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08.10.2020

Wohnzimmer Konzert beleuchten: Lighting-Tipps für deinen Gig im Livestream

Lichteffekte und Tipps die euren Gig beim Streamen noch besser aussehen lassen

Das gilt nicht nur in Corona-Zeiten: Wenn die eigenen vier Wände zur Bühne werden sollen, ist nicht nur guter Ton gefragt. Das Publikum freut sich ebenso über optische Eindrücke aus deinem Zuhause und saugt begierig die einmalige Atmosphäre auf. Mit einer einfachen, aber durchdachten Beleuchtung kannst du sowohl den passenden Hintergrund schaffen als auch die Band sehr individuell in Szene setzen. Und haben sich die Musiker für die Livestream-Variante entschieden, gilt es, einige Besonderheiten zu beachten.

Zwischen Sofakissen und Couchtisch bietet ein Wohnzimmerkonzert eine einzigartige Chance. Die Band kann frei ihren Auftritt gestalten. Die Kulisse steht schon, kann aber nach Belieben individuell verfeinert werden. Aufmerksame Zuhörer sind garantiert. Für einen guten Sound reicht oft ein kleiner Gitarren-Amp zum Sologesang. Oder man findet bei genauerem Hinsehen zwei kleine PA-Boxen, versteckt in einem Bücherregal. Nur noch ein paar Minuten, dann präsentieren sich die Musiker ganz pur dem handverlesenen Publikum …

Eine entscheidende Rolle wird dabei eine weitere Technik spielen: die Beleuchtung. Die Ausdruckskraft gekonnt eingesetzten Lichts kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. So verschafft sich einen enormen Auftritt, wer einige Grundzüge der Beleuchtungskunst - gekonnt adaptiert auf ein kleines Wohnzimmer - beachtet. Einige Bands streamen ihre Wohnzimmerkonzerte gern. Dann, so raten Kameraprofis, gilt es, besondere Beleuchtungskniffe anzuwenden, die wir ebenfalls in diesem Workshop vermitteln.

Das Wohnzimmer als Bühne

Die Besucher eures Wohnzimmerkonzerts sind sicherlich schon gespannt auf die Atmosphäre, die ihr für sie schafft. Schließlich ladet ihr sie ein, für eine Zeit Teil eures Privatlebens zu werden. Und so darf das Wohnzimmer auch aussehen. Eine cleane Umgebung erwartet hier niemand. Ihr dürft also ruhig Gegenstände, die ein Gefühl von Zuhause vermitteln, zeigen. Allerdings solltet ihr sie gezielt platzieren, damit der Raum nicht beliebig wirkt.

Dazu geht ihr am besten strategisch vor und überlegt zuerst, wo die Musiker am besten spielen. Dann drapiert ihr gezielt aussagekräftige Einrichtungsgegenstände um sie herum. So vermittelt ihr zwar einen privaten Eindruck, lenkt aber den Blick auf die Hauptakteure. Die neutralste Farbe für die Grundausleuchtung des Raumes ist sicherlich weiß. Um eine gemütliche Atmosphäre zu erschaffen, greift man zu warmweiß. Idealerweise könnt ihr es dimmen, denn weniger ist hier mehr, damit ihr noch Luft nach oben habt, um die Band in Szene zu setzen.

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Klassische Bühnengrundausleuchtung

Für die Band könnt ihr mit einer klassischen Bühnenbeleuchtung en miniature arbeiten. Dazu benötigt ihr zwei Lampen, die in einem 45-Grad-Winkel seitlich von oben die komplette Bühnenfläche abdecken. Das können beispielsweise zwei Bogenlampen sein, die in den Ecken des Wohnzimmers aufgestellt werden. Vorsicht geboten ist hingegen beim unbedachten Einsatz einer mittig von der Decke hängenden Zimmerlampe. Sie beleuchtet jeden Winkel und lässt einen Raum oft kalt wirken, wenn sie unnötiges Licht auf die oft weißen Wände wirft.

Stehen euch kein Lichter für eine klassische Grundausleuchtung zur Verfügung, könnt ihr mit Pinspots wie dem Q-Spot 15 W BK von Cameo arbeiten. Wenn die Band einverstanden ist, probiert mal, komplett auf eine klassische Bühnenausleuchtung zu verzichten und stattdessen gänzlich auf punktuelles Licht zu setzen. Eine kleine Leuchte mit engem Abstrahlwinkel erhellt dann beispielsweise lediglich das Gesicht des Hauptgesangs. Umso mehr Spielraum habt ihr für weitere Akzente.

Funktionslicht nicht vergessen

Doch noch vor den Akzenten wird das Funktionslicht gesetzt. Funktionslicht ist vor allem eins: erforderlich. Es handelt es sich um eine notwendige Beleuchtung, ohne die das Konzert nicht stattfinden kann. Das kann eine Mischpultbeleuchtung, Licht auf einer Stolperstufe oder auf einem engen Gang sein. Es empfiehlt sich, das Funktionslicht so früh wie möglich festzulegen, damit das Lichtkonzept auf dem engen Raum drumherum aufgebaut werden kann. Ist ein sehr helles Funktionslicht an einer Stelle im Raum erforderlich, kann es sinnvoll sein, die gesamte Beleuchtung daran auszurichten, da es andernfalls die gedämpfte Atmosphäre ohnehin zerstören würde. In einem solchen Fall kann es sinnvoller sein, mit warmen Farben wie Orangetönen die gewünschte Aussage über den Raum zu machen, die am besten zu eurem Musikstil passt.

Gerade bei Wohnzimmerkonzerten macht einem das Tageslicht gern einen Strich durchs Lichtkonzept. Findet der Aufbau nachmittags statt, ist es schwierig, sich den Raum ohne Tageslicht vorzustellen. Dagegen hilft, schon am Vorabend einzuleuchten. Ebenso solltet ihr dafür sorgen, dass unerwünschtes Funktionslicht wie die Lichtzeichen von Ampeln nicht während des Konzerts im Raum ihre eigen Lichtshow veranstalten.

Lichtakzente setzen

Nachdem die Grundausleuchtung steht, könnt ihr euch nun den Akzenten widmen. In der besonderen Atmosphäre eines privaten Haushalts sucht der Gast das Individuelle, das etwas über das Zuhause des Gastgebers preisgibt. Deshalb dürft ihr jetzt ein paar besonders eindrucksvolle Einrichtungsgegenstände, die ihr zuvor in Musikernähe platziert habt, mit engen aber besonders hellen Lichtkegeln  betonen. Wer die Möglichkeit hat, sollte jetzt mal ausprobieren, farbige Deko in gleicher Farbe zu beleuchten. So erstrahlt beispielsweise eine blaue Skulptur beleuchtet in blau besonders intensiv.

Interessante Schatten können den Objekten besondere Bedeutung verleihen. Dazu verwendet ihr kleine Spots, die den Gegenstand von unten anstrahlen. Eine kleine Lese- oder sogar Fahrradlampe kann hier hervorragende Dienste leisten. In keinem Fall sollten die Musiker oder Gäste in den Austritt des Lichtkegels schauen können. Es würde das Gesamtbild zerstören, wenn die Lichtquelle, mit der es gezeichnet wird, zu sehen wäre.

Auch die Stromkabel verlegt man am besten so dezent wie möglich. Wer die Wahl hat, verwendet die im jeweiligen Raum unauffälligste Kabelfarbe und nutzt Kabelwege, die, ohne Stolperfallen zu bilden, möglichst für das Publikum nicht sichtbar sind. Mehr Tiefe erhält euer Wohnzimmer übrigens mit langen Farbstrahlen auf der Wand hinter der Band.

Unsichtbar dort eingesetzte Deko-LEDs wie die ApeCoins von ApeLabs (zum Test) können sogar von Song zu Song die Farbe wechseln. Dank eines Magneten sind sie leicht zu befestigen. Solo oder in Gruppen verwendet sorgt die Ansteuerung der ApeCoins mit einer Smartphone-App für Farbwechsel-Effekte.

Specials für den Livestream

Beim Livestream ist zunächst zu beachten, dass der Blick der Kamera abhängig vom verwendeten Objektiv weitwinkliger ist als der des menschlichen Auges. Das gilt insbesondere für Smartphones und Action-Cams. Und die Kamera filtert im Gegensatz zum menschlichen Gehirn nichts als unwichtig heraus. Daher gilt es, den Aufstellort sorgfältig auszuprobieren und noch deutlichere Lichtakzente zu setzen als ohne Stream.

Damit auch ein sehr gedämpft beleuchtetes Konzert online gut aussieht, empfiehlt der Mediendesigner André van Lier, eine möglichst lichtstarke Kamera zu verwenden. Als Tipp für eine interessante Abgrenzung der Bühnenfläche zum Publikumsbereich rät er zu LED-Stripes. Interessanter Nebeneffekt sei, dass sie die Künstler von unten beleuchten. Das Publikum könne auf Wunsch illuminiert werden, was aber reine Geschmackssache sei.

Die Stimmung beim Gig ist in der Regel angenehmer, wenn man die Gäste im Dunkeln lässt. Für die diskrete Pultbeleuchtung greift er zu Klemmspots, die ohnehin in vielen Haushalten vorhanden sind. Zur Vorsicht mahnt André van Lier bei heimeligem Kerzenlicht - nicht nur wegen der Brandgefahr. Nicht jede Kamera schafft es, ein relativ dunkles Bühnenbild im hellen Kerzenschein wirklichkeitsnah abzubilden. Wenn unbedingt Kerzen gewünscht sind, könne man jedoch weitere Leuchten als aufhellendes Licht hinzunehmen. Sie müssen den Weißton des Kerzenscheins haben und sollten die gesamte Spielfläche leicht erhellen.

Allen, die bewegte oder statische Lichteffekte mögen, rät er, den heimischen Beamer einzusetzen. Auf die Rückwand projiziert kann man so mit Bordmitteln tolle Effekte erschaffen. Zu manchem Musikstil passt es sogar hervorragend, für die Bühnen-Grundausleuchtung, statt Scheinwerfern ausschließlich den Beamer zu nutzen. Je nach Art des verwendeten Films könnt ihr dann Gobo-Effekte fast wie mit einem Moving Head erzielen.

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