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Behringer Ultravoice UV1 Test

Praxis

Nein, nicht “audiophil”, aber trotzdem in Ordnung

Behringer ist bekannt dafür, vollmundige Bezeichnungen zu verwenden. Woher das Selbstbewusstsein rührt, auf einem sehr, sehr preiswertes Gerät für den Massenmarkt den Begriff “audiophil” erscheinen zu lassen, ist mir allerdings schleierhaft. Natürlich ist dieser Begriff in keiner Weise fest definiert oder geschützt, doch die Allgemeinheit verbindet damit doch genau entgegengesetzte Eigenschaften. Nicht dass der Klang “schlecht” wäre: Insgesamt kann man mit dem Behringer UV1 durchaus vernünftig arbeiten. Der Mic Pre arbeitet clean (vielleicht etwas kantig) und bewegt sich klanglich auf dem Niveau von Preamps normaler Audio-Interfaces. Verwendet man dynamische Mikrofone, wie etwa Tauchspulenmikrofone wie das Shure SM7B oder Bändchen wie das the t.bone RM-700, können 60 dB Maximalverstärkung etwas wenig sein, zumal der Vorverstärker des Behringer-Channel-Strips im geringeren Verstärkungsbereich dynamisch besser agiert. Muss man den Amp stark aufreißen, nimmt das Rauschen überhand. Ich würde also dazu raten, den UV1 mit Kondensator- oder zumindest aktiven dynamischen Mikrofonen zu betreiben.

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dynamisches Mikrofon, UV1 analog out dynamisches Mikrofon, separates Audio-Interface Kondensatormikrofon, UV1 analog out Kondensatormikrofon, UV1 USB Kondensatormikrofon, separates Audio-Interface

Drive ist mehr als Threshold

Der Kompressor packt ordentlich zu und kann den Durchschnittspegel eines Signals gut verstärken. Mit der Density, die links eine sehr hohe und rechts eine schnelle Releasezeit bewirkt, lassen sich die meisten Signale gut unter Kontrolle halten. Und es fällt im Betrieb auf, dass Drive tatsächlich nicht nur den Threshold bestimmt, sondern auch ungefähr dazu passend das Make Up Gain.

Zu starke Settings ergeben “F” oder “TH”

De-Essing gelingt immer dann gut, wenn es die Möglichkeit gibt, sich zunächst die detektierten S-Laute in den Monitorweg zu legen. Das fehlt beim Behringer Ultravoice UV1, genauso wie ein separater Bypass, der allen Einheiten gut zu Gesicht gestanden hätte. Schön ist aber, dass die De-Essing-Unit nicht sofort allzu brutal vorgeht, sondern bei moderaten Reglerstellungen mit Bedacht entschärft. Allerdings kann die Einheit auch sehr stark zupacken und jedes “S” in ein “F” oder “TH” verwandeln.

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“Bump”-Ähnlichkeit

Die kombinierte LF-EQ-Regelung des Enhancers arbeitet entfernt wie die “Bump”-Funktion von Harrison-Filtern oder der Pultec-Trick: Es wird angehoben, etwas darüber aber abgesenkt. Dadurch entsteht eine Art “Fokus”, die vielen Signalen guttut. Vor allem tiefe Stimmen bekommen damit ein kräftiges Fundament, werden gleichzeitig nicht dröhnend. Vom HF-Regler hätte ich mir etwas weniger Biss gewünscht, in jedem Fall hilft es aber etwas müden Signalen zu mehr Frische. Allerdings wird es der Anfänger genau damit wahrscheinlich schnell übertreiben. Viele Stimmen, die mit Kondensatormikros mit nicht allzu geringem Abstand aufgenommen wurden, werden diese Regelung kaum brauchen.

Dynamikeinheit zwei packt kräftig zu

Gate und Expander könnten nach meinem Geschmack aufgrund des Fehlens von Attack, Hold und Release und regelbarer Hysterese ein rundes Knee gebrauchen, also auch bei starken Änderungen etwas sanfter öffnen und schließen. Um im Livebetrieb ein Bleeding in Spielpausen zu verringern oder ein allzu stark rauschendes Signal zu bändigen, reicht die Einheit aber allemal. Übrigens: Wenn es zu sehr rauscht, ist sicher oft der Kompressor zu heftig eingestellt und der HF-Enhancer zu weit aufgedreht.

Audio Samples
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dynamisches Mikrofon ohne Processing dynamisches Mikrofon mit Kompression dynamisches Mikrofon volles Processing Kondensatormikrofon ohne Processing Kondensatormikrofon volles Processing

Auf der rechten und der Rückseite alles klar

Der Kopfhörerverstärker macht seinen Job ordentlich und kraftvoll genug, die Regelungsmöglichkeiten sind praktisch und selbsterklärend. Der USB-Anschluss unter macOS Big Sur war eine Wonne: Kabel verbinden und im Programm direkt auswählen, so soll es sein. Und wie von einem heutigen Gerät zu erwarten, fiel das digital gewandelte Signal gegenüber dem analogen qualitativ nicht ab. Um hier unterschiede zu erkennen, müsste man sich in die Sphären hochwertigerer Wandler und analoger Kettenglieder begeben.

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Profilbild von Marco Heger

Marco Heger sagt:

#1 - 02.01.2022 um 06:49 Uhr

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Sorry aber was soll ich denn nun mit dieser Audio Datei machen? Damit kann ich wirklich nichts anfangen. Dazu noch irgendwie im Wohnzimmer mit allen Reflexionen aufgenommenen. Also hier hätte ich eher eine professionelle Vocalbooth erwartet und eine gescheite Aufnahme. Aber ja, ist ja auch nur ein Behringer Dingsda.... Muss ich halt mal selber ausprobieren.

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