Hersteller_AKG
Test
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07.08.2013

Praxis

Lange Kleinmembraner sind nicht so unauffällig und flexibel zu positionieren wie kürzere Vertreter, aber die Dicke von nur 19 Millimetern und das unscheinbare Mattnickelfinish machen das zumindest optisch wieder wett. Die Schalter haben einen perfekten Widerstand, lassen sich jedoch ohne Hilfsmittel wie Kugelschreiber nicht bedienen. Gut: Die Mikros sitzen ziemlich spack (also "fest") in den Halterungen.

Nicht nur mechanisch sind die AKG-Kondensatormikros sehr robust, auch klanglich. An der Akustikgitarre zeigen sie sich – entgegen der Annahme, die man eventuell aufgrund des Frequenzgangs hat – leicht präsent, ja fast schon etwas (hoch-)mittig. Diese Eigenschaft würde in übertriebendem Maße einen etwas grobschlächtigen Charakter zur Folge haben, bei den C451 B ist es eine in Pop- und Rock-Mixes gerne mitgenommene Hilfe, um Signale ein wenig nach vorne zu holen. Gut dabei ist, dass dieser leichte Support nicht gewollt oder künstlich klingt, wie man es bei vielen sehr preiswerten Mikrofonen beobachten kann. Bemängeln könnte man allenfalls, dass die AKG-Stäbchen es in den Mitten ein wenig an Offenheit und Luftigkeit vermissen lassen. Sie klingen dadurch etwas dichter, gedrungener und kompakter.

Die Höhen sind recht ausgewogen, zeichnen naturgetreu und agieren auch dynamisch gut. Unter den Mikrofonen mit etwas "aufgemotzten" Höhen und Hochmitten gehören sie zu den Besten, auf keinen Fall klingen sie künstlich oder gar verwaschen. Doch im Gegenzug kann für manche Signale das Air-Band etwas zu kurz kommen. Von Natur aus klingelige Crashes oder Hi-Hats etwa können mit 451ern mikrofoniert schön aggressiv und sehr durchsetzungsfähig und "Achtziger-mäßig" sein, andersherum aber auch stark schneidend und beißend. Ein solches Signal ist im beschriebenen Fall aber eher etwas für Großmembran-Mikrofone, Bändchen oder eben gemächlichere und gemütlichere Kleinmembraner. Wahrscheinlich ist es der oberste Frequenzbereich, der im Vergleich zu sehr hochwertigen und teuren Vertretern der Gattung Nieren-Kleinmembraner das Stereobild etwas kleiner wirken lässt, doch handelt es sich dabei nur um Nuancen. Zudem ist die Verwendung als Hauptmikrofonsystem sicher nicht die häufigste Anwendung für die 451er. Diese Einschätzung wird unterstützt durch die Ausstattung, die vor allem im Nahbereich lauter Instrumente sinnvoll wird: Für das (sehr sauber arbeitende) Pad ist das direkt nachvollziehbar, doch auch die Hochpassfilterung wird nicht nur benutzt, um Störgeräusche zu entfernen oder den Klang kreativ zu beeinflussen, sondern auch, um die oft unnatürlich wirkende Bassanhebung durch den Proximity-Effekt abzumildern. Bei Becken/Hi-Hats klingt eine derartige Überbassung meist grauenvoll. Bei den Low-Cuts wurde offenbar nicht gespart, denn auch sie verrichten einen hervorragenden Job!

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