Gitarre Hersteller_Boss
Test
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11.02.2020

Boss SY-1000 Test

Gitarrensynthesizer

Mega-Synth

Mit dem Boss SY-1000 hat der japanische Hersteller ein neues Paradepferd für Gitarren-Synthesizer im Stall. Das neue Flaggschiff ist quasi der große Bruder des SY-300, hat die sechsfache DSP-Power und zur Klangerzeugung drei Synth-Einheiten an Bord, die parallel genutzt werden können. Das sind harte Fakten und Boss behauptet auch stolz, dass der SY-1000 der fortschrittlichste Gitarrensynthesizer ist, der im Hause Roland/Boss je entwickelt wurde.
Neben der geballten Rechenpower gehört beim SY-1000 außerdem eine überarbeitete Tonerkennung des GK-Tonabnehmers dazu, durch die das Spielgefühl laut Hersteller noch einmal wesentlich verbessert wurde. Dazu kommen eine Menge Effekte, zwei Step-Sequenzer und der neue Dynamic Synth. Wie das alles klingt und wie es sich beim Spielen anfühlt, das erfahrt ihr im folgenden Test.

Details

Der Boss SY-1000 macht einen sehr wertigen Eindruck, das Gehäuse ist aus Metall gefertigt und in Metallic-Blau lackiert. Die Seiten sind mit schwarzem Kunststoff bestückt und unser Testkandidat steht rutschfest auf vier Gummifüßen. Auf der Oberseite haben acht kleine Fußtaster und sieben Regler mit Metallknöpfen ihren Platz eingenommen, und auch das macht alles in allem einen robusten Eindruck. Keinesfalls hat man das Gefühl, dass nach einer bestimmten Zahl von Gigs irgendein Bauteil den Strapazen nicht mehr gewachsen sein könnte. Das Herzstück bildet das große LC-Display (150 x 48 mm), über das die komplette Editierarbeit mit den darunter befindlichen sechs Parameter-Reglern erledigt werden kann. Rechts stehen acht Taster zum Navigieren und für die direkte Anwahl von Parameter-Eistellungen bereit, und oben rechts finden wir den einzigen Regler mit einer einzelnen Funktion (Output), und die gilt der Ausgangslautstärke des Gerätes.

An der Stirnseite sind die kompletten Anschlüsse versammelt: Für die Gitarre gibt es entweder den GK In - wenn der Synth mit einem Roland GK-Pickup angesteuert wird - oder den normalen Guitar In (Klinke), wenn man mit den Pickups der Gitarre spielen möchte. Zum Anschließen von externen Effektgeräten steht ein Effektloop (in der Signalkette frei positionierbar) zur Verfügung, mit dem Effektgeräte über Send und Return verbunden werden. Danach folgen die Ausgänge, einmal der Main Output (Mixer, Audio Interface) mit zwei Klinkenbuchsen und dann der Sub Out, ein zusätzlicher Ausgang zum Beispiel für einen Aktivmonitor auf der Bühne, ebenfalls in Stereo. Der linke Main Out kann auch für Kopfhörer benutzt werden. Leider hat der SY-1000 keinen XLR-Out, mit dem man sich die DI-Box ersparen könnte, ein Feature, das man für den Bühneneinsatz bei einem Gerät mit einem so hohen professionellen Anspruch durchaus erwarten darf. Externe Controller (Fußtaster, Expression Pedale) können an die Anschlüsse CTL 3,4/EXP1 und CTL 5,6/EXP2 angeschlossen werden. Über die USB-Buchse wird die Verbindung zum Computer hergestellt, um den SY-1000 als Audio/MIDI-Interface zu nutzen oder über die Boss-Tone-Studio-App zu editieren. Man kann damit dann auch Software Synths in der DAW ansteuern oder MIDI-Daten für ein Notationsprogramm aufzeichnen. Normale MIDI-Anschlüsse gibt es natürlich ebenfalls, einmal In und einmal Out/Thru, entweder, um Schaltbefehle zu senden und zu empfangen oder auch um MIDI-Daten an andere Klangerzeuger auszugeben. Ganz rechts findet man noch den Anschluss für das mitgelieferte AC-Netzteil.

Bedienung

Die Bedienung kann komplett am SY-1000 vorgenommen werden, wer es etwas übersichtlicher haben möchte, der arbeitet mit der Tone-Studio-App an Mac oder PC. Und wer sich den SY-1000 im vollem Umfang zu Gemüte führen möchte, der sollte ein wenig Zeit mitbringen, denn hier gibt es einiges einzustellen und auch das Konzept sollte man sich in Ruhe ansehen und verstehen. Der Blick in die Bedienungsanleitung ist unumgänglich, wenn man mehr möchte als einfach nur Presets abfeuern. Letzteres funktioniert natürlich sofort und ohne Probleme, und viel falsch machen kann man dabei auch nicht - bei 200 vorgefertigten Sounds hat man auf jeden Fall eine Menge im Angebot. Aber wir fangen erst einmal ganz vorne an, und da geht es darum, wie man den SY-1000 überhaupt ansteuert.
Zum einen ist es möglich, mit den normalen Gitarren-Pickups zu spielen und die Gitarre ganz normal per Klinkenkabel mit dem SY-1000 zu verbinden. In diesem Modus lassen sich aber nicht alle Sounds nutzen, denn auf der Synth-Seite steht nur der Dynamic-Synth zur Verfügung. Die komplette Palette gibt es, und das ist natürlich empfehlenswert, wenn jede Saite zur genauen Tonanalyse einzeln abgenommen wird. Und dort kommt der Roland GK-Pickup ins Spiel, den man separat erwerben muss und der über ein 13-poliges Kabel an den GK-In angeschlossen wird. Für den aktuellen GK-3 Pickup sind noch einmal runde 160 Euro fällig. Bei Gitarrensynthesizern spielte seit der ersten Minute das Thema Latenz eine große Rolle, und um ein möglichst natürliches Spielgefühl mit der niedrigsten Verzögerung beim Ansteuern von Synth-Sounds zu erhalten, sollte man den SY-1000 möglichst genau an den Pickup anpassen. Dazu gibt es diverse Menüs in den System-Settings, und Plug-and-Play ist hier nicht angesagt - nicht unbedingt die bequemste Variante, aber mit Abstand die sinnvollste.

Die Tonerzeugung ist grundsätzlich anders als bei vielen Roland-Synth-Modellen, bei denen sie auf vorgefertigten Samples basierte, die man im Sound eher weniger bearbeiten konnte. Der SY-1000 nimmt das Signal und schickt es durch diverse Oszillatoren, Filter und Effekte und "verbiegt" den Gitarrenton nach Strich und Faden - eine ähnliche Klangerzeugung wurde auch schon beim VG-8 benutzt, mit dem man ja ebenfalls Synth-ähnliche Sounds erzeugen konnte. Subtraktive Synthese nennt sich die Klangerzeugung beim SY-1000.

Für die stehen im SY-1000 drei sogenannte Synth Engines (Basis-Sounds) zur Verfügung, die im Gerät als Instrument 1, 2 und 3 bezeichnet werden und folgende Basis-Sounds anbieten: Dynamic Synth, OSC Synth, GR-300, E.Guitar, Acoustic, E.Bass, Vio Guitar, Poly FX. Beim Gitarren- und Bass-Modeling können verschiedene Typen (Strat, Les Paul, etc.) angewählt werden, auch Open-Tunings sind möglich, denn weil jede Saite einzeln abgenommen wird, kann auch jede mit Pitch-Shift-Befehlen belegt werden. Das sieht ganz verdächtig danach aus, als hätten die Entwickler die wichtigsten Algorithmen des VG-Systems (VG-8, VG-88) mit in den SY-1000 integriert. Für jedes der drei Instrumente kann man einen Basis-Sound wählen und sie auch mischen. Der ausgewählte Basis-Sound ist in hohem Maße veränderbar und bietet die Gelegenheit, in die Tiefen der Klangsynthese abzutauchen. Dazu kommen die Effekte, die sich bei den Algorithmen des GT-1000 bedienen - und da ist eine ganze Menge im Angebot. Im Prinzip laufen die drei Basis-Sounds durch einen kompletten Multi-Effektprozessor inklusive Ampsimulation. Die Effektkette wird angezeigt, wenn der Taster Effects gedrückt wird, und kann dann über das Display mit den Reglern verändert werden. Hier ist also tatsächlich eine Menge los, ein wahres Mekka für Soundtüftler. Ich will den Rahmen hier nicht sprengen, deshalb nur ein paar Fakten zu den verfügbaren Parametern.

  • Einzelne Saiten können im Panorama verteilt und auch in der Lautstärke verändert werden.
  • Bei den Synth-Basis-Sounds stehen ein Oszillator, Filter, zwei LFO's und ein Amp zur Verfügung.
  • Bei den Gitarren/Bass-Basis-Sounds können u.a. Modelltyp, Pickup-Kombination, Tuning, Noise-Gate und EQ eingestellt werden, und die GT-1000 Effekte kommen noch hinzu ...
  • Der normale Guitar-Input und der GK-Input können parallel genutzt und auch mit unterschiedlichen Effekten bestückt werden.
  • 2 Sequenzer stehen für die Synth-Sounds zur Verfügung.

All das lässt sich komplett am Gerät einstellen, wobei man allerdings auch schnell mal den Überblick verlieren kann. Aber zum Glück gibt es die Boss Tone Studio App.

Boss Tone Studio App

Die App kann kostenlos von der Boss-Website heruntergeladen werden, allerdings sollte vorher der SY-1000 Treiber für den entsprechenden Rechner installiert werden, der dort ebenfalls zum Download bereitsteht. Damit ist alles für das übersichtliche und entspannte Editieren am Bildschirm getan. Die Signalkette wird in der oberen Hälfte dargestellt, die Parameter des angewählten Instrumentes oder Effekts erscheinen in der unteren, und am linken Bildrand sieht man die Liste der Patches. Alles ohne großen grafischen Schnickschnack, aber sehr funktionell und übersichtlich. Auf der Website Boss Tone Central können zusätzliche Sounds geladen und über die Boss Tone-Studio-App ins Gerät transferiert werden.

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