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Test
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20.03.2018

Analogue Solutions Treadstone Test

Analoger Desktopsynthesizer

Kompakter Mono-Synth mit großem Sound

SynthBlocks nennt sich das neue Format von Analogue Solutions, welches analoge Effekte, Sequenzer und Synthesizer auf kleinstem Raum bietet. Hier lautet das Motto: Keine Menüs, keine Software, bloß Hardware. Trotz der geringen Größe und relativ günstigen Preisen, werden keine Abstriche gemacht, was Qualität von Verarbeitung und Klang angeht. Nach der Filterbox ‘Mr Hyde’ und dem Ringmodulator ‘Dr Strangelove’, bietet Analogue Solutions mit ‘Treadstone’ einen komplett analogen, monophonen und obendrein kompakten Synthesizer, der eine Menge können soll.

Wie schon die Fusebox von Analogue Solutions, ist auch dessen kleiner Bruder komplett analog aufgebaut und in England hergestellt. Hier sind lediglich der integrierte Delay-Effekt sowie das verbaute Midi-Interface digital. Wichtig zu wissen: In Treadstone werkeln keine CPUs zur Kontrolle der analogen Komponenten, sondern der Strom fließt tatsächlich durch die Regler, und erzeugt so den sehr warmen und angenehmen Vintage Sound. In unserem Test prüfen wir, ob der Treadstone Desktop-Synth der gewohnt hohen Qualität von Analogue Solutions Produkten entspricht und für welche Einsatzzwecke er interessant ist oder werden könnte.

Details

Lediglich knapp über 13 cm x 12 cm nimmt dieser Zwerg an Platz in Anspruch und wiegt deutlich unter einem halben Kilo. Dabei ist Treadstone qualitativ sehr hochwertig verarbeitet: Das robuste Gehäuse ist komplett aus Stahl und Aluminium gefertigt, die Seitenteile aus massiven Holz, statt billigem Sperrholz hergestellt. Alle Regler, Schalter und Buchsen sitzen amtlich und lassen sich geschmeidig bedienen. Diese komplette monophone Stimme beinhaltet einen Oszillator samt Sub-Oszillator, einen 4-Pole Filter, ein digitales Delay, ein Midi zu CV Interface, einen Midi Loop Sequenzer, einen LFO, eine Hüllkurve, einen VCA, einen Mischer, Rauschen sowie einen Audio Input um externe Signale einschleifen zu können. Treadstone verfügt über eine Reihe an Patch-Punkten, die Eurorack-freundlich in 3,5 mm Miniklinke ausgeführt sind. Alle Buchsen, sind in 3,5 mm ausgeführt, selbst die MIDI-Buchse, für die aber ein entsprechender Adapter beiliegt. Die Anschlussbuchsen befinden sich im unteren Drittel des Desktopsynths, alle Bedienelemente im oberen Drittel, wodurch sich der kleine Synthesizer sehr gut bedienen und spielen lässt.

Der Voltage-Controlled-Oscillator verfügt über einen Regler, der für die Stimmung zuständig ist sowie über ein Mini-Poti, mit dem man die Wellenform zwischen Sägezahn und Rechteck überblenden kann. Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Pulsweitenmodulation, die mit einem Schalter intern mit der Hüllkurve oder dem eingebauten LFO verbunden werden kann und somit für interessante Modulationseffekte sorgt. Zwei Patchpunkte erlauben das Stimmen des Oszillators durch externe Steuerspannungen, wobei eine davon auf 1V/Okt. geeicht ist und die Andere über einen Abschwächer verfügt, der per Mini-Poti eingestellt werden kann. Ein Kippschalter lässt es zu dem Oszillator Rauschen oder einen Sub-Oszillator beizusteuern, der in seiner Lage eine Oktave unter dem Oszillator liegt und als Rechteck daherkommt. Ein weiterer Patchpunkt lässt die Steuerung der Pulsweite durch externe Steuerspannungen zu. Außerdem gibt es einen Rechteckausgang, mit dem man den Oszillator auch getrennt abgreifen kann.

Das Filter ist im klassischen Low-Pass SSM Stil aufgebaut und weißt eine Flankensteilheit von 24 dB auf. Ein großes Poti ist für das Cut-Off Filter zuständig und ein weiteres Mini-Poti sorgt für manuelle Kontrolle der Resonanz. Mit zwei zusätzlichen Mini-Potis lassen sich jeweils einstellen, wieviel die Hüllkurve oder auch Midi-Velocity ebenfalls das Filter öffnen können. Für das Filter sind drei Patch-Punkte verfügbar. Mit der ersten Buchse schickt man externe Audio Signale direkt ins Filter und die beiden anderen Buchsen dienen zur externen Kontrolle des Cut-Offs, wobei eine davon auch über einen Abschwächer verfügt.

Als nächstes bietet Treadstone drei Mini-Potis zur Kontrolle der gut klingenden und knackigen Hüllkurve. Zwei dieser Potis dienen zur Einstellung der Attack-Phase und des Sustains. Das dritte Poti stellt gleichzeitig die Decay- und Release-Zeiten ein. Die gebotene Hüllkurve ist durch die nur drei verfügbaren Regler eher eine Mischung zwischen ASR und ADSR Hüllkurve. An einer dedizierten Buchse lässt sich auch die Hüllkurve direkt abgreifen, eine weitere Buchse erlaubt es, die Hüllkurve durch externe Trigger auslösen zu können. Zum Schluss gibt es in der Hüllkurven-Sektion noch einen Kippschalter, mit dem die Hüllkurve in einen Drone-Modus versetzt wird und somit permanent geöffnet werden kann. Weiterhin liefert der Kippschalter Möglichkeiten, die Hüllkurve intern mit dem LFO zu verknüpfen, der diese dann auslöst.

Ein Mini-Poti sorgt für die Geschwindigkeitssteuerung des integrierten LFOs, den man auch an zwei Buchsen direkt abgreifen kann. Diese beiden Buchsen stehen dem LFO in den Wellenformen Dreieck und Rechteck zur Verfügung. Die letzten beiden der 14 Patch-Punkte sind für eingehende Midi-Signale und das ausgehende Audiosignal zuständig. Für den VCA gibt es einen separaten Kippschalter, mit dem man wählt, ob der VCA per Hüllkurve oder einem Midi-Gate geöffnet wird. Ein cleverer Zug ist hier, dass man mit einem weiteren Kippschalter entweder das Rauschen oder den VCO am Filter vorbeischleusen, und das Signal so direkt in den Verstärker schicken kann. Alle vorhandenen Kippschalter sind so aufgebaut, dass diese in der Mittelstellung die jeweilige Funktion komplett abschalten und so wurde auch die Bedienung des internen Mischers realisiert. Der Mischer wird also nur über einen Kippschalter eingestellt, wobei man sich hier aussuchen kann, ob dem VCO entweder weißes Rauschen oder der Sub-Oszillator zugemischt wird, bevor das Signal in das Filter wandert.

Das integrierte digitale Delay klingt gar nicht mal so Lo-Fi wie angepriesen. Der verbaute Effekt lässt sich mit drei weiteren Mini-Potis justieren. Zwei davon bieten manuelle Kontrolle über die Delay-Zeit und das Feedback. Der dritte Regler der kleinen Effekt-Sektion bietet einen Dry/ Wet Mix. Final gibt es noch einen beleuchteten Drucktaster, mit welchem man den internen Sequenzer um einen Schritt weiter wandern lassen kann. Dieser Knopf blinkt dabei immer in der Geschwindigkeit des LFOs.

Der Sequenzer ist auch ein praktischer Zusatz und verfügt über eine Buchse für den Clock-Eingang, welchen man durch das mitgelieferte Patchkabel mit dem internen LFO verbinden kann. Des Weiteren läuft der Sequenzer auch automatisch mit einer eingehenden Midi-Clock synchron. Will man dieses Verhalten abschalten, so muss man mit einem dünnen nicht metallischen Gegenstand, z. B. einem Zahnstocher, in ein kleines Loch auf der Unterseite des Treadstones drücken. Der Sequenzer kann nur per Midi programmiert werden und merkt sich immer die letzten 16 Schritte. Leider gibt es hier keine Möglichkeit diesen mit Steuerspannungen zu füttern. Dafür aber lassen sich die programmierten Sequenzen leicht abändern und variieren, da eingehende Noten während des laufenden Betriebs, die vorhandenen überschreiben. Leider hat das Midi-Interface keine ‘Learn’ Funktion und so versteht Treadstone nur Midi-Signale, die auf dem ersten Midi-Kanal eingehen. Midi-Noten 96 und 97 lassen es zu Rests und Skips zu programmieren, wobei man diese Noten (C6 und C#7) zwar hört, wenn man sie auf einem Midi-Keyboard spielt, der Sequenzer aber dann Pausen einbaut.

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