Bass Hersteller_Ampeg
Test
7
26.06.2016

Praxis

Sound

50 Watt Endstufenleistung klingt für die Freunde von großen Ampeg-Anlagen sicherlich etwas mager, aber zum einen sollte man 50 echte Röhrenwatt in ihrer Leistungsenfaltung niemals unterschätzen, und andererseits ist der PF-50T als zeitgemäße Version des B-15 in erster Linie als Recording-Lösung für das Studio und kleine Clubgigs mit gezügelt spielenden Bands zu verstehen. Und diese Aufgaben erledigt der kompakte Vollröhren-Amp absolut souverän!

Der deutsche Vetrieb hat mir für den Test die neue PF-112 HF aus der Portaflex-Serie zur Verfügung gestellt, die ich dann auch für mein erstes Setup mit dem Amp verwende. Nach etwa 20 Sekunden im Standby-Modus sind die Röhren schließlich betriebsbereit und ich kann den ersten Testdurchlauf mit meinem Xotic XJ-5T im passiven Betrieb starten. Für einen sauberen und unverzerrten Sound stelle ich den Gainregler auf etwa 11 Uhr und lasse den EQ zunächst komplett außen vor, um den Grundsound des kompakten Vollröhren-Setups beurteilen zu können. Und der ist wirklich beeindruckend und eben typisch Ampeg: Mein kleines Setup kling erstaunlich "groß" und wuchtig, das Fundament ist ultra solide und sorgt zusammen mit überaus durchsetzungsstarken Mitten und den typischen präsenten Höhen für einen tollen Allround-Röhrenbasssound.

Mit der neuen, mit einem 12-Zoll-Speaker bestückten Portaflex klingt der PF-50T sicherlich nicht so fett und geschmeidig wie ein alter B-15 Fliptop-Combo, der deutlich straffere und transparente Sound des PF-50T lässt sich dafür aber deutlich leichter in verschiedene Richtungen trimmen. Und das funktioniert mit dem Equalizer wirklich kinderleicht - kaum eine Reglerstellung liefert unbrauchbare Ergebnisse! Für einen cleanen Slapsound musste ich beispielsweise nur die zwei EQ-Presets Ultra - Lo und Ultra - Hi aktivieren, zusätzlich habe die Bässe etwas angehoben und die Mitten bei 800 Hz leicht abgesenkt.

Absolut klasse finde ich, dass Ampeg auch den PF-50T mit dem typischen Frequenzwahlschalter für die Mitten ausgestattet hat. Die Mitten sind ja bekanntlich entscheidend für den Charakter eines Basssounds und die fünf Positionen bieten mit Frequenzen von 200 Hz bis zu 3 kHz einfach eine enorme Bandbreite, um den Sound zu formen. Und noch mal: der EQ ist trotz der vielen Möglichkeiten extrem benutzerfreundlich, weil alle Bänder hervorragend abgestimmt wurden und bestens zusammenpassen. Wenn man den Bassregler komplett aufdreht, wird der Sound zwar extrem voll und "punchy", das Testrig dröhnt aber trotz der starken Anhebung kein bisschen. Der Höhenregler liefert jede Menge Klarheit und Präsenz, aufdringliche Frequenzanteile bleiben aber außen vor. Nahezu jede Einstellung führt zu einem runden Sound und der Vollröhren-Ampeg kann aufgrund seiner Flexibiltät in den verschiedensten Musikrichtungen eingesetzt werden.

Natürlich kommen auch die Fans von crunchy-angezerrten Sounds beim PF-50T voll auf ihre Kosten! Mit dem Gainregler auf ca. 14 Uhr konnte ich mit meinem Testbass bereits leicht angezerrte Sounds aus dem neuen PF-50T zaubern. Mit dem verbleibenden Reglerweg lässt sich der Crunchfaktor jedoch abermals deutlich erhöhen, aber auch sehr gezielt dosieren.

Der PF-50T von der legendären Ampschmiede punktet aber nicht nur mit der Ampeg-typischen Klangqualität, er bietet auch die richtige Ausstattung für den Einsatz als Recording-Amp für den Studioeinsatz an Bord. Gemeint sind natürlich die zwei separaten XLR-Ausgänge auf der Rückseite des Verstärkers. Wer viel im Studio unterwegs ist, wird sich über die Ausstattung sicherlich freuen, denn es kann in der Tat von Vorteil sein, mehrere Signale gleichzeitig aufnehmen zu können. Der Preamp-Out liefert einen direkteren und neutraleren Sound als der Transformer-Out und kann das Signal außerdem ohne EQ zum Equipment schicken. Aus dem Transformer-Out kommt im Wesentlichen das Signal, welches auch zum Lautsprecher geschickt wird. Die Röhrenendstufe wird also mit einbezogen - das Signal erfährt dadurch eine leichte Verdichtung und der Sound wirkt insgesamt harmonischer und griffiger. Lobenswerterweise liefern beide Ausgänge ein sehr nebengeräuscharmes Signal und sind daher wirklich für den professionellen Einsatz im Studio geeignet. Die folgenden Audio-Clips habe ich über den Transformer-Out aufgenommen, weil hier der Gesamtsound des Amps inklusive Endstufe am besten abgebildet wird.

Und falls ihr euch eben beim Lesen schon gewundert habt: Ja, ihr habt richtig mitgedacht; für den Studioeinsatz muss - anders als bei 99% aller Röhrenamps - keine Box angeschlossen sein. Dieses Feature ist in der Tat eine sehr praxistaugliche Neuerung, die einem das Bassistenleben sehr erleichtern kann!

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