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Test
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04.01.2011

Brauner Phanthera Test

Großmembran-Röhrenmikrofon

Der Herausforderer?

Dirk Brauner hat mit seinen Mikrofonen bereits ordentlich Wellen geschlagen. Schon sein erstes Produkt, das Röhrenmikrofon VM1, hat es Ende der Neunziger geschafft, die Manufaktur auf Augenhöhe mit den etablierten deutschen Marken zu stellen – glaubt man der internationalen Presse. Das mache ich natürlich, außerdem sorgen eigene Erfahrungen mit einigen Großmembranen des Herstellers vom Niederrhein sowie diverse Erfahrungsberichte von Bekannten für den gleichen Tenor. Dennoch gilt es, auch das Phanthera von der Sohle bis zum Scheitel zu untersuchen.

Mikrofonmeister Brauner scheint einige Grundsätze der Informationsvermittlung verinnerlicht zu haben. So gibt es auf seiner Homepage eine Grafik, die die wichtigsten Eigenschaften seiner Produkte einfach und übersichtlich visualisiert. Neben der Unterscheidung Röhre/FET findet man dort eine einfache Einteilung in “natürlich” und “charaktervoll”. Im Vergleich zur optisch ähnlichen “Phantom”-Serie ist das Phanthera unter “charaktervoll” gelistet. Das klingt logisch, denn Phantome sind – vermutlich aufgrund ihrer Gestaltlosigkeit – nicht sonderlich charaktervoll. Es ist also spannend, welche Wesensart das Raubkätzchen an den Tag legt. Mit Katzen ist das ja manchmal so eine Sache!

Details

Eine klare Designsprache unterstreicht die hohe Qualität

Die kühle Moderne im Design kam Ende der 90er Jahre auf und erlebte nach 2000 ihren Höhepunkt. Übliche Assoziationen einer matt gebürsteten Stahloberfläche sind Milchglas und weißes Hochglanz-Plastik, harte Kontraste werden durch Schwarz gesetzt. Als sei Dirk Brauner der Design-Pate der Computerprodukte mit dem Obstlogo, suggeriert das Phanthera mit einer klaren Designsprache seine hohe Qualität. Die Anmut des Edlen wird weder durch übertriebenes Understatement noch peinliche Überheblichkeit gestört. Schön ist es, dieses Werkzeug, wenngleich optische Zusammenhänge mit dem Namen nicht gerade deutlich sind. Sehr “raubkatzig” wirkt da nichts. Ok, sonderlich “obstig” finde ich meinen Computer auch nicht.

Das Phanthera bringt Farbe in die Stimme

Es gibt im niederrheinischen Nirgendwo einen Ort namens “Hamminkeln”. Ich habe da mal angehalten, um zu… bemerken, dass dort die “Röhrengerätemanufaktur” Dirk Brauners anzutreffen ist. Für den Firmensitz wird er seine Gründe gehabt haben, für den Namen seines Unternehmens auch. Anders als Städtenamen kann man Firmennamen recht frei wählen. Somit wird ersichtlich, dass Meister Brauner in den Neunzigern wohl noch nicht im Sinn hatte, ein “röhrenloses” Mikrofon zu bauen. Das Phanthera ist ja, wie im Intro schon angemerkt, ein FET-Mikro. Es ist damit kein Sonderling in der Produktfamilie, sondern kann hervorragend kategorisiert werden: Dieses Mikrofon ist, wie alle Röhrenmikrofone des Herstellers, bei denen im Namen ein “X” untergebracht ist (VMX und Valvet X), ein bewusst färbendes Gerät. Neutraler hingegen sind die VM1(S)- und Valvet-Röhrenmikros und die “Phantom”-Serie. Phantoms und Phantheras unterscheidet man optisch in erster Linie am Korb, denn der des Panthers ist schwarz, der des Phantoms silber. So betrachtet macht der Name “Phanthera” schon eher Sinn, denn einem Panther traut man eher einen Charakter zu als einem Phantom. Wie aber beide Produktbezeichnungen erkennen lassen, kommt aufgrund der nicht vorhandenen Röhre ein derartiges Mikrofon mit 48V-Phantomspeisung aus, anstatt per Speisenetzteil versorgt werden zu müssen. Für die Phanthera- und die Phantom-Reihe gilt gleichermaßen, dass es drei Bundles gibt: Eines beinhaltet ein Mikro mit umschaltbarer Doppelmembran-Kapsel, eines eine Version mit fester Niere, die “Basic”-Version besteht eigentlich aus dem nackten Nieren-Mikrofon. Vovox-Kabel und Alukoffer fehlen hier, statt der Spinne gibt es eine einfachere Halterung. Wir haben die “normale” Version mit Köfferchen und High-End-Kabel getestet.

Padschaltung und Hochpassfilter bleiben aussen vor

Die angesprochene elastische Halterung umklammert das Kondensator-Mikrofon fest und zeigt kaum optische Parallelen zu einer althergebrachten Spinne. Um kurz den Zahlenteil abzuhandeln: Der Grenzschalldruckpegel ist mit 142 dB SPL angegeben. Dort ist eine THD von 0,3% erreicht. Der Ersatzgeräuschpegel nach IEC beträgt 11 dB(A), die Empfindlichkeit des Mikros 28 mV/Pa. Die Aussage, dass der Übertragungsbereich von 20 Hz bis 22 kHz reicht, ist ohne Angaben der Toleranzbereiche und der an den “Ecken” bereits eingetretenen Dämpfung verhältnismäßig witzlos, aber zum einen kann man – so zeigt nicht nur meine Erfahrung – auf Brauner vertrauen, hier keinen Marketing-Schmu zu veranstalten, zum anderen ist bei einem als “charaktervoll” bezeichneten Mikrofon ein Frequenzgang, gerade wie ein amerikanischer Highway, auch nicht unbedingt das Traumziel. Auf Padschaltung und Hochpassfilter wird beim Phanthera verzichtet.

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