AC/DC ist der beste Beweis, dass „weniger Gear“ nicht „weniger Sound“ bedeutet. Zwei Gitarren, Marshall wo hin das Auge reicht und trotzdem erkennt man nach zwei Takten, wer da gerade spielt. In diesem Guide schauen wir uns an, welche Teile wirklich entscheidend sind und welche du dir sparen kannst. Wie Angus und Malcolm ihre Rollen aufteilen und warum ein „Effekt“ ausgerechnet ein Wireless-System war.

- AC/DC-Sound in 60 Sekunden:
- Die Rollen:
- Angus (Lead-Gitarre):
- Malcolm (Rhythmus-Gitarre):
- Bon Scott / Brian Johnson (Gesang):
- Cliff Williams (E-Bass):
- Phil Rudd (Drums):
- Verstärker: Marshall, Marshall, Marshall
- Bonedo-Praxis-Hack:
- Der „eine Effekt“, den viele übersehen: Schaffer/Wireless
- So baust du’s nach: 3 Setups zum Nachmachen
- FAQ
AC/DC-Sound in 60 Sekunden:
AC/DC klingt nicht einfach nur ein bisschen verzerrt, sondern nach einem Brett aus Gitarren. Der Sound, der 73 von den Young-Brüdern gegründeten Band, lebt von einem trockenen, sehr direkten Crunch, der nicht alles zukleistert, sondern Platz lässt für Groove, für Pausen und für diese „wuchtige 2 und 4“.
Kurz: Rhythmus ist der Sound.
Die Rollen:
Angus (Lead-Gitarre):
Angus ist an der Front: Leads, Licks, Drama, Schuluniform – Angus Young ist wohl der Gitarrist, der Gibson SG zum Kultstatus verholfen hat. Auch wenn viele seiner Kollegen im Laufe ihrer Karriere die Les Paul bevorzugten, blieb Angus seinen SG’s treu. Allen voran seiner SG Standard Walnut von 1970 mit Vibrola-Vibrato, die ihn von Anfang an begleitet, sowie die Cherry-Red-Variante. Seit den 1990er-Jahren sieht man ihn auch mit der schwarzen SG Standard mit fester Brücke, diesmal mit kleiner Schlagplatte im Pre-1966-Stil.
Zur Zeit von „Highway to Hell“ (1979) und „Back in Black“ (1980) spielte er häufig eine schwarze SG mit Doppel-Humbuckern und großer weißer Schlagplatte.
Die Verstärker sind kaum zu übersehen: Marshall Super Lead mit 100 oder 50 Watt.
Effektgeräte sind bei Angus kaum zu finden. Ein kabelloses Schaffer-Vega-Funksystem, das er auch wegen des eingebauten Vorverstärker-Kompressors nutzt, taucht in den 70ern auf. Heute greift er auf Repliken dieses Preamps zurück, da moderne Funksysteme hochwertiger und stabiler bei der Übertragung sind.
Für den Angus-Sound zu Hause kann man über eine Pedal-Lösung nachdenken, z. B. das Crazy Tube Circuits Heatseeker, das sowohl den „Marshall in a Box“ als auch eine Emulation des Schaffer-Systems bietet.
- Praxis-Tipp: SG-ähnliche Gitarre + eher „offene“ Crunch-Amps klingen schneller nach AC/DC als die Boutique-Overdrive-Sammlung.
Malcolm (Rhythmus-Gitarre):
Malcolm Mitchell Young, (* 6. Januar 1953 in Glasgow, Schottland; † 18. November 2017 in Sydney, Australien) ist nicht „die zweite Gitarre“, sondern das Fundament, auf dem alles aufbaut. Ohne ihn und seine Gretsch „The Beast“ wäre kaum ein Riff entstanden. Rhythmisch sind diese so klar, dass sie sofort mitklatschbar sind. Diese Stabilität gepaart mit dem kontrolliert harten Anschlag seiner rechten Hand schafft ein Volumen, dass kaum jemand nachmachen kann.
Malcoms Sound funktioniert ohne Funksystem. Nur selten Griff er zu einer anderen Gitarre als „The Beast“. Seine treue Gretsch Duo Jet Firebird Jet von 1963, begleitete ihn von Anfang bis Ende. Sie durchlief mehrere Umbauten und endete in ihrer simpelsten Form: abgeschliffen, nur mit einem Steg-Pickup. Er spielte sie mit extrem dicken Saiten (12-56), um seinen Sound zu formen. Gretsch reproduzierte für das Malcolm-Young-Signature-Modell G6131MY sogar die Spuren der ausgebauten Humbucker.
Der Marshall Super Bass, war Malcoms Mittel der Wahl, wenn es um einen verlässlichen Verstärker mit Dampf ging. Dieser Sound lässt sich einigermaßen mit jeder Marshall-ähnlichen Low-Gain-Topteil-Kombination bei hoher Lautstärke erreichen. Wir empfehlen, das nicht unbedingt im Wohnhaus zu testen.
- Praxis-Tipp: Rhythmus-Sound lieber trocken, stabil, mittig – nicht zu fett.
Bon Scott / Brian Johnson (Gesang):
Der Gesang ist bei AC/DC kein „schöner Pop-Vocal“, sondern wirkt schon fast wie eine dritte Gitarre. Bon Scott war die freche, bluesige Kante: snarling vocals, dreckig, rotzig, mit diesem „grinsenden“-Unterton, der die frühen Platten so frech wirken lässt.
Brian Johnson hat die Hochspannungsleitung mindestens genauso hoch angesetzt, rau, falsettartig schneidend, damit durchdringt er die Gitarrenwand wie eine Kreissäge und genau das passte laut Britannica perfekt in den AC/DC-Sound.
Was beide gemeinsam haben: klare, einfache Hook-Linien, viel Attacke, wenig Schnörkel – damit jeder Refrain im Stadion sofort „mitgrölt“, ohne dass die Band musikalisch weicher werden muss.
Cliff Williams (E-Bass):
Cliff Williams ist der unerschütterliche Motor der Band: 8tel auf dem Grundton in Königsklasse. Null Ego, volle Wirkung. Sein Job ist nicht die große Show abzuziehen, sondern sie zusammenzuhalten – AC/DC ist gitarrendominiert, also muss der Bass nicht drüber tanzen, sondern von unten auffüllen und schieben.
Zusammen mit Rudds Backbeat ergibt das eine Rock-Walze, die dich live überrollt.
Phil Rudd (Drums):
Phil Rudd ist das heimliche Killer-Feature: wie Cliff Williams überzeugt er durch sein unegoistisches Spiel. Super tight, mit ordentlich Wumms hinter jeden einzelnen Schlag – wirkt simpel, ist aber brutal schwer zu spielen. Genau dieses „weniger tun, aber 100% sitzen“ ist bei AC/DC die ganze Magie: Wenn Rudd laidback bleibt, können Malcolm und Angus vorne herum maximal Druck machen, ohne dass es hektisch wird. Und ja: Die Nummern klingen easy – bis du sie nachspielen willst.
(Ich habe es selbst probiert)
Verstärker: Marshall, Marshall, Marshall
Der AC/DC-Mythos ist im Kern ein Marshall-Mythos: Plexi-Schule, Super Bass und Studio-Varianten (JTM45/JTM50/JMP-Ära).
Live wurde das Setup teils massiv skaliert – mehrere Super Leads und eine große Cabinet-Zahl auf Tour.
Bonedo-Praxis-Hack:
Du brauchst keinen 100-Watt-Plexi im Wohnzimmer. Du brauchst eine Plexi-Idee: knackiger Crunch, dynamisch auf Anschlag reagierend.
Der „eine Effekt“, den viele übersehen: Schaffer/Wireless
„AC/DC hat keine Effekte“ stimmt – fast. Ein zentraler Baustein war lange ein Wireless-System: das Schaffer-Vega Diversity System, das Angus ab Ende der 70er nutzte. Der Clou: Das Ding war nicht nur Funk, sondern konnte das Signal auch pushen/anfetten – und wurde damit Teil des Sounds.
So baust du’s nach: 3 Setups zum Nachmachen
Setup A: Budget (Proberaum-ready)
- SG-Style Gitarre (Humbucker)
- Amp mit Plexi/Classic-Rock-Voicing (oder Amp-in-a-box-Pedal)
- Wenig Gain, dafür lauter/kräftiger Grundsound
Setup B: Mittelklasse (Gig-tauglich)
- SG/Gretsch-Style + gute Pickups
- Marshall-Style Head/Combo oder glaubwürdige Plexi-Emulation
- Optional: Boost/Wireless-Style Preamp-Feeling (für den „Schaffer“-Push)
Setup C: Pro (Studio/Bühne)
- Vintage/Replica-orientiertes Marshall-Setup
- Mehrere Cabinets / Isolation / Mic-Workflow (je nach Venue)
- Wireless/Schaffer-Replica-Lösung als Sound-Ingredient
FAQ
Eine SG-Style Gitarre mit Humbuckern bringt dich für Angus sehr schnell in die richtige Richtung; für Malcolm wird oft eine Gretsch-ähnliche Rhythmus-Gitarre genannt.
Marshall-Plexi-Verwandtschaft (Super Lead/Super Bass/JTM-Varianten) ist das klassische Spielfeld – entscheidend ist ein dynamischer Crunch, nicht High Gain.
Sehr wenig – bekannt ist vor allem das Schaffer/Wireless-System als Sound-Baustein, weil es das Signal auch pushen konnte.
Weil Anschlag, Phrasing und Timing den Sound formen – und der Amp so eingestellt ist, dass er auf die Hand reagiert.
Ja – wenn dein Amp/Modeler die „Plexi-Idee“ kann: mittiger Crunch, klare Dynamik, wenig Kompression.
Tightness: lieber weniger Noten, dafür brutal präzise. Das ist die Malcolm-Schule.