Test
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08.08.2019

Praxis

Ganz kurz und banal

Im Grunde könnte dieser Abschnitt ganz kurz und banal gehalten werden: „Das Austrian Audio OC18 klingt genauso wie das AA OC818 in Nierenstellung.“ Das wäre natürlich ein wenig sehr plump. Außerdem sollte die Gelegenheit genutzt werden, die Klangeigenschaften ein weiteres Mal hervorzuheben. 

Klangbild

Es ist wohl kein Wunder, dass die Detailliertheit auch des OC18 enorm ist. Hier machen sich hochwertige Preamps und Wandler durchaus bemerkbar, wenn sie die feinen Texturen von Signalen genau nachzeichnen. Das Airband ist minimal zurückhaltend (wie aufgrund der Membrangröße nicht anders zu erwarten). Die Höhen sind insgesamt generell deutlich, bleiben dabei aber glücklicherweise sehr natürlich und unaufgeregt. Vor bissigen S-Lauten muss man sich bei Verwendung des Austrian Audio OC18 nicht sorgen, denn die Schärfe ist ein wenig zurückgefahren, schnell, aber „breit“ und bekommt eine für eine Vielzahl Stimmen und Einsatzzwecke passende Ladung reichhaltigen Glanz mit auf den Weg. Für Konsonanten mit höheren Spektralanteilen, aber eben auch für Anschlaggeräusche beispielsweise von Akustikgitarren oder ein rauchiges Washing mancher modernerer Becken ist das der wesentliche Punkt, der klarmacht: Hier hat man es mit einem wirklich edel klingenden Mikrofon zu tun.

Auf die Spinne kann auch mal verzichtet werden

Sonderlich harsch klingt das OC18 nie, was auch daran liegt, dass es Signale mit einem sehr selbstbewussten Fundament einfängt. Über die Entfernung kann beim Mikrofonieren oder Einspielen/Einsingen sehr schön der Bassanteil geregelt werden. Selbst dann, wenn er zu viel Anteil am Gesamtsignal bekommt, bleibt auch bei niedrigeren Frequenzen das Signal detailreich, konturiert und franst nicht aus. Und wenn es doch mal zu viel ist: An den drei Hochpassfiltern wurde nicht gespart. Sie arbeiten allesamt sehr sauber und lassen offenbar die Phase im Passband bis an die Grenzfrequenz nahezu unbehelligt. 

Der Windschutz tut seine Dienste, bei Vocal-Recordings mit geringerem Abstand und/oder zentrierter Mikrofonierung und sehr treffsicheren Vokalkünstlern ist man mit einem Poppfilter aber auf der sichereren Seite. Bei gutem Ständerwerk und stabilem Fußboden kann auf die Spinne auch mal verzichtet werden, da die Kapselaufhängung im Inneren des Korbes gut gelungen ist. 

Das zeichnet wirklich gute Mikrofone aus

Axial besprochen klingen viele Mikrofone ordentlich. Dass ein mit 699 Euro nun wirklich nicht übertrieben teures Großmembranmikro eine derart stabile und „überraschungsfreie“ Richtungsempfindlichkeit aufweist, ist keine Selbstverständlichkeit. Bewusstes Miteinbeziehen von seitlich eintreffendem Schall, Bleeding, aber eben auch Rauminformationen sind damit hervorragend nutzbar. Nebensächlich ist so etwas nicht, denn im Zweifel lässt sich im Studio damit die Anzahl an Mikrofonen gering halten, was unter vielerlei Gesichtspunkten im Mix von Vorteil sein kann. In jedem Fall ist es gut zu wissen, dass auch Signale weit jenseits der 45/315 Grad noch absolut komplett klingen.

Dynamisch hervorragend

Grobdynamisch ist das Austrian Audio OC18 trotz seiner Tradition durchweg ein Kind der heutigen Zeit: Das Rauschen ist nicht nur den Angaben nach gering, es ist auch spektral ausgeglichen und zeigt keinerlei gröbere Struktur. Damit lassen sich bei späterer Bearbeitung mit EQ und vor allem Kompressoren enorme Hübe durchführen, ohne dass die Qualität darunter leiden würde. 

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