekabel mit Verriegelung.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare