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16.04.2020

Behringer Xenyx 1202 FX Test

12-Kanal-Kleinmischpult mit integriertem Effekt-Prozessor

Kleinmixer mit großem Klangpotential

Hätte mir jemand vor zwanzig, sogar noch zehn Jahren erzählt, dass man für unter 100 Euro ein analoges Mischpult wie den Behringer Xenyx 1202 FX erhält, hätte ich gesagt: „Erzähl' keine Märchen…“. Aber jetzt steht da dieser Kompaktmixer auf meinem Studiotisch und vereint zwölf Kanäle und sogar eine Effektsektion kleinster Fläche.

Behringers analoge Mischpult-Familie ist inzwischen (Stand: April 2020) auf 34 Pulte mit verschiedenen Ausstattungsvarianten gewachsen, die Palette reicht vom Kleinstmischer wie dem Xenyx 302 USB, bis hin zu großen Schaltzentralen mit 16 Kanälen oder mehr, wie dem Xenyx UFX 1604. Es dürfte also jeder ein Mischpult finden, welches passend zu seinen Anforderungen ist. Allen gemeinsam ist das gute Preis-Leistungsverhältnis.

Details & Praxis

Merkmale und Besonderheiten

Das Behringer Xenyx 1202 FX ist ein zwölfkanaliges Kleinmischpult, dessen Signale auf einem Stereo-Masterbus summiert werden. Mute-Taster zum Stummschalten des Kanals sind nicht vorhanden. Auch Subgruppen gibt es keine, aber einen integrierten Effekt-Prozessor mit 100 FX-Presets. Die Inputs teilen sich auf in vier Mikrofonkanälen mit gängiger Standard-Ausstattung (etwa eines einfachen Dreiband-EQs) und vier Stereo-Kanälen für Line-Signale mit absoluter Minimal-Ausstattung. Statt Fader werden Drehregler verwendet.

Im Prinzip ist das Xenyx 1202 FX eine abgespeckte Version des Behringer Xenyx QX 1202, das Kollege Axel Erbstösser in einem ausführlichen bondeo-Test schon genauer unter die Lupe genommen hat. Im Vergleich zum QX 1202 fehlen dem 1202 FX nur der Kompressor in den Mikrofonkanälen und die USB-Schnittstelle. Da die beiden Pulte ansonsten identisch aufgebaut sind, empfehle ich für weitere Infos zum Thema Sound und Bedienung den Testbericht des QX 1202. Dort lobt der Autor den „warmen und satten Klang“ und dass er „intuitiv und einfach zu bedienen“ sei.

Klang

Was das Behringer Xenyx 1202 FX an Klangqualität für einen Straßenpreis von unter 100 Euro bietet, war vor einigen Jahren noch undenkbar. Alles wird transparent und sauber übertragen, mit ordentlich Power und ohne störenden Klangfärbungen. Bei allem Lob gibt es aber auch Kritikpunkte: Die letzten zehn dB Verstärkung der Xenyx-Vorstufen sind wegen plötzlich ansteigenden Nebengeräuschen kaum noch nutzbar. Und den 3-Band-EQ mit legendären britischen Mischpult-EQs (z.B. einer Neve-Konsole) zu vergleichen, ist… nennen wir es mal: gewagt! Die Arbeitsfrequenzen des EQs sind universell gewählt (das sieht man so bei vielen Klein-Mischpulten), aber für Vocal-Bearbeitung bieten diese Werte nur einen Kompromiss: Zumindest ein semi-parametrisches Mittenband wäre für flexibleres EQ-ing wünschenswert. So kann man den Sound nur breitbandig formen, schmalbandiges Wegziehen von Störfrequenzen ist nicht möglich.

Der integrierte Effekt-Prozessor liefert ebenfalls anständige Klangqualität. Man muss halt damit leben, dass es sich um „friss oder stirb“-Effekte handelt, denn Editieren kann man die einzelnen Programme nicht. Aber die Bandbreite ist groß, ich hatte Spaß mit den Delay-Effekten, was man den Audio-Beispiele anhört. Die Effekt-Bezeichnung bei den Audiobeispielen sind Vermutungen, in der Dokumentation findet man keine Liste der Presets!

Im Einsatz

Da es keinen überflüssigen Firlefanz gibt, findet man sich auf der Oberfläche des Behringer Xenyx 1202 FX sofort zurecht. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Signale über einen PFL-Schalter einzupegeln, man sollte die Vorverstärkung und die Lautstärken vorsichtig einstellen und gut hinhören, den im Zweifelsfall sind Verzerrungen nur durch Hören zu identifizieren. Bei hoher Verstärkung leidet die Signalqualität durch Nebengeräusche. Die Stereo-Kanäle besitzen nicht einmal eine Clip-LED als rudimentärstes Metering.

An den Signalfluss des Pultes muss man sich gewöhnen. Dass zum Beispiel der Kopfhörer/Control-Room-Ausgang „post fader“ hinterm Master-Fader hängt, ist nicht ideal. Auch hier wurde unter der Prämisse „nur das Nötigste“ konstruiert. Schön ist in jedem Fall, dass das Gehäuse einen robusten Eindruck hinterlässt. Doch wäre es aus Gründen der Betriebssicherheit schön gewesen, wenn es eine Zugentlastung für den Stromanschluss gegeben hätte.

Fazit

Das Behringer Xenyx 1202 FX ist ein praktisches Kleinmischpult, für sich selbst mischende Mini-Bands oder den Alleinunterhalter; für den Live-Musiker als In-Ear-Mixer, für den DJ „on the road“, für den Podcast-Ersteller oder für den Musiklehrer, der über Skype Musikunterricht gibt. Dafür hat der Mix-Zwerg alles an Bord, was man braucht, allerdings auch nicht mehr. Alle Kritikpunkte und Beschränkungen in der Funktionalität relativieren sich meiner Meinung nach über das Gegenargument „Preis“. Guter Klang, bei gerade notwendigem Funktionsumfang, aber zu extrem günstigem Kurs – man könnte auch sagen: typisch Behringer!

  • PRO
  • sehr preiswert
  • sauberer Klang der Xenyx-Vorstufen
  • guter klingender Effekt-Prozessor
  • einfache und intuitive Bedienung
  • robustes Metallgehäuse
  • CONTRA
  • starke Nebengeräusche auf den letzten zehn dB Verstärkungsweg
  • keine Clip-LED in den Stereokanälen
  • keine Mute- und keine PFL-Taster
  • keine Liste der Effekt-Presets
  • keine Zugentlastung für das Stromkabel
  • FEATURES UND SPEZIFIKATIONEN
  • MIKROFONKANÄLE
  • 4x XLR/Line-Eingang mit Xenyx Mic-Preamp
  • Gain-Regler – Verstärkungsbereich XLR: +10 dB bis + 60 dB, Line: +10 dB bis +40 dB
  • 3-Band-EQ – High 12 kHz, Mid 2,5 kHz, Low 80 Hz
  • LOW-Cut, bei 80 Hz
  • FX/Aux-Send (post fader)
  • PAN-Poti,
  • Clip-LED
  • LEVEL-Poti
  • STEREOKANÄLE
  • 4x Doppel-Klinken Stereo Line In Kanäle – als Mono Kanal nutzbar
  • Gain-Taster – Eingangsempfindlichkeit: +4 dBu Studiopegel oder 10 dBV Homerecording Pegel
  • FX/Aux-Send (post fader)
  • Balance/Pan-Poti
  • LEVEL-Poti
  • FX-SECTION
  • Dreh-Regler zur Programm-Auswahl (100 Presets: Reverb, Early Reflections/Delay, Modulation, Pitch, Multi)
  • Input Clip- und Signal-LED
  • FX TO MAIN – Level-Regler für FX-Lautstärke
  • MAIN-SECTION
  • MAIN-MIX-Fader, 60 mm – Maximaler Ausgangspegel +21 dBu
  • 4 Segment LED-Aussteuerungsanzeige, Stereo
  • FX TO CTRL ROOM – routet das FX-Signal zusätzlich auf den CONTROL ROOM-Ausgang
  • PHANTOM & +48V-LED – liegt gleichzeitig an allen vier Mikrofonkanälen an
  • POWER-LED
  • WEITER I/Os
  • MAIN-OUT, Stereoklinke, symmetrisch
  • CD/TAPE IN und 2 TRACK OUTPUT – ausgeführt als Chinch-Buchsen
  • PHONES/CONTROL ROOM – Lautstärke wird über den PHONES/CTRL ROOM-Poti geregelt
  • FX SEND / AUX SEND – Buchse zum Abgreifen des trockenen AUX-Signals
  • Preis: € 77,– (Straßenpreis am 08.04.2020)
  • Features & Spezifikationen

Auspackbilder findest du hier ->

Behringer Xenyx 1202FX

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