Mit Black Light/White Noise schlagen Richie Kotzen und Adrian Smith das nächste Kapitel ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit auf. Was als Nebenprojekt begann, hat sich längst zu einer festen musikalischen Einheit entwickelt, in der Blues, Rock und starke Melodien aufeinandertreffen. Jetzt sind Smith/Kotzen auch live auf Europatournee zu erleben. Im Interview sprechen die beiden mit uns über das neue Album, ihren Songwriting-Prozess und natürlich über ihr Equipment.

Hallo Adrian, hallo Richie! Wie habt ihr zwei euch getroffen und wie kam es zur Zusammenarbeit?
Adrian: Meine Frau hatte daran großen Anteil. Vor etwa 15 Jahren habe ich ein Haus an der Westküste bei Los Angeles gekauft, wo es eine großartige Musikszene gibt. Da sie ein großer Fan von Richies Musik ist, hat sie uns schließlich zusammengebracht, und wir haben uns schnell angefreundet. Bei einer Party bei mir zu Hause haben wir dann erstmals zusammen gejammt und sofort gemerkt, dass wir musikalisch hervorragend harmonieren. Meiner Frau kam dann die Idee, doch einfach einmal gemeinsam etwas aufzunehmen – und schon am ersten Tag entstanden mehrere Songs, bei denen uns klar wurde, dass in dieser Zusammenarbeit wirklich viel Potenzial steckt.
Ihr habt 2025 euer zweites Studioalbum Black Light/White Noise veröffentlicht. Wie läuft bei euch der Schreib- und Aufnahmeprozess ab?
Richie: Wir sitzen tatsächlich im selben Raum, wenn wir Songs schreiben. Jeder bringt zwar Ideen mit, aber wir entwickeln sie gemeinsam und in Echtzeit weiter – ganz direkt miteinander, ohne Files hin- und herzuschicken oder übers Internet zu arbeiten.
Adrian: Genau, es ist ein sehr organischer Prozess. Wenn wir zusammen schreiben, nimmt ein Song nach und nach Gestalt an. Sobald die Grundstruktur steht, arbeiten wir an den Details, und erst danach kommen die Texte dazu. Ich mag besonders, dass dabei etwas völlig Neues praktisch aus dem Nichts entsteht.
Eure Musik ist stark im 70s Hard- und Blues-Rock verwurzelt. Wie würdet ihr beschreiben, was jeder von euch musikalisch, stilistisch und in Bezug auf Inspiration in die Band einbringt?
Adrian: Als Teenager bin ich mit Bands wie Free, Humble Pie, Bad Company, Deep Purple und Thin Lizzy aufgewachsen – das waren definitiv meine musikalischen Wurzeln und meine erste große Inspiration als Gitarrist. Heute versuchen wir natürlich, diese Einflüsse auf unsere eigene Weise weiterzuentwickeln. Ich glaube, wenn eine starke Melodie da ist, entsteht automatisch etwas Eigenständiges. Viele meiner Vorbilder waren Musiker, die selbst stark vom Blues geprägt waren, etwa B.B. King, Albert King oder Freddie King. Besonders ihr Phrasing ist unglaublich wichtig und wird oft unterschätzt. Deshalb ist auch jemand wie Eric Clapton so bedeutend. Blues wirkt vielleicht simpel, aber letztlich kommt es darauf an, jede Note genau an den richtigen Platz zu setzen.
Richie: Ich habe mich eigentlich nie bewusst als Blues-Gitarrist gesehen. Natürlich schätze und bewundere ich den Blues – und man kann Rockmusik kaum spielen, ohne ihn zu verstehen. Meine Einflüsse lagen aber eher im R&B-Bereich, etwa George Benson mit dem Breezin’-Album oder auch Stevie Wonder. Ich bin außerhalb von Philadelphia aufgewachsen, daher liegen meine Wurzeln stärker in Soul, R&B, aber auch in Jazz und Fusion. Das ergänzt sich sehr gut mit Adrians Background. Trotzdem würde ich unsere Musik nicht unbedingt als klassischen Blues-Rock bezeichnen.
Eure Tour startet im Februar – mit Terminen in Europa, darunter vier Shows in Deutschland, sowie Konzerten in Südamerika. Adrian, du kennst sowohl die großen Arenen als auch die deutlich intimeren Clubbühnen. Was reizt dich jeweils an diesen unterschiedlichen Konzertgrößen? Und gibt es auch Dinge, die dir daran weniger gefallen?
Adrian: Ich liebe das, was ich mit Maiden mache, und natürlich haben große Arenen ihren ganz eigenen Reiz – vor allem, weil dort eine Fangemeinde zusammenkommt, die über mehr als 50 Jahre gewachsen ist. Man darf aber nicht vergessen, dass auch wir einmal mit kleinen Clubshows angefangen und wirklich jede noch so kleine Bühne gespielt haben. Clubkonzerte machen deshalb genauso Spaß, weil sie viel direkter und persönlicher sind. Am Ende geht es mir einfach darum, die Musik zu spielen, und ich bin dankbar, dass ich das tun kann. Gleichzeitig wollen wir mit diesem Projekt natürlich weiter wachsen – schließlich ist das unsere erste richtige Tour in dieser Form. Alles entwickelt sich noch weiter, auch die Songs verändern sich von Abend zu Abend.
Kommen wir nun zu eurem Equipment. Welche Amps und Gitarren setzt ihr für Smith/Kotzen ein?
Richie: Ich spiele nach wie vor meine Signature Fender Telecaster mit einem Chopper am Steg und einem Twang King in der Halsposition. Außerdem nutze ich meine Signature Stratocaster mit drei Single-Coils, die mich schon seit den frühen 90ern begleitet. An Amps setze ich hauptsächlich auf einen Marshall 1959 mit vier Inputs – darunter auch eine Handwired-Version sowie spezielle Modelle, die Marshall eigens für mich gebaut hat. Das ist mein Hauptamp. Ich mag diesen klassischen, offenen Marshall-Sound mit viel Headroom, egal, ob mit 50 oder 100 Watt. Dazu verwende ich ein Tech 21 Wah-Pedal und das Fly Rig, das meine Effekte, Booster und Overdrive abdeckt.
Besonders praktisch ist der SansAmp, weil man damit praktisch jeden Verstärker klanglich neu formen kann. Wenn mir zum Beispiel ein Fender Twin als Backline gestellt wird, kann ich den Sound so anpassen, dass er sich für mich natürlich und organisch anfühlt. Zusätzliche Zerrpedale brauche ich nicht – mir reicht das, was im Fly Rig steckt. Ein guter Amp ist für mich vor allem eine starke, cleane Pedalplattform. Ich bevorzuge Verstärker mit viel Headroom, weil ich viel über den Volume-Regler arbeite und der Cleansound genauso überzeugen muss wie der angezerrte Ton.
Adrian: Bei Smith/Kotzen nutze ich eine etwas reduzierte Version meines Maiden-Setups. Bei Iron Maiden spiele ich den JVM410, weil er extrem vielseitig ist und ich dort deutlich mehr Sounds benötige. Für dieses Projekt verwende ich hingegen den JVM205 und bleibe im Grunde bei einer einzigen Einstellung mit sehr niedrigem Gain – nur leicht angezerrt, vielleicht etwas mehr als ein klassischer AC/DC-Sound. Für Soli kommt lediglich ein Tube Screamer dazu, um mehr Kompression und Sustain zu bekommen.
Außerdem nutze ich ein Line 6 HX Effects für einen sauberen Lautstärke-Boost, ein 500-ms-Delay und gelegentlich etwas Chorus. Wenn man gleichzeitig spielt und singt, muss das Setup einfach und übersichtlich bleiben – man kann nicht ständig auf dem Pedalboard herumtanzen. An Gitarren spiele ich hauptsächlich mein Jackson-Signature-Modell sowie bei einigen Songs eine Les Paul. Die Jackson ist für mich ein echtes Arbeitstier und ich mag besonders den Ahornhals und das Ahorngriffbrett.
Inspiriert ihr euch auch gegenseitig in Sachen Equipment? Kommt es vor, dass ihr euer Setup anpasst oder neues Gear ausprobiert, weil der jeweils andere bestimmte Sachen verwendet?
Adrian: Ich habe Richies Fly Rig tatsächlich einmal ausprobiert und war wirklich begeistert vom Sound. Gleichzeitig finde ich aber, dass es wenig Sinn macht, wenn wir am Ende beide exakt dasselbe Equipment verwenden.
Richie: Genau, unsere Sounds ergänzen sich zwar hervorragend, stammen aber aus zwei unterschiedlichen klanglichen Welten. Auf dem letzten Album habe ich sogar einmal Adrians Gitarre und sein komplettes Setup für ein Solo benutzt. Dabei habe ich gemerkt, dass ich auf der Jackson ganz anders spiele als auf meinen Strats – das Instrument beeinflusst die Spielweise enorm.

Plant ihr, das Smith/Kotzen-Projekt in Zukunft weiter auszubauen?
Adrian: Ja, das wäre natürlich schön. Die bisherigen Alben wurden sowohl von Fans als auch von Kritikern sehr positiv aufgenommen und waren erfolgreich. Es gibt also definitiv ein Publikum für das, was wir tun – und vor allem macht es uns großen Spaß. Mal sehen, wohin uns ein mögliches drittes Album dann führen wird.
Richie: Genau das sind die entscheidenden Faktoren: Es macht Spaß und die Leute können etwas damit anfangen. Wir setzen uns dabei aber nicht unter Druck. Sobald man versucht, Erwartungen zu erfüllen, verliert man schnell etwas von der eigenen künstlerischen Freiheit. Am besten ist es, einer Inspiration einfach zu folgen. In dem Moment, in dem man das tut, fühlt sich das bereits wie Erfolg an. Was man anschließend daraus macht – ob man die Musik für sich behält oder mit der Welt teilt –, ist eine ganz andere Frage und hat mit dem eigentlichen kreativen Prozess wenig zu tun.
Gibt es außerdem zukünftige Pläne mit euren Hauptbands, etwa mit Iron Maiden oder den Winery Dogs?
Adrian: Ja, mit Iron Maiden gehen wir 2026 auf eine große Tour, die sich bis zum Jahresende ziehen wird. Steve Harris ist dabei ganz klar der Motor der Band. Und solange er diese Energie hat, wird es Iron Maiden auch geben. Gerade, wenn wir in Deutschland sind, spielt Steve oft noch 90 Minuten Fußball und steht anschließend auf der Bühne. Er ist wirklich eine absolute Maschine.
Steve Harris ist dabei ganz klar der Motor der Band. Und solange er diese Energie hat, wird es Iron Maiden auch geben.
Richie: Bei mir gibt es momentan keine konkreten Pläne. Ich lebe eher im Augenblick – das, womit ich mich gerade beschäftige, bekommt immer meine volle Aufmerksamkeit. Ich lasse die Dinge lieber organisch entstehen und schaue, wohin sie sich ganz natürlich entwickeln.
Adrian und Richie, danke für das nette und informative Interview!
Sämtliche Tourdates findet ihr auf: https://www.smithkotzen.com