Test
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04.11.2016

ADJ XS 600 Test

Moving Head

Faszinierender Doppelkopf

Wir testen den LED Axis-Moving Head XS 600 von ADJ und freuen uns schon jetzt auf diesen kompakten Kameraden: Während sich die Basis fröhlich rechts- und linksrum dreht, rotieren die beiden mit jeweils drei Linsen bestückten Achsen im oder gegen den Uhrzeigersinn – und zwar unabhängig voneinander jeweils um 360 Grad. Damit betritt ADJ eine weitere Lichtdimension und liefert eine interessante Lösung unter anderem für mobile DJs, Live-Bands, kleine Clubs und Bars. Wir haben uns angeschaut, was das kaum 400 Euro teure Gerät kann.

Details

Bauweise und Anschlüsse

Was unmittelbar auffällt, ist die durchdachte Bauweise: robust, klein und handlich. Um das Gewicht niedrig zu halten, wird größtenteils Hartkunststoff verwendet. Stabile, roadtaugliche Materialien, alles solide verschraubt. Und zwar so, dass Servicetechniker zeitnah auf das Innenleben zugreifen können. Die Konstruktion ist durchaus aufwändig: An den Auslegern befinden sich immerhin zwei Axis-Köpfe mit je drei LED-Spots, die sich simultan oder gegenläufig bewegen lassen. Bei so viel Bewegung muss natürlich jede Komponente maximale Stabilität aufweisen, jedes Bauteil ist ein eigenständiges Detail des großen Ganzen. Neuralgischen Schwachstellen wären kontraproduktiv. ADJ löst das optimal: Der motorgetriebene Ausleger arbeitet genauso zuverlässig wie die beweglichen und reversiblen Köpfe.

Widmen wir uns zunächst dem Chassis: Auf der Rückseite befinden sich jeweils ein Power-In- sowie Power-Out-Anschluss für die Serienschaltung. Acht Geräte lassen sich so mit Energie versorgen. Wer mehr Komponenten in Serie schalten will, benötigt eine weitere Steckdose. Aber bitte keine unterschiedlichen Kabel verwenden. Die Ausfallsicherheit wird es euch danken.

In der Mitte der Rückseite befindet sich die Sicherung; links daneben sitzen die DMX-Out- und DMX-In-Anschlüsse. Der XS 600 kann per DMX-512 gesteuert werden. Genutzt werden dafür dreipolige XLR-Kabel mit entsprechender Abschirmung von 110 – 120 Ohm. Wer sein Setup bereits auf die aktuelle DMX-Version 512-A ausgerichtet hat, verwendet für die Verbindung von Drei- auf Fünfpol-Kabel einen Adapter. Die Pins 4 und 5 sind beim XS 600 nicht belegt.

Simpel und praxistauglich sind die Bedienknöpfe unter dem LED-Display auf der Chassis-Vorderseite: Menü, Up, Down und Enter. Das war's und das genügt vollkommen. Wer sich einmal mit der der Menüführung vertraut gemacht hat, wird in Verbindung mit dem vierstelligen Display schnellstens die gewünschten Ergebnisse erzielen. Wie von ADJ gewohnt, ist alles bestens ablesbar, auch in zurückhaltend beleuchteten Live-Szenarien, wenn die Lampen noch nicht um die Wette leuchten. Die Konstruktion des Unterbaus ist auf das Wesentliche reduziert. Kein überflüssiger Schnickschnack, alles auf die Praxis ausgerichtet.

Eine Funktion, die mittlerweile bei vielen Herstellern zum Standard gehört, soll nicht unerwähnt bleiben: Der XS 600 ist mit einem Vorschaltgerät ausgestattet, das die anliegende Betriebsspannung erkennt. Ihr braucht euch also keinerlei Gedanken über das Stromnetz zu machen. Die freundliche Elektronik regelt die Anpassung automatisch.

Menü und Konfigurationsmöglichkeiten

Die Menüstruktur ist nahezu selbsterklärend: Anwählen, individuell einstellen, Enter: Bäm. Es gibt zwei DMX-Kanalmodi, entweder mit 25 oder 31 Kanälen. Gleich an oberster Stelle der ersten Subgruppe befindet sich der Menüpunkt für die DMX-Startadresse. Auf derselben Ebene werden sämtliche Funktionen von der Master-/Slave-Konfiguration über die internen Shows – immerhin acht Stück – oder die Sound-To-Light-Steuerung angewählt. Empfindlichkeit, Rotationsrichtung von Basis und Axis-Köpfen inklusive. Auf der nächsten Ebene setzt ihr die gewünschten Parameter.

So könnt ihr beispielsweise bei der Dimmerkurve zwischen Standard, Bühne, TV, Architektonisch und Theater wählen. Der Weißabgleich im RGBW-Farbspektrum wird unter dem Programmpunkt Balance beeinflusst. Vermutlich kaum nötig zu erwähnen: Änderungen müssen per Enter bestätigt werden. Es ist alles vorhanden, was für eine faszinierende Lightshow benötigt wird. Der Zugriff ist simpel und innerhalb kürzester Zeit erledigt. Erst recht, wenn für die Konfiguration oder das musiksimultane Abspielen eine Software auf dem Notebook oder PC genutzt wird.

Die lichterlohe Vielfalt

Kommen wir zum entscheidenden Unterschied zu den kleineren Brüdern, dem XS 200 und dem XS 400. Während der erstere lediglich mit einer 4-in-1-LED ausgestattet ist, besitzt der zweite einen rotierenden Axis-Kopf mit vier dieser effizienten Lichtquellen. Der XS 600 geht als Kraftpaket im Turnbeutel-Format einen Schritt weiter: Auf den beiden Axis-Heads sind jeweils drei LEDs angeordnet. Und diese Heads lassen sich gegenläufig oder in synchron drehen, wodurch der Effekt enorm gesteigert wird.

Entscheidend ist, dass beide Axis-Köpfe in sämtlichen Details separat angesprochen werden. Die Köpfe können nicht nur unterschiedlich schnell rotieren; zeitgleich können sie auch verschiedene Farben ausgeben. Durch die beinahe unbegrenzten Kombinationen von Farben im RGBW-Spektrum mit der mehrdimensionalen Beweglichkeit werden großartige, facettenreiche Lichteffekte erzielt. Sich bewegende Strahlen, Farbwechsel, Dimmbarkeit, Strobe in dreifachen Blitzraten – nichts leichter als das. Und wenn ihr wollt, rotieren die Lichter wie ein wildgewordenes Jahrmarktkarussell.

Die in diesem Preissegment unfassbare Vielfalt kann bei weniger erfahrenen Lichtkomponisten und DJs durchaus zum Problem werden, doch mit ein wenig Übung bekommt man das in den Griff. Selbstverständlich möchte man zunächst alles ausprobieren und dem Publikum vorführen. Weitaus sinnvoller ist es aber, die Szenen nicht zu überfrachten. Einfach testen und wissen, was das Gerät alles kann und es dann wohldosiert zum richtigen Zeitpunkt einsetzen. Dynamisch steigern und gerne mit Nebel garnieren. 

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