Test
2
25.02.2021

Praxis

Klingt's wie der Name sagt? Jein.

Bevor ich mit Black Lion Audio B173mkII und B12Amk3 zur Königsdisziplin Vocals schreite, möchte ich erst einmal ganz allgemein herausfinden, wie sich die Kollegen im Vergleich mit ihren Namenspaten so schlagen. Das ist nicht ganz einfach, ranken sich um diese Dinger doch allerlei Legenden. Deren Quintessenz ist es, dass ein Reissue dem Original sowieso nicht das Wasser reichen kann, das meist so alt ist, dass seine Enkelkinder schon Auto fahren dürften. Das hat beim 312 ganz andere Gründe als beim 1073. Beim Klassiker aus dem Hause API geht die Geschichte so, dass der Traditionshersteller selbst die Geräte zwar noch fertigt, wobei auch nur API über die Op-Amps verfügt, die den Klang hauptsächlich ausmachen. So könnte man meinen, dass Nachbauten anderer Hersteller sowieso schon mal abgehängt sind und ja nicht so klingen können wie ein echter API. Der Echte ist aber auch nicht mehr das, was er mal war, weil API selbst die Schaltung in den vergangenen Jahrzehnten permanent verändert hat. Allerdings kann man, wenn man kein Pedant ist, durchaus behaupten, dass ein neuwertiger API 312 stark an ein Vintage-Exemplar erinnert.

Bei Neve sieht es anders aus. Hier gibt es zwar sogar Nachbauten und Reissues, die bis ins kleinste Detail diesen Geräten aus den goldenen Zeiten exakt entsprechen, auf die alle so scharf sind. Das scheint in diesem Fall aber nicht zu reichen. Die neuwertigen Geräte von AMS Neve, BAE oder Heritage sind ohne Frage absolut hochwertige Spitzen-Preamps, aber jeder, der schon einmal einen von diesen uralten Streifen gehört hat, die in grauer Vorzeit aus einem Neve-Pult herausgeschraubt und gerackt worden sind, wird bestätigen können: Das ist etwas ganz, ganz anderes.Ich selbst habe einen Nachbau, der dem originalen Platinen-Layout zu hundert Prozent entspricht und mit Bauteilen bestückt ist, die aus defekten alten 1073-Modulen recycelt wurden und, tja, ich muss zugeben, auch der klingt gut, aber nicht so wie der richtige heilige Gral.

Nach diesem Exkurs bleibt zudem nur festzustellen, dass es auch ein bisschen egal ist, weil beide Geräte von Black Lion Audio ja keine Klone sein wollen, sondern Neuentwicklungen. Aber, nun ja, sie tragen die heiligen Zahlen im Namen, also werden sie sich wohl oder übel daran messen lassen müssen.

Ich vergleiche also den B173 mit einem Neve-Klon und den B12A mit einem neuwertigen API 3124.

Beide Preamps sind sich gegenseitig dabei wesentlich ähnlicher als ihren Namenspaten (Ich würde salopp die Vermutung wagen, dass die verwendeten Cinemag-Übertrager dabei eventuell die Hauptrolle spielen). Sie haben den selben eher verträumten Grundcharakter im Klang und eine leichte Schwäche in der mittleren Präsenz. Das bewirkt, dass bestimmte Obertöne, die den Charakter eines Instrumentes ausmachen können, mitunter etwas weich gezeichnet sind. Das ist Kritik auf recht hohem Niveau, aber mit der Ahnung vor Augen, dass diese Preamps eine Kundschaft ansprechen sollen, die auf solche Details wert legt, durchaus erwähnenswert.

Deutlich wird das auch bei einer Klavieraufnahme mittels Neumann U67, die ich jeweils identisch per Mikrofonsplitter mit dem B12A / API312 bzw. dem B173 / meinen Neve-Klon um jeweils den jeweils gleichen Pegel verstärkt habe. Dabei bleibt ein bisschen Signalqualität wegen des Splitters notgedrungen auf der Strecke, aber es geht hier nicht um absolute Bewertung, sonder um einen relativen Vergleich.

Beide Geräte klingen recht ähnlich und eine kleine Spur unscharf im Diskant, während der echte API sehr konturiert und offen, dabei aber eher nüchtern klingt und der 1073-Klon offenbar ein paar Obertöne hinzuerfindet, die durchaus Spaß machen. Diese Form von Spaß lässt der B173 leider vermissen, die sachliche Offenheit wiederum fehlt dem B12A. Bei einer Nylon-Gitarre tritt diese Schwäche nicht so sehr zutage, ist aber leicht spürbar.

Die Aufnahme eines Schellenkranzes war eigentlich dazu gedacht, auszuloten, wie sauber die Preamps mit Höhen umspringen, durch den anfangs etwas zu lauten Eingangspegel stieß ich jedoch auf einen viel wichtigeren Punkt. Während der API312 bei einer starken Übersteuerung durchaus zickig klingt und auch ein Neve trotz seiner britischen Gelassenheit, was hohe Pegel anbetrifft irgendwann anfängt, ein bisschen zu kratzen, schlägt der Sound beider BLA-Preamps abrupt in etwas sehr Garstiges um, das nun wirklich niemand hören will. Vorsicht also beim Pegeln, die Dinger sind da nachtragend. Bei so einem unschönen Übersteuerungsverhalten wäre es eventuell nicht nötig gewesen, dem 173 überhaupt ein Poti für die Ausgangslautstärke mitzugeben, ich jedenfalls würde empfehlen, es auf jeden Fall und immer ganz nach rechts zu drehen.

Aber, wie gesagt, wichtiger sind ja Vocals. Ich möchte an dieser Stelle einfach mal davon Abstand nehmen, die Bezeichnungen der Geräte ernst zu nehmen und darüber zu urteilen, ob und wie der B12A einen „API-Charakter“ hat oder der B173 einen „Neve-Charakter“ und lapidar feststellen: Sie haben in erster Linie einen Black Lion Audio-Charakter. Und auch bei der Stimme wird das deutlich. Ich verzichte hier auf den Mikrofonsplitter und lasse die Sängerin eben den selben Quatsch ein paar mal singen, so bleibt die Qualität erhalten. Als Mikrofon wähle ich ein Sony C48, das selbst wenig färbt.

Es zeigt sich, dass der Charakter beider Preamps auch hier darin besteht, Konsonanten und tiefere Stimmanteile durchaus gelungen zu zeichnen, teilweise sogar deutlicher als die jeweiligen „Originale“. Dabei liegt der BLA12A ziemlich gleichauf mit meinem 312, was die Höhen betrifft. Der Kollege aus Chicago klingt zwar eine kleine Spur präsenter, aber es ist keine ganz andere Welt. Im Lager Neve sind die Unterschiede etwas größer, so klingt mein Nachbau in den Höhen etwas nüchterner und der schwarze Löwe macht dort einen viel deutlicheren Eindruck. Das kann im Mix ein bessere Sprachverständlichkeit gewährleisten und ist deswegen ein klarer Pluspunkt für Black Lion Audio. Eine Schwäche höre ich allerdings im mittleren Präsenzbereich, also bei etwa 2-3 kHz. Der ist bei Vocals essentiell, weil dort ein großer Teil der Haltung vermittelt wird. Bei meiner Testaufnahme lohnt es sich, darauf zu achten, ob das leichte Lächeln, das eigentlich auf der Phase „oh yeah“ liegt, vom Preamp eingefangen werden kann. Hier kann man grundsätzlich sagen, dass beide Testkandidaten eine ähnliche und deutliche Unschärfe zeigen: Das Lächeln bleibt sozusagen auf der Strecke, während es bei beiden Vergleichsgeräten erhalten bleibt. Das ist ein subtiler Effekt, betrifft aber gerade bei Vocals einen extrem wichtigen Bereich. Ein gänzlich anderes, aber auch störendes Detail ist, dass der B173 bei eingeschalteter Phantomspeisung dazu neigt, recht laute Knackser zu produzieren, wenn das gerasterte Gain-Poti bewegt wird. Das kann unterm Kopfhörer unter Umständen unangenehm sein.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare