Test
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16.10.2018

Praxis

Für den Praxistest wurde der XONE:96 mit diverser Hardware verkabelt und Traktor Scratch Pro eingesetzt.

Das Mixen mit dem Allen&Heath XONE:96 ist eine wahre Freude. Die Möglichkeiten zur Klangformung sind umfangreich und profitieren gegenüber Konkurrenten vom Vierbänder mit geteiltem Mittenband, dem parametrischen Sculpt-EQ, dem VCF und den Kanälen 5 und 6.

Die Kanal-Equalizer arbeiten mit einem maximalen Boost von 6 dB für Hi- und Low-Shelf, die gekillt werden können, wohingegen für die Hi- und Low-Mids ein Cut-Boost von –27/+10 dB angesetzt ist. Die EQ-Frequenzen der Channel-EQs liegen bei HiQ: 3 kHz, Hi-MidQ: 1.1 kHz, Low-MidQ: 350 Hz und LowQ: 180 Hz.

Der parametrische Sculpt-EQ in den Sends lässt einem viel Spielraum für das Finetunig. Der Frequenzbereich reicht von 190 – 2.750 Hz, der Cut-Boost ist mit –24/+10 angesetzt. LowQ und HiQ bieten dagegen Full-Kill und 6dB Boost und setzen bei 3 kHz bzw. 180 Hz an. Was will man mehr? Einen Master-Isolator vielleicht?!

Über Klangempfinden zu sprechen ist ja immer eine leicht subjektive Angelegenheit. Meiner Meinung nach klingt der XONE:96 einfach klasse: kristallklar, druckvoll und äußerst detailliert. Durch sein ausgefuchstes EQ-Layout erlaubt er auf allen Kanälen (Return C/D mal außen vor) umfangreiches Finetuning und Sound-Shaping. Dem schließen sich die cremigen bis schmutzig klingenden Filter an, die durch den Crunch-Regler noch rotziger im Sound werden können. Dazu einige Audiobeispiele. So etwas gibt es übrigens auch beim Richie-Hawtin-Mixer playdifferently Model 1 in ähnlicher Form. Auch die Kopfhörerverstärker machen ordentlich Dampf, die Sends haben mit 10 dB genug Luft nach oben, und das Pult gibt sich mit 20 dB Headroom gegenüber leichter bis mittlerer Übersteuerung ziemlich gelassen. Man weiß ja, wie gern auch mal „rot gefahren“ wird. 

Audiointerface und MIDI

Das integrierte Audiointerface arbeitet mit bis zu 32-Bit und 96 kHz Samplingrate. Es verfügt eingangsseitig wie ausgangsseitig über je 6 Stereokanäle. Mischpultlkanal 1 ist auf USB 1-2 geroutet, Mischpultkanal 2 auf USB 3-4, die Sends/Returns auf USB 9-12 usw.

Beiden Laptops können im laufenden Betrieb die Kanäle zugewiesen werden, das funktioniert easy as can be. Standardmäßig funkt der 96er auf MIDI-Channel 16, es kann aber auch jeder beliebige andere Kanal zwischen 1 und 16 via Tastenkombinationen – nachzulesen im Handbuch – on-the-fly zugewiesen werden. Insgesamt gibt es bei diesem Mischpult 31 adressierbare Komponenten, 19 Buttons, 5 Fader, 7 Rotary-Switches. Das Handbuch gibt Aufschluss darüber, was welche Schalter, Tasten, Knobs und Flachbahnregler senden, siehe auch nachstehende Grafik.

FX, Instrumente und Traktor

Hier offerieren sich prima Möglichkeiten für die kreative Performance. Zum einen können diese Wege ganz simpel als weitere Hauptkanäle genutzt werden, wo analoge Zuspieler/Instrumente via Klinken-Return oder ein digitales Signal via USB-Interface eingebunden werden. Oder man schließt einen externen Effektor an, dessen Ausgabesignal mit den Sends der Einzelkanäle beschickt wird. Oder man kombiniert beides oder nimmt einen Software-Effektor, auch das ist möglich. Wer möchte, kann mit seinem Effektgerät, Kompressor, GEQ oder was auch immer man dort anschließen möchte zudem via Master-Insert rein.

Digitale, integrierte Effektprogramme wie beim XONE:PX5 sind für den 96er nicht vorgesehen. Ein bissl schade find ich‘s schon, aber so ist das Konzept des Boliden: „digitale Schnittstellen, analoger Sound.“

Noch weiter an Fahrt nimmt der Zuspieler-Reigen auf, wenn man bedenkt, dass es noch zwei dedizierte Return-Kanäle gibt, die aber lediglich mit Lautstärke, Einschaltknopf, Cue-Taste und Signal-LED auskommen müssen und keinen digitalen Signalpfad vom/zum USB-Interface innehaben. Wäre aber nicht schlecht gewesen...

Kombinieren lässt sich hier jedenfalls sehr flexibel: Traktor-Decks, Maschine dazu, noch ein Synth dran und den Lieblingschredder oder einen Bodentreter. Oder Ableton Live + Anhang und ab dafür.

Was Traktor angeht, ist der XONE:96 „Scratch certified“ – funktioniert also mit Timecode-Medien von Native Instruments. Hier gab es im Test keine Probleme. Das Steuervinyl, Soundkarte und Laptop spielten gefühlt verzögerungsfrei zusammen. Möchte DJ seine Traktor-Performance mitschneiden, kann dies über den Kanal 11-12 und Master-Switch erfolgen.

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