Gitarre Hersteller_Blackstar
Test
1
23.07.2013

Blackstar ID:100TVP Test

E-Gitarren Topteil

Hansdampf

Der Blackstar ID:100TVP im bonedo-Test - Der britische Amp-Hersteller Blackstar hat es geschafft, sich in relativ kurzer Zeit in der Gitarristenszene eine solide Reputation zu verschaffen. Viele namhafte Gitarristen (u. a. Gus G von Ozzy Osbourne / Firewind) lassen sich auf der Bühne von den schwarzen Verstärkern und Boxen beschallen. Neben den leistungsstarken klassischen Röhrenverstärkern gibt es nun mit der ID-Serie auch eine neue Reihe, die auf Modeling-Technologie setzt und auf der Website mit dem Slogan „LOUD as valve“ wirbt.

Wir haben uns mit dem Blackstar ID:100TVP ein 100 Watt starkes Topteil ins bonedo-Testlabor kommen lassen und werden versuchen, hinter die Kulissen zu blicken und herauszufinden ob, und wenn ja, wie weit bei unserem Kandidaten Marketing und Wirklichkeit auseinanderliegen.

Details

Gehäuse/Optik

Der Blackstar ID:100TVP macht seinem Namen alle Ehre und kommt in komplett schwarzem Gewand mit weißer Beschriftung. Das Gehäuse ist sorgfältig mit Tolex überzogen und die Ecken werden von Metallschonern geschützt. Für stabilen Halt sorgen vier große Gummifüße und transportieren lässt er sich gut ausbalanciert am Griff auf der Oberseite. Ins Schwitzen kommt man auch bei längeren Strecken nicht, denn unser Topteil wiegt nicht einmal 13 Kilo - ein Vorteil, wenn keine Röhren und schwere Transformatoren an Bord sind. Alle Bedienelemente und die Eingangsbuchse findet man auf dem Bedienfeld an der Vorderseite, die weiteren Anschlüsse sind wie üblich von der Rückseite her zugänglich.

Bedienfeld

Das Frontpanel ist üppig ausgestattet, und das ist auch notwendig, denn unser Testkandidat hat einige Features am Start. Neben dem Ampmodeling ist auch eine Effektsektion an Bord und das Ganze muss natürlich entsprechend geregelt werden. Aber erst mal der Reihe nach. Die Ampmodeling-Abteilung beinhaltet sechs verschiedene Charaktere:

Clean warm - Cleansound, der fast nicht übersteuert

Clean bright - Cleansound, der bei hartem Anschlag übersteuert

Crunch - klassischer Mid Gain Overdrive Sound Super

Crunch - etwas mehr Gain als der Crunch-Modus

OD1 - Overdrive mit viel Gain

OD2 - Na, was wohl?! Klar, noch etwas mehr Gain, dichterer Sound

Bei den Beispielen im Praxisteil werdet ihr die unterschiedlichen Grundsounds selbstverständlich zu hören bekommen. Diese können außer mit Gain (Verzerrungsgrad) und Volume (Lautstärke) auch mit einer Dreiband-Klangregelung (Bass, Middle, Treble) eingestellt werden. Hier gibt es noch einen zusätzlichen Regler mit dem Namen ISF. Er verändert die Klangcharakteristik stufenlos zwischen den beiden Geschmacksrichtungen USA (7 Uhr) und UK (17 Uhr). Die USA verkörpern dabei laut Hersteller ein sattes Bottom End und einen aggressiveren Ton, während die britische Klanggestaltung etwas zurückhaltender und erdiger daherkommt.

Als TVP (True Valve Power) bezeichnet sich ein patentiertes Konzept, das das Reaktionsverhalten und die Endstufensättigung unterschiedlicher Röhrentypen simulieren soll, daher auch der Werbeslogan mit der Röhrenlautstärke. Ich bin bei solch lautem Geklapper der Werbetrommel schon von Natur aus sehr skeptisch, aber auch schon des Öfteren vom Gegenteil überzeugt worden. Warten wir es also ab, die Praxis wird es zeigen. Auf jeden Fall können hier sechs verschiedene Endstufenröhren (EL34, EL84, 6V6, 6L6, KT88, KT66) angewählt werden, deren typisches Reaktionsverhalten simuliert wird.

Weiter geht es mit den Effekten, und hier stehen drei Sektionen (MOD, DLY, REV) mit folgenden Effekten zur Verfügung:

MOD (Modulation) - Phaser, Flanger, Chorus, Tremolo

DLY (Delay) - Linear, Analogue, Tape, Multi

REV (Reverb) - Room, Hall, Spring, Plate

Per Schalter wird die jeweilige Effektsektion aktiviert, aus jeder Sektion lässt sich ein Effekt auswählen und in zwei Parametern verändern. Das geschieht mit dem Effect Level- und dem Effect Type-Regler, der in vier Bereiche aufgeteilt ist - die vier verschiedenen Effekt-Typen. Das Modulationstempo bzw. die Delay-Zeit wird mit dem Tap-Taster eingetippt. Man kann auch den Tap-Taster gedrückt halten und die Geschwindigkeit dann mit dem Effect Level-Regler eingeben. Die Regler haben je nach Effekt unterschiedliche Belegung, in der folgenden Tabelle erfahrt ihr, was alles genau eingestellt werden kann.

Effekt Effect-Type Effect-Level Tap
MOD - Phaser Mix Depth Speed
MOD - Flanger Feedback Depth Speed
MOD - Chorus Mix Depth Speed
MOD - Tremolo Depth (Frequenzmodulation) Depth (Amplitudenmodulation) Speed
DLY - Linear Feedback Delay Level Time
DLY - Analogue Feedback Delay Level Time
DLY - Tape Feedback Delay Level Time
DLY - Multi Feedback Delay Level Time
REV - Room Size Reverb Level -
REV - Hall Size Reverb Level -
REV - Spring Size Reverb Level -
REV - Plate Size Reverb Level -

In der Endstufensektion gibt es abschließend drei Regelmöglichkeiten, Resonance für den Low End- und  Presence für den High End-Bereich. Mit dem Master Volume wird die Endlautstärke des Verstärkers eingestellt.

In der unteren Reihe des Bedienfeldes sind neben dem Tap-Taster noch ein paar weitere angebracht. Die eingestellten Sounds können auf 128 Speicherplätzen gesichert werden, allerdings sind über die Frontseite nur 12 davon erreichbar. Diese werden über die Channel-Taster der vier Kanäle (CH 1-4) und den Bank-Taster angewählt. Die entsprechende Bank wird durch eine verschiedenfarbige LED im Taster angezeigt: Bank 1 - grün, Bank 2 - orange, Bank 3 - rot. Über die Blackstar Insider Software oder den Fußschalter FS-10 können alle Speicherplätze belegt und angewählt werden.

Rückseite

Hier finden wir zwei Lautsprecheranschlüsse mit einer minimalen Impedanz von 4 Ohm und eine Midi In-Buchse für den Fall, dass man die gespeicherten Sounds des ID:100TVP per MIDI-Schaltleiste fernsteuern möchte. Es besteht auch die Möglichkeit, „einfachere“ Fußschalter wie den Blackstar FS-4 oder die FS-10 Fußleiste an die Footswitch-Klinkenbuchse anzuschließen. Mit der FS-10 Leiste kann man ebenfalls auf alle Patches zugreifen. Der MP3/Line-Eingang wartet auf einen MP3-Player oder ein anderes Gerät mit Linepegel. Wer den Amp zum Aufnehmen benutzen möchte, der kann das auf zwei Arten bewerkstelligen. Entweder steuert er über den Speaker Emulated Output ein Mischpult oder das Audio Interface an, oder er nutzt den Verstärker gleich als Audio Interface, indem er ihn per USB Out (befindet sich auf der Vorderseite) mit dem Computer verbindet.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare