Feature
8
17.03.2017

Berufsbild Veranstaltungskaufmann/-kauffrau

Ausbildung oder Quereinstieg in den Eventbereich - Teil 2

Organisationsprofis, wo alle kaufmännischen und kommunikativen Fäden perfekt verwoben werden

Die Event-Industrie wird von einer gewaltigen Maschinerie angetrieben, deren einzelne Rädchen dem normalen Konsumenten zumeist verborgen bleiben. Diese Vielfalt bietet berufliche Chancen in den unterschiedlichsten Gewerken. Nachdem wir in der letzten Ausgabe einen Blick auf die Fachkraft für Veranstaltungstechnik geworfen haben, geht es in diesem Teil um die Veranstaltungskaufleute. Sie legen die organisatorische, administrative und kommunikative Basis – ein spannendes und vielseitiges Berufsbild mit Zukunftsperspektive.

Es muss alles passen und funktionieren. Von der Auftragsakquise über die Kalkulation bis zur Vertragsgestaltung, vom Booking der Location über die Kooperation mit den unterschiedlichen Gewerken. Nicht zu vergessen: die Künstlerbetreuung und das Catering. Bei den Veranstaltungskaufleuten laufen sämtliche Fäden ineinander und werden von ihnen weitergesponnen. Der Job ist also alles andere als staubtrocken und theoretisch, sondern ausgesprochen abwechslungsreich.

Auf der einen Seite stehen vor- und nachbereitenden Tätigkeiten wie Kalkulation und Konzeption sowie die Einrichtung von Ablauf- und Regieplänen. Ebenso wichtig ist die Betreuung von Kunden, Auftraggebern und Künstlern. Bei der Eventplanung sind Veranstaltungskaufleute Ansprechpartner in sämtlichen Belangen inklusive Erstellung von Marketing- und Werbekonzepten. Bei der Veranstaltung selbst sind sie das vielzitierte Mädchen für alles, was nicht in den direkten Arbeitsbereich der Techniker und Operator fällt.

Dabei müssen Veranstaltungskaufleute mit menschlichem Einfühlungsvermögen, Souveränität und Empathie glänzen. Schließlich stehen alle Beteiligten unter hohem Druck, vor allem kurz vor Veranstaltungsbeginn. Immer wieder wird irgendeine wichtige Person fragen, ob alles termingerecht bzw. wie abgesprochen läuft – und ob bereits das Lieblingsgetränk des Sängers in der Garderobe steht. Mit alldem sollten Veranstaltungskaufleute selbstsicher und gelassen umgehen können.

Ausbildung mit IHK-Anerkennung

Die Ausbildung dauert üblicherweise drei Jahre und wird im dualen Modus im Betrieb und in der Berufsschule durchgeführt. Gern gesehene Softskills sind Organisationstalent, psychische Belastbarkeit und Kommunikationsfähigkeit, Fremdsprachenkenntnisse schaden ebenfalls nicht. Typische Arbeitgeber bzw. Ausbildungsbetriebe sind technische Event-Dienstleister und Promo-Agenturen. Weltweite Tourneen, die Festival-Saison, Stadtfeste und Hallenkonzerte müssen vorbereitet, geplant und durchgeführt werden. Einen immensen Anteil bilden ferner Messepräsentationen, denn die Industrie muss ihre Produkte wirksam inszenieren. Veranstaltungskaufleute leben von der Vielfalt und ihre Beschäftigungsfelder nehmen stetig zu.

Obacht bei den Begrifflichkeiten: Die Bezeichnung Veranstaltungskaufmann-/frau ist als IHK-anerkannter Beruf in Deutschland geschützt, der Eventmanager jedoch nicht. Somit darf sich jeder Eventmanager nennen, selbst wenn er oder sie im Leben noch keine Veranstaltung gesehen, geschweige denn organisiert hat. Allerdings bieten diverse Hoch- und Privatschulen Studiengänge mit dem Abschluss Eventmanager an. Ob und wie die jeweilige Fachkraft ihre Ausbildung absolviert hat, erkennt man an den Zusatzkürzeln wie IHK oder beispielsweise MBA (Master of Business Administration). Angeboten werden auch duale Studien mit Doppelabschluss, beispielsweise Veranstaltungskaufmann/-frau IHK in Kombination mit dem Bachelor of Arts in Medien- und Eventmanagement. Seriöse Veranstalter werden sich übrigens bevorzugt an vernünftig ausgebildete Veranstaltungskaufleute respektive Eventmanager halten, allein aus Haftungsgründen.

Verdienstaussichten

Die Ausbildungsvergütung liegt bei 700 bis 750 Euro im ersten Lehrjahr und steigert sich jährlich um etwa 50 Euro. Als Brutto-Einstiegsgehälter werden 1.600 bis 1.800 Euro aufgerufen. Wer sich bewährt, wird diese Durchschnittssätze allerdings schnell übersteigen. Zusatzausbildungen, Seminare und mehr helfen beim nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Perspektiven gibt es vor allem auf akademischem Weg: So kann ein Fachwirt Medien an der 3.000-Euro-Grenze kratzen. Mit dem dualen Studium Medienwirtschaft sind Bezüge bis 3.900 Euro in Sicht.

Fazit

Das Berufsbild des Veranstaltungskaufmanns bzw. der Veranstaltungskauffrau garantiert eine abwechslungsreiche Tätigkeit. Es kann euch rund um die Welt führen und ermöglicht viele Kontakte bei besten Zukunftsperspektiven. Der Job beginnt am Schreibtisch mit PC und Telefon. Dort werdet ihr aber nur einen erträglichen Teil der Arbeitszeit verbringen. Denn ihr seid mitten drin im Geschehen und erlebt die Events aus einer vollkommen anderen Sicht als der Normalkonsument. Das hat was!

Verwandte Artikel

User Kommentare