Hersteller_AKG
Test
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28.01.2010

Details

Das Röhrenmikrofon muss wie üblich über ein externes Speisenetzteil mit Betriebsspannung versorgt werden, die Verbindung zwischen beiden Einheiten wird mittels 7-poligem XLR-Kabel hergestellt, das zum Lieferumfang gehört. Neben der rückseitigen Umschaltung der Netzspannung zwischen 110 und 230 Volt und einem Ground-Lift, verfügt das Perception-Speisenetzteil über zwei weitere Schalter auf der Vorderseite. Diese erscheinen auf den ersten Blick “langweilig”, denn es sind Hochpassfilter und Pad-Schaltung. Das Filter beschneidet bei der beliebten Grenzfrequenz von 80 Hz und einer technisch sinnvollen Flankensteilheit von 12 dB/Oct das Signal im Bassbereich.

Über einen „schnöden“ Pad-Schalter von -20 dB muss ich wohl nicht viele Worte verlieren. Nun, wer gedacht hat “Das Lesen der Details spare ich mir, ich sehe doch schließlich auf den Fotos alles”, der hat nicht bedacht, dass meine Kamera leider im Röntgenbereich nicht ausreichend gut funktioniert. Mit verbalen Mitteln funktioniert das Hineinsehen allerdings sehr gut und ist hier auch nötig: Das Pad ist kein einfacher Signalabschwächer, wie man ihn von anderen Mikrofonen her kennt. Diese sind so designt, das Mikrofon möglichst ohne Klangveränderungen in der Empfindlichkeit herabzusetzen. Dies macht das Pad des AKG zwar auch, sonst wäre der Aufdruck “-20 dB” definitiv fehl am Platze, aber es gibt eine technische Besonderheit: Der kleine Kippschalter verringert die Betriebsspannung der Doppeltrioden-Röhre im Mikrofonkorpus, was zur Folge hat, dass diese weniger “heiss” gefahren wird. Wer schon einmal Kennlinien von Verstärkung und THD gesehen hat, weiß, dass im höheren Verstärkungsbereich die (durchaus wohlklingenden) harmonischen Verzerrungen rapide zunehmen. Durch das Pad erhält man demnach einen linearen, weniger färbenden Klangcharakter! Wer hätte das gedacht?!

Die beiden Rücken an Rücken stehenden Membrane des 820 sind nicht vorpolarisiert und verfügen über einen Durchmesser von 25 Millimetern, also knapp einem Zoll. Die Kapseln sind – wie üblich bei umschaltbaren Großmembran-Mikrofonen – mit einem Laufzeitglied ausgestattete Druckgradienten-Empfänger, die sie jeweils zur Niere werden lassen. Die Verschaltung der Signale der beiden Kapseln erfolgt über den großen Drehschalter am Speisenetzteil.

Zusätzlich zu Kugel, Niere und Acht lassen sich dort noch sechs weitere Zwischenstufen auswählen, was für den Praxisbetrieb absolut ausreichend ist. Das Frequenzdiagramm der vorderen Kapsel im Solo-Betrieb (also als Niere) zeigt einen sanften Anstieg zu etwa 50 Hertz, von denen es dann linear bis zu 2 kHz läuft. Das Plateau von dort bis gut 5 kHz verspricht leicht hervortretende Präsenzen. Zwischen 10 und 15 kHz macht sich eine Verstärkung von 5 dB bemerkbar, das darüber liegende Air-Band fällt bis 20 kHz wieder ab, allerdings im für Großmembran-Mikrofone üblichen Rahmen. Wie zu erwarten, weist die Richtcharakteristik „Acht“ eine deutlich höhere Präsenzanhebung auf und verfügt über ein nahezu frequenzunabhängiges Polardiagramm. Die Kugel gibt ihre Kreisform erwartungsgemäß bei seitlicher Besprechung in den Höhen auf, doch geschieht dies laut Hersteller erst bei über 10 Kilohertz. Zudem weist das Frequenzbild einen kleinen Einbruch unter 5 kHz auf.

Mit einer Empfindlichkeit von 20 mV/Pa zählt das Perception nicht unbedingt zu den Sensibelchen, kann dafür mit 135 dB(SPL) bei 0,5% THD einiges an Schall verkraften. Mit dem 20dB-Pad erhöht sich dieser Wert auf (rechne, zähl, anstreng) 155 dB(SPL), womit wir uns langsam der Kategorie Bassdrum nähern. Die Schaltung um die ECC83-Röhre kann verständlicherweise nicht alle Teilchen in einen Kälteschock versetzen, im Gegenteil: Durch Wärme entsteht willkürliche Bewegung, die sich am Ausgang des Perception in einem äquivalenten Rauschen von 16 dB nach Filterung mittels A-Kurve manifestiert. Es gibt sicher geringere Werte, allerdings ist das 820 auch ein “echtes” Röhrenmikrofon und das Rauschen kilometerweit von dem eingangs genannten C12 entfernt.

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