Fussmaschine_Pro
Test
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05.03.2018

ACD Unlimited Darwin Double Bass Drum Pedal Test

Doppelfußmaschine

Darwin gegen Goliaths

Wenn es um Fußmaschinen geht, lassen sich Drummer grob in zwei Gruppen unterteilen. Die einen setzen sich an ein Set, stellen die Federspannung der Maschine ungefähr so ein, dass sie dem Spielgefühl nicht im Wege steht und spielen los. Auf die Frage, welches Pedal sie benutzen, müssen sie erst kurz nach unten gucken, um sich des Fabrikats zu vergewissern. Die andere Gruppe tickt komplett anders. Namen wie Axis, Trick, DW MDD und Czarcie Kopyto sind ihr selbstverständlich geläufig, über Konstruktionsprinzipien wie Direct Drive, Kompressionsfedern und ultraleichte Präzisionswellen denken sie täglich nach und fragen sich, wie diese am besten zur persönlichen Spielweise passen könnten. Schließlich geht es darum, die entscheidenden BPM aus der Performance zu kitzeln. Die Firma ACD Unlimited aus Klagenfurt baut Pedale für diese Enthusiasten. Darwin heißen sie, und die Doppelfußmaschine haben wir zum Test da.  

Dennis Namesnik heißt der sympathische Kopf hinter ACD, und wer sich ein bisschen mit seinem Schaffen auseinander setzt, stellt fest, dass der junge Mann nach wenigen Jahren Beschäftigung mit dem Thema Trommeln und Hardware schon ein beachtliches Portfolio an unterschiedlichen Produkten anbietet. Dazu gehören edle Trommeln in Solid- und Fassbauweise, und einen besonderen Fokus legt er auf die Konstruktion und Modifikation von Fußmaschinen. Fast alle Teile fertigt er selbst, was ihn in die Lage versetzt, auch ausgefallene Ideen und Custom-Lösungen anbieten zu können. Dass er abgeschlossene Ausbildungen als Tischler und Maschinenbautechniker besitzt und zudem selber Drummer ist, dürfte bei seinen Projekten ebenfalls sehr hilfreich sein. Mit der Darwin Fußmaschine bietet Dennis nun seine erste, komplett selbst entworfene Fußmaschine an. Die schlicht designte Maschine besitzt eine Vielzahl an neuartigen Konstruktionsdetails und Einstellungsmöglichkeiten und soll damit den meisten Serienmaschinen der großen Hersteller überlegen sein. Mal sehen, ob sie das Versprechen einlösen kann. 

Details

Gefrästes Aluminium, wohin das Auge blickt

Grundsätzlich handelt es sich bei der Darwin um eine Einsäulenmaschine mit serienmäßig montiertem Bandzug. Dies beschreibt die Pedale allerdings nur unzureichend, soviel wird schon beim Auspacken deutlich. Hier wird aus dem Vollen geschöpft, entschuldigung, gefräst. Es beginnt bei der einsäuligen Rahmenkonstruktion aus einem Stück Aluminium, welche jeweils auf die schwarze Bodenplatte aufgeschraubt ist. Der Vergleich mit einer regulären Fußmaschine zeigt, dass diese Säule näher in Richtung Spieler positioniert ist. Diese Geometrie ist möglich, weil die Trittplatte im vorderen Bereich seitlich ausgeschnitten ist und damit rechts an der Säule vorbei laufen kann. Kennern der Materie dürfte eine gewisse Ähnlichkeit mit der Bauweise der Axis und Czarcie Kopyto Pedale auffallen. Da enden die Gemeinsamkeiten aber im Grunde auch schon, denn bei nahezu allen anderen Komponenten geht Dennis Namesnik andere Wege. Es beginnt mit der komplett glatten, geräumigen Trittplatte, welche am unteren Ende mittels eines kugelgelagerten Stifts mit der Bodenplatte verbunden wird. Die Buchse liegt jedoch hinter dem Ende der Bodenplatte, was für einen extrem bodennahen Abschluss der Trittplatte sorgt. Bei der Testmaschine handelt es sich um die Longboard-Version, eine Umrüstung auf ein – ebenfalls sehr flaches – Fersenteil wird jedoch durch bereits vorhandene Bohrungen in der Bodenplatte ebenso ermöglicht. 

Beide Pedalseiten funktionieren auch als Einzelfußmaschinen

Ein weiteres, auffälliges Konstruktionsdetail zeigt sich beim Blick auf den der Bassdrum zugewandten vorderen Teil der Bodenplatte. Der üppige Raum, der durch die zurück versetzte Rahmensäule entsteht, wird besetzt durch die Spannreifenklemmung. Diese stellt ein separates, ebenfalls aus dem Vollen gefrästes Bauteil dar. Mit seitlicher Einstellbarkeit kann sie nicht dienen, ist jedoch dafür in zwei Richtungen beweglich. So ermöglichen zwei Stimmschrauben ein stufenloses Verschieben um etwa zwei Zentimeter auf der Längsachse, was zu einem optimalen Auftreffwinkel der Beater führen soll. Löst man die zwei Stimmschrauben ganz, kann das Klemmteil komplett abgenommen und an einem weiteren Satz Schraublöcher wieder befestigt werden. Auf diese Weise lässt sich die Klemmung jeweils an den Betrieb der Darwin als Einzel- und Doppelpedal anpassen und so ein seitliches Verdrehen des Pedals an der Bassdrum verhindern. Möchte man die Maschine als Einzelpedal nutzen, fixiert man die Klemmung in einer Linie mit dem Beater-Schaft, beim Doppelbetrieb nutzt man jene Löcher, die die Konstruktion genau zwischen beiden Beatern befestigen. Sehr clever. Damit enden die speziellen Ideen des Konstrukteurs aber noch nicht, im Gegenteil. 

Die Federverstellung verbirgt sich in der Rahmensäule

Ähnlich wie bei einigen DW Modellen oder eben auch bei der Axis, verläuft die Feder auf der Innenseite der Säule. Die Verstellung derselben funktioniert allerdings nach „ACD-Art“: Die Rahmensäule ist mittig oval ausgefräst, darin befinden sich eine Gewindestange sowie zwei seitliche Führungsstifte. Diese stabilisieren eine Art Schlitten, an dessen einem Ende die Feder befestigt ist. Über zwei sich konternde Rändelschrauben wird der Schlitten auf der Gewindestange nach oben oder unten befördert, was wiederum zu einer zu- oder abnehmenden Federspannung führt. Kommen wir nun zur Cam, beziehungsweise der Umlenkrolle, denn auch die hat es konstruktiv in sich. Zunächst lassen sich - per Stimmschlüssel - die Winkel für die Trittplatte und den Schlägelwinkel getrennt voneinander verstellen. Dies ist guter Standard bei den meisten Pedalen gehobener Machart. Allerdings gibt es an der Cam noch zwei weitere Vierkantschrauben. Mit diesen lässt sich der Abrollvorgang stufenlos von zentrisch zu exzentrisch verändern. Aber auch damit ist es noch nicht getan, denn das Zugband lässt sich komplett entfernen und durch die mitgelieferten, geraden Antriebstangen ersetzen. Dafür ist etwas Schraubarbeit vonnöten, welche mit den beiliegenden Inbus-Schlüsseln erledigt wird. Die Maschine ist jedoch auch ohne die zusätzliche Direct-Option lieferbar. 

Auch die Welle und die Beater kommen aus der ACD-Werkstatt

Ein Doppelpedal ist ohne die entsprechende Verbindungswelle natürlich kein Doppelpedal, und auch bei diesem Bauteil hat sich Dennis Namesnik eigene Gedanken gemacht. Statt eines herkömmlichen Kardangelenkes kommt eine komplett kugelgelagerte Konstruktion mit jeweils umlaufenden Aluminiumkränzen zum Einsatz, die auch bei extremen Verschränkungen beider Pedale noch gute Laufeigenschaften des Slave-Teils gewährleisten soll. Zu guter Letzt wären noch die „Dynamic Beater“ zu erwähnen, auch sie werden in der hauseigenen Werkstatt von Hand hergestellt. Ihr Aufschlagpunkt besteht aus einer runden, gelochten Aluminiumscheibe, welche im Falle unserer Testmaschine mit Filz versehen ist. Wem das nicht zusagt, der kann auch Köpfe mit Holz- oder Kunststoffschlagfläche wählen. Damit die Beater vollflächig auf das Fell auftreffen, hat man ihnen bei ACD eine - ebenfalls per Stimmschlüssel zu bewerkstelligende - Neigungsverstellung spendiert. 

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