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Cherry Audio Crumar DS-2 Test

Cherry Audio widmet sich einem fast vergessenen Klassiker aus Italien und präsentiert ein neues Plugin: den Crumar DS-2. Der charismatische Vintage-Synthesizer, zwischen 1978 und 1980 gebaut, wurde bislang nicht emuliert – und galt bereits damals als eigenwillig und selten.

Cherry Audio DS-2: Test.
Cherry Audio emuliert den Crumar DS-2 und beschert dem Synthesizer einen zweiten Frühling – molto interessante!

Ein funktionierendes Original findet man kaum auf dem Gebrauchtmarkt: Mit 44 Tasten, einem Gewicht von über 23 Kilogramm und seiner notorisch anfälliger Elektronik zählt der Crumar DS-2 nicht gerade zu den unkomplizierten Musikinstrumenten. Wer heutzutage in einen derart wartungsintensiven Vintage-Synth investiert, muss Schmerzen mögen.

Crumar selbst hat sich längst aus dem klassischen Synth-Markt zurückgezogen und baut heute vor allem Orgeln und Digitalpianos wie Mojo Classic oder Seventeen. Umso erfreulicher, dass Cherry Audio das klangliche Erbe weiterführt: Nach Elka Synthex und Crumar Spirit erscheint nun bereits die dritte italienische Emulation – diesmal der eigenwillige DS-2.

Unser Fazit:
4 / 5
Pro
  • Hybrider Retro-Sound mit Layer-Konzept
  • Relativ einfache Bedienung
  • Arpeggiator und Effekte
  • Große Preset Library
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra

Cherry Audio Crumar DS-2 Highlights

  • Emulation des Vintage Synthesizers Crumar DS-2 mit Erweiterungen
  • Synth- und Poly-Sektion mit bis zu 32 Stimmen, dynamischer Arpeggiator
  • Drei separate Effekt-Ketten, 20 FX-Typen, Library mit über 300 Presets

DETAILS & PRAXIS

Was verbirgt sich hinter dem Kürzel DS-2?

Der Crumar DS-2 war einer der ersten Synthesizer mit DCOs. Somit steht „DS“ tatsächlich für „Digital Synthesizer“. Im Grunde ist er aber hybrid aufgebaut – Filter, Hüllkurven, LFOs und so weiter basieren weiterhin auf analogen Schaltkreisen. Die „2“ steht hingegen für zweifaches Layering: Der original Crumar DS-2 kombiniert dabei eine monofone Synth-Engine mit einer polyfonen Strings/Orgel-Begleitsektion.

Berüchtigt ist der Crumar DS-2 für seinen kantigen Grundsound, der durch kleine, treppenförmige Wellenformen der DCOs entsteht. Auch die Pulsbreitenmodulation verläuft alles andere als sanftmütig. Die Poly-Sektion ist paraphon aufgebaut und beim Plugin sogar bis zu 32-stimmig spielbar.

Warum sind die Oszillatoren so besonders?

Tatsächlich lassen sich die Oszillatoren des Crumar DS-2 nicht mit den DCOs späterer Synthesizer-Generationen gleichsetzen. Stattdessen liefern sie markant abgestufte, quasi treppenförmige Wellenformen mit charakteristischen Obertönen.

Cherry Audio hat dem zweiten Oszillator noch eine 32-Sample-Sinuswelle hinzugefügt und die ehemals monophone Synth-Sektion auf wahlweise vier, acht oder 16 Stimmen erweitert. Ergänzend stehen euch bei der Emulation auch Oszillator-Sync, ein dritter LFO sowie loopbare Hüllkurven zur Verfügung.

Cherry Audio DS-2: DCO.
Der Crumar DS-2 lässt auf den zweiten Blick spezielle Oszillatoren erkennen: DCOs mit kantigem Grundsound.

Die Poly-Sektion des Crumar DS-2 nutzt „Divide-Down“-Oszillatoren und erzeugt damit Rechteckwellen, die sich zu treppenförmigen sägezahnähnlichen Wellenformen kombinieren lassen. Mit diesen besonderen Oszillatoren und Filter entsteht ein Klang zwischen analoger Wärme und digitaler Kühle.

Cherry Audio DS-2: Filter.
Das Plugin erweitert das Original auch um 2- oder 4-polige Filter sowie drei LFOs.

Synth, Poly-Sektion oder beides?

Diese Frage solltet ihr euch vor jeder Edit-Session mit dem Crumar DS-2 stellen und den Routing-Mode entsprechend wählen: Ihr könnt die Synth- oder Poly-Engine einzeln anwählen und für komplexere Sounds mit Tiefe und Charakter auch beide Layer kombinieren. Das funktioniert übrigens auch für Keyboard-Splits, wo es sich als echte Stärke des Plugins entpuppt.

Für ein organischeres, bewusst leicht instabiles Klangbild steht euch das Multi-Panel zur Verfügung. Hier lassen sich einzelne Stimmen des DS-2-Sounds gezielt in Tonhöhe, Panorama, Filter-Cutoff sowie in Attack- und Release-Phase anpassen. Ergänzt wird das Ganze durch fünf Modusschalter. Besonders interessant sind „Cycle Loop“ für sich wiederholende Variationsmuster und „Cycle Rand“ für dezente, zufallsbasierte Klangveränderungen.

Beide Engines einzeln oder kombiniert – das Routing beim Crumar DS-2.

Arpeggiator und Effekte – was können sie?

Im Vergleich zum originalen Crumar DS-2 ist das ein entscheidender Unterschied: Arpeggiator und Effekte wurden nicht nur ergänzt, sondern fest in den Sounddesign-Prozess integriert – und sind damit weit mehr als nur schmückendes Beiwerk.

Der dynamische Arpeggiator triggert wahlweise eine Sektion oder beide Engines und arbeitet mit vier Pattern-Modi (Arp, Leap, Order, Random) sowie den Parametern Swing, Chance und Feel – das reicht allemal.

Cherry Audio DS-2: FX.
Sehr gute Zugaben und einfach zu programmieren: Arpeggiator und Effekte.

Bei den Effekten bekommt ihr drei separate FX-Ketten mit eigenem Effektmodulator pro Ebene. Zur Auswahl stehen nicht weniger als 20 Effekttypen – darunter Dual Ensemble, Tape Echo oder auch der Galactic Reverb von Cherry Audio.

Übrigens: Ich persönlich hätte auf den Vintage-Look des Originals verzichten können, dafür ist das Plugin aber relativ einfach bedienbar.

Wie klingt der virtuelle Crumar DS-2?

Sicherlich habt ihr keine konkreten Erwartungen an den Crumar DS-2 – es ist ja auch keine berühmte Preset-Maschine, die man aus den Retro-Charts kennen würde. Leicht rau, kantig, harmonisch aggressiv, ein bisschen kratzig und bissig – so präsentiert sich der DS-2 akustisch. Diese klanglichen Eigenschaften sickern auch beim Plugin durch, verwässern aber ein wenig, allein wegen der internen Effekte.

Cherry Audio hat wieder einmal ordentlich vorgelegt: Über 300 Presets in 14 Kategorien zeigen, was klanglich im virtuellen Crumar DS-2 steckt. Wenn ihr noch mehr Sounds direkt anspielen möchtet, gibt’s beim „Deep Space Preset Pack for DS-2“ 100 weitere Sounds für unter zehn Euro.

Cherry Audio DS-2: Presets.
Typisch Cherry Audio: eine gute und üppige Preset Library.

Für die Hörproben habe ich zwölf Factory Presets für euch angespielt. Der besondere Digital-Vintage-Vibe des Crumar DS-2 kommt vor allem bei den Sounds „String Machine“, „DCOasis“ und „Marcato“ zum Tragen. Die meisten Presets sind gut spielbar – auch dank der Touchsteuerung.

Audio Samples
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Cherry Crumar Stringy Machine DCOasis Lonesome Pad Random Noise Arp Robocop Bass Cosmic 80s Pleasant Pulses Marcato Happeggio Space School Synthetic Horizon

Gibt es Alternativen zum Crumar DS-2?

Die Antwort ist ein klares „Jein“. Den speziellen Crumar DS-2 selbst gibt es derzeit nur bei Cherry Audio als erweiterte Emulation mit dem Hybrid/Divide-Down-Charakter und den stufigen Oszillator-Wellenformen.

Allerdings sind andere Cherry-Audio-Software-Synths diesem nicht unähnlich: Der Crumar Spirit bietet beim Programming mehr Möglichkeiten und klingt auf Wunsch rauer. Wenn euch Layering reizt: Probiert den Cherry Audio Trident Mk3!

FAZIT: Cherry Crumar DS-2

Zum ersten Mal taucht der Crumar DS-2 auf dem virtuellen Radar auf: Für rund 60 Euro ist die Emulation ein Schnäppchen und gerade für Plugin-Sammler definitiv einen Blick wert.

Klanglich bringt der DS-2 ein eigene Note mit. Auch wenn italienische Synthesizer im Italo Disco keine große Rolle spielten, passt dieser Sound hervorragend in moderne Retro-Produktionen. So richtig inspiriert hat mich der Soft-Synth allerdings nicht – hier würde ich eher einen Blick auf den Crumar Spirit von Cherry Audio werfen.

Unterm Strich bleibt der Cherry Audio Crumar DS-2 ein gelungenes Retro-Plugin: kein Pflichtkauf, aber die Demo-Version solltet ihr euch auf jeden Fall anhören.

Features

  • Emulation des Crumar DS-2 mit Arpeggiator, Effekt-System und weiteren zusätzlichen Features
  • Systemvoraussetzungen: Ab Windows 7, Mac OS X 10.13 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST, VST3, AU, AAX, Standalone.
  • PREIS: 59 Euro (Straßenpreis vom 31.03.2026)
Italo Disco: Dolce Vita der Vintage Synthesizer Artikelbild
Italo Disco: Dolce Vita der Vintage Synthesizer

Italo Disco kam Mitte der 80er in Mode. International erfolgreiche Hits wie Dolce Vita, Self Control oder Vamos a la playa sind noch heute beliebt. Es dreht sich um Sonne, Sentimentalität und vor allem um Synthesizer. Ein Dolce Vita für Vintage Synth Fans.

20.07.2024
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