Test
2
12.01.2012

PRAXIS

Als typischer, kantiger Speaker steht der Adam natürlich von alleine. Jedoch sollte man tunlichst die Platzierung auf dem Schreibtisch vermeiden oder zumindest eine dämpfende Unterlage verwenden, die den Speaker dabei idealerweise auch gleich noch anwinkelt. Und genau diese gibt es auch vom Hersteller. Wem die nicht gefällt, der kann die Box natürlich auch auf einen konventionellen Ständer stellen, was akustisch die bessere Wahl wäre. Zum Lieferumfang gehören zwar ein paar kleine Gummi-Klebe-Füße, die man aber selbst befestigen muss.

Für den Hörvergleich im Rahmen des Testmarathons Studiomonitore bis 1000 Euro wurden alle Speaker auf Stative in etwa 1 m Entfernung hinter meinem Arbeitstisch im Stereodreieck aufgestellt. Einstöpseln, anschalten - los geht’s!

Auch die A5X überrascht mich sofort mit einem klaren und aufgeräumten Klangbild. Die Stereobreite wird gut aufgelöst und auch Tiefe ist hörbar. Die Familienzugehörigkeit zur ARTist 5 ist nicht zu verleugnen. Selbst das Hören links mit A5X und rechts mit Artist 5 stellte keine Überraschung dar, wofür auch die ziemlich identischen Übertragungsverläufe sprechen. 

Lediglich der Einbruch bei den Mitten fällt sofort ins Auge. Dies ist aber aller Wahrscheinlichkeit nach einzig und allein auf eine Interferenz am Messort, bedingt durch die vorderseitige Bassreflexöffnung, zurückzuführen. Auch meine Hörerfahrung spricht dafür, denn diesen optisch so deutlichen Einbruch konnte ich als Hörphänomen nicht wirklich ausmachen. Lediglich in den Höhen ab 5 kHz trägt die Artist 5 etwas dicker auf, was wiederum Geschmackssache ist. Alles in allem ist die Artist 5 dennoch etwas gutmütiger. 

Identisch zur Artist 5 finden wir außerdem eine leichte Überhöhung im Bassbereich vor, die für eine bessere Wahrnehmung bei geringem Pegel sorgt und "branchenüblich" ist. Durch das relativ breite Shelving-Filter kann man das Ganze allerdings nur ein wenig kompensieren.

Bleiben wir beim Erbsenzählen: Im Direktvergleich ist die A5X ein klein wenig Bass-potenter, da sie bei vergleichbarem Pegel weniger Verzerrungen am vorderseitigen Bassport produziert als ihre Schwester. Tiefer als 60/65 Hz gehen aber auch diese Speaker nicht. Wie auch bei dieser Größe...!?

Wie bereits angesprochen, tun sich ja viele Hersteller mittlerweile schwer, vergleichbare bzw. identische Messverfahren zur Bestimmung der unteren Eckfrequenz des Übertragungsverlaufes zu verwenden. Immerhin ist dies für den Marketing-Menschen eines der schlagkräftigsten Argumente im Kampf um den Kunden. Dabei geht es oft nur um ein paar "strategische" Hertz mehr oder weniger, durch die sich technisch nicht so bewanderte Kunden gern (ver-)leiten lassen, was diesen am Ende dann aber "Hz"-lich wenig bringt. Doch ihr habt ja uns, und wir sehen ganz genau hin.

Die Klirrfaktor-Messung zeigt bei unseren geprüften 90 dB SPL in 1m Entfernung deshalb auch schon deutlichere Verzerrungen als im Handbuch (unter 0,6 % ab 100 Hz bei 90 dB SPL) angegeben. Für die Verzerrungen im Tief-Mitten-Bereich sind vor allem die mäßigen Gehäuse-Resonanzen verantwortlich zu nennen. Aber auch die Leistungs-Limitierung wird hier deutlich, denn bassintensives Material zwingt die kleinen Speaker doch recht schnell in die Knie. Man sollte allerdings die Kirche im Dorf lassen, denn für den veranschlagten Preis ist das Gebotene sehr gut und für das kleine Heimstudio reicht die Leistung allemal aus. 

Wer etwas mehr Festigkeit erwartet, muss deutlich größere und schwerere Geschütze auffahren. In unserem Vergleichsmarathon heißt deshalb der etwas überlegenere und teurere Konkurrent "Dynaudio BM5A MKII", der auch wegen des flacheren Low-Cut deutlich mehr "Cojones" bietet.

Die Genelec 8030 ist hingegen viel roadtauglicher gebaut und kommt mit ihren detaillierteren Filtereinstellungen auch kritischeren Aufstellungssituationen deutlich mehr entgegen. Beide kosten aber auch rund 300 Euro mehr je Paar. Optisch macht hingegen – auf jeden Fall im Wohnzimmer - eventuell die 120 Euro teurere Artist 5 eine bessere Figur.

Wer noch weniger ausgeben will und mit weit weniger gutmütigen und glatten Übertragungsverläufen leben kann, sollte sich die Mackie MR5 MKII, die JBL LSR 2325P und die KRK Rookit 5 anschauen. Gerade letzteres Exemplar bietet ein verdammt gutes Preis-Leistungsverhältnis bei einem Paarpreis von gerade einmal 300 Euro.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare