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Test
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26.04.2013

Best Service Forest Kingdom II Test

Sample-Library

Welcome to the jungle!

Wie bereits der Vorgänger wird auch Forest Kingdom II vom Player „Engine 2“ von Best Service zum Leben erweckt. Die umfangreichen Neuerungen beschränken sich nicht einfach nur auf eine Aufstockung und Überarbeitung des bisherigen Soundpools, denn neben einer komplett neuen Benutzeroberfläche warten auch 430 MIDI-Files sowie umfangreiche Artikulationsmöglichkeiten der Instrumente darauf, DAW-Waldmeister zu inspirieren.

Ist die Library Forest Kingdom II auch etwas für Musiker ohne Affinität zu Bäumen? Lohnt das Upgrade für User von Volume I? Die Antworten darauf werden wir nur tief im Königreich des Waldes finden. Macheten raus und mir nach...

Details

Die Sample-Library Forest Kingdom II umfasst satte 11GB Samples mit über 300 Patches, die grob in die Kategorien „Instruments“, „Soundscapes“, „Fantasy Creatures“, „Voices“, „Swishes“ und „Performance Grooves Audition“ eingeteilt sind. Letztere dient lediglich dem Vorhören der multitimbral angelegten MIDI-Files und korrespondierenden Engine 2-Projects. Näheres dazu folgt im Praxisteil dieses Testberichts.

Instruments

„Instruments“ beinhaltet die Unterkategorien „Plucked“ (mehrere Celtic Harps, Kalimba und Music Box), „Wind“ sowie schwerpunktmäßig „Percussion“. Die gebotenen Percussion Samples/Patches decken den mir bekannten (und auch unbekannten) Bereich an Percussion-Instrumenten so ziemlich ab. Zu den Percussion-Instrumenten gehören 128, übersichtlich nach Instrument benannte MIDI-Files, die per Drag & Drop im Handumdrehen für den authentischen Groove sorgen. Waidmann´s Dank! Die - nennen wir sie mal salopp - „Flöten Patches“ der Subkategorie „Wind“ stellen aufgrund ihrer Spielbarkeit (True legato) und  durch Keyswitch steuerbaren, authentischen Artikulationen einen Höhepunkt dieser Library dar. Folgende Instrumente stehen zur Auswahl:

  • PANPIPES (PANPIPES FULL SET, LOW PANPIPE BREATHING, LOW PANPIPE SHORT   STACCATO, LOW PANPIPE WHISPERS, LOW PANPIPE SPOKEN PHRASES, LOW PANPIPE SPOKEN STACCATO)
  • BULGARIAN PICCOLO FLUTE
  • DOUBLE FLUTE
  • KIOWA NATIVE AMERICAN FLUTE
  • XIAO FLUTE-FULA FLUTE
  • AZTEC CLAY FLUTE ( I & II)
  • DIDGERIDOO
  • DIDGERIDOO GROOVES (120 BPM)
  • MAYAN SEASHELL HORN
  • MOSENO FLUTE-PVC OVERTONE FLUTE PHRASES
  • RAJ NPLAIM FLUTE
  • WOODEN OVERTONE FLUTE

Wer - wie ich - nicht unmittelbar im Stande ist, ein Referat über alle genannten Flöten zu halten, der sei beruhigt. In der insgesamt sehr ausführlichen und informativen PDF-Dokumentation findet man umfangreiche Hintergrundinformationen zu allen Instrumenten, inklusive der üppigen Modulationsbelegungen via Legato-Spielweise, Velocity Switch, Key Switch und MIDI-CC. Absolut top!

Soundscapes

Hinter der Kategorie „Soundscapes“ verbergen sich 150 Patches mit Klanglandschaften. Hier finden sich pro Patch bis zu acht gelayerte Sounds, die zusammen meistens einen atmosphärischen, mysteriösen Anstrich haben. Kurzkommentar meines Sohnes: „Ninjago!“ Die „Soundscapes“ variieren zwischen musikalisch spielbar und Atmo/Soundeffekt, wie im folgenden Audiobeispiel zu hören ist: 

Fantasy Creatures

In der nächsten Patch-Kategorie „Fantasy Creatures“ ist der Name Programm. In den 37 Patches werden keine realistischen Waldfauna-Samples bereitgestellt, sondern Sounddesign betrieben. So werden u.a. exotische Flöten zu Vögeln usw. - „Peter und der Wolf“ lässt grüßen.

Voices

Lediglich vier Patches werden in der Kategorie „Voices“ bereitgestellt:

  • Ethereal Female Solo Voice
  • Shamanic Deep Chants
  • Shamanic Mantras
  • Shamanic Slow Chants

Obwohl das erstgenannte Patch spontan eher an Italo Western als an eine Waldelfe erinnert, ist es für mich einer der Höhepunkte dieser Library. Durch die True Legato Funktion ist diese universell einsetzbare Frauenstimme im Gegensatz zu vergleichbaren Patches „normaler“ Sampler/Sample-Player sensationell spielbar und sehr realistisch. Mit dem folgenden, zugegebenermaßen leicht skurrilen, Audiobeispiel möchte ich die Spielbarkeit verdeutlichen. Die einzelnen Noten sind quantisiert und schon recht „tight“ im Timing, ohne dass man einzelne Noten vorziehen muss.Der Weltraum, unendliche Weiten...

Die Kreativität wird lediglich durch die für meinen Geschmack etwas niedrige Key Range von D3 bis G4 gebremst. Höhere Töne wären für manch eine Musikproduktion wünschenswert, dennoch top!

Die Shamanen-Patches dagegen sind eher „Abfeuer-Samples“ für Atmo-Zwecke.

Persönlich hätte ich als Musiker gerne auf das ein oder andere Patch der Kategorien „Fantasy Creatures“/“Soundscapes“ zugunsten weiterer Voice-Patches/Samples verzichtet, wobei Sounddesigner und andere Zielgruppen dieser Library dies eventuell anders sehen mögen - Geschmackssache.

Swish

Bei den sogenannten „Swishes“ handelt es sich augenscheinlich um rückwarts abgespielte Anblas-Samples der „Wind“-Kategorie unterschiedlicher Länge und einer gehörigen Portion Hall. Ein gutes Werkzeug, um zwischen Songteilen/Szenen überzuleiten.

Hier noch einige Audiobeispiele der verschiedenen Kategorien:

Folgende Abbildung zeigt die Tastaturbelegung des Patches „Djembe“. Während die Einzelsamples über die weißen Tasten gespielt werden, fungieren die grünen Tasten quasi als Start-Button für die mitgelieferten MIDI-Dateien. Die Loop, Flams und Rolls des Audiobeispiels sind auf diese Weise entstanden. Praktisch!

Endlich kann ich meinen Traum eines Albums sämtlicher David Guetta Hits mit Panflöte verwirklichen! Spaß (oder?) beiseite: Ich kenne (noch) nicht alle Sample-Libraries dieser Welt, aber die Panflöte ist so ziemlich die beste, die mir bisher unter die Finger gekommen ist. Wenn man etwas an der Performance feilt, sollte man zu Ergebnissen gelangen, die nur Michael Hirte vom Original unterscheiden kann. Lustig auch die wechselnden und in Lautstärke regelbaren Atmer beim Loslassen der Taste - im vorliegenden Audiobeispiel nur am Ende wahrzunehmen, da ich die Lautstärke reduziert habe.

Zur Vertonung von Bratfett-Werbung eher zu empfehlen als Fettspritzer am teuren Kondensator Mikrofon: Der Rainstick!

Das atmosphärische Patch „Windtubes“ befindet sich interessanterweise in der Kategorie „Percussion“.

Engine 2

Um Forest Kingdom II zu nutzen, benötigt man den Player „Engine 2“ von Best Service. Der kostenlose Player sowie meines Erachtens nach höchst interessanter freier Content weiterer Libraries von Best Service wird auf DVD mitgeliefert und steht alternativ zum Download bereit. Etwas mehr Infos zu Engine 2 findet ihr in meinen „Cinematique Instruments 2“-Testbericht, sowie ausführliche Informationen auf der Magix Homepage.

Neuerungen gegenüber Volume I

Für 99 Euro können Nutzer von Forest Kingdom ein Upgrade auf Volume II erwerben. Zunächst einmal enthält Volume II alle Sounds/Instruments des Vorgängers und das laut Hersteller in überarbeiteter Form, um sie dem „neuen Standard“ anzugleichen. Hierüber habe ich keinen Vergleichstest durchgeführt und kann nur sagen, dass die Qualität der Sounds „durch die Bank“ erstklassig ist. Weitere Verbesserungen haben die Legato-Funktion, Ladezeiten und RAM-Handling erfahren. Quantitativer Mehrwert sind 100 neue Patches, darunter sieben Wind- , 20 Percussion-Instruments sowie 70 Soundscapes.

Eine deutliche Aufwertung, die das Upgrade rechtfertigt, sind die maßgeschneiderten MIDI-Files. 130 programmierte Grooves für die Percussion-Instrumente sowie 300 multitimbrale, sogenannte „Performance MIDI Grooves“ mit eigens dafür angelegten multitimbralen Projects in Engine 2. Da mag manch ein Retortenfeind die Nase rümpfen, wer aber professionell unter allgegenwärtigem Zeitdruck arbeitet, der wird diese „Inspirationquelle“ schnell zu schätzen wissen. Interessant ist der Hinweis, dass diese „Kreationen“ anscheinend aus Copyright-Gründen, nicht ohne Änderung zur Veröffentlichung gedacht sind. Kein Problem, dann verändert man halt einige der musikalischen Bestandteile - das ist schließlich der Plan, der dahinter steckt!

Last but not least wurde die Benutzeroberfläche (GUI) überarbeitet. Wenn Archäologen künftiger Generationen diese zu Gesicht bekämen, würden sie wahrscheinlich eine Prophezeiung der Apokalypse 3013 hineininterpretieren - ziemlich mystisch - wirkt aber deutlich professioneller als beim Vorgänger. Verbesserungsvorschlag: Vielleicht hätte man bei der Waldgottheit ein paar Arme weglassen können, zugunsten der Anzeige vorhandener Velocity Switches, wie man es teilweise von anderen Samplern/Sample Playern kennt. Die fachmännisch getarnte Hüllkurve einiger Patches ist ebenfalls Geschmackssache - wer´s analytischer mag, kann ja im entwaldeten Pro Edit Fenster Anpassungen vornehmen.

Nachdem wir uns bisher einen überwiegend klanglichen Überblick verschafft haben, wollen wir nun klären, wie sich Eduardo Tarilonte´s Schöpfung in der praktischen Anwendung bewährt.

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