Celemony setzt bei Tonalic auf ein zweistufiges Abo-Modell: Tonalic Arranger bildet die Basisversion und bietet alle Instrumente sowie die grundlegenden Funktionen zum Einbinden und Arrangieren. Tonalic Studio richtet sich an Anwender mit höheren Ansprüchen und erweitert den Funktionsumfang um detaillierte Eingriffe bis hin zur Bearbeitung einzelner Noten. Ein Upgrade von Tonalic Arranger auf Tonalic Studio ist jederzeit möglich.

- Amtliche Takes prominenter Studiomusiker
- Riesige Auswahl bei Gitarren, Bässen und Drums
- Effektive Audio-Bearbeitung
- Simples Handling
- Voice Leading
- Faire Abo-Preise
- Instrument/Sound-Auswahl limitiert
- Wenig Inspiration

Celemony ist vor allem für seine herausragende Audio-Bearbeitungssoftware Melodyne bekannt. In Studios weltweit gehört das Tool längst zum Alltag: Intonation, Timing und Performance von Vocals oder akustischen Instrumenten lassen sich in kürzester Zeit präzise korrigieren. Audio-Takes werden dazu in einer Pianorollen-Ansicht dargestellt und können frei, elastisch und sogar polyphon bearbeitet werden – kreativ, musikalisch und mit stets natürlichem Gesamtklang. Der Celemony Melodyne 5 Essential Workshop zeigt zudem, dass auch Einsteiger schnell zu hörbaren Ergebnissen kommen.
Nun schlägt der Münchner Softwarehersteller ein neues Kapitel auf: Tonalic greift die DNA von Melodyne auf und stellt Performances echter Studiomusiker in einer umfangreichen Bibliothek mit über 7.000 Einspielungen bereit. Diese passen sich automatisch an Akkordwechsel, Tempo und Groove des Songs in der DAW an – ähnlich, als würde man mit realen Musikern im Studio arbeiten.
Weder KI noch MIDI oder klassische Loops: Auf den ersten Blick erinnert Tonalic zwar an Tools wie EZdrummer, EZbass, NI Session Guitarist/Bassist oder die virtuellen Player von uJAM. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch schnell klar, dass sich Tonalic konzeptionell wie klanglich deutlich davon absetzt – und gerade dadurch besonders organisch und musikalisch wirkt.
Zwei Abo-Modelle: Tonalic Arranger und Tonalic Studio
Wir haben für euch die Studioversion Tonalic Studio als AU-Plugin in Apple Logic Pro probiert. Manche DAWs wie Studio One 7.2.3 oder Fender Studio Pro bieten auch ARA-Support. Darüber hinaus gibt es übrigens auch eine Stand-alone-Version, die hauptsächlich fürs Vorhören und einfache Hilfsaufgaben gedacht ist.
DETAILS & PRAXIS
Von Explore über Search bis zum Set: die Basics von Celemony Tonalic
Der dunkle Look des skalierbaren GUIs und die zahlreichen Fotos von Künstlern und Instrumenten sind seriös und geschmackvoll inszeniert. Die Oberfläche ist klar strukturiert – gerade „Explore“ oder die unten platzierte „Timeline“ zum Arrangieren erklären sich fast schon von selbst. Im „Explore“-Bereich könnt ihr logischerweise alle Instrumente, Patterns, Tools auch Tutorials entdecken – für den ersten Kontakt mit der Arranger-Software nur zu empfehlen.
Im Bereich „Search“ sucht man nach Studio-Einspielungen. Hier kostet ihr am besten den praktischen Suchfilter aus, dank dem ihr die Phrasen gezielt nach Instrument, Genre, Rhythmik, Dichte oder Charakter filtert. Musikerfreundlich ist die Preview-Funktion: Hier könnt ihr jede angewählte Performance zusammen mit anderen Instrumenten und in einer Akkordfolge aus vier Chords vorhören. Tipp: Bei der schieren Menge an Audio-Takes solltet ihr euch gleich eure Favoriten markieren. Sie landen automatisch im Bereich „Bookmark“ – das schafft Übersicht.

Die Tonalic-Seite „Set“ hilft beim Organisieren von Performances – sortiert nach den üblichen Formteilen inklusive der Klassiker Intro und Ending. Wer für seine Produktion keine einzelnen Takes herauspickt, sondern komplette Songs arrangieren möchte, ist hier richtig. Das Refine und weitere Extras gibt’s in Tonalic Arranger übrigens nicht.

Tonalic Studio – was bringt die erweiterte Version?
Für einen moderaten Aufpreis bekommt man bei Tonalic Studio einige Zusatzfunktionen, die sich durchaus lohnen. Das Highlight darunter ist eindeutig das Refine – die musikalische Bearbeitung von Pitch, Timing und Lautstärke einzelner Noten. Wer besonders ambitioniert ist, ändert gleich die originale Einspielung komplett ab und kreiert so eigene Begleitphrasen mit ganz neuem Feeling. Selbst nach massiver Editierung klingt das Ganze noch organisch – so, wie man es von Celemony Melodyne kennt und schätzt. Raffiniert arbeitet auch das Voice Leading, das für fließende Übergänge zwischen den einzelnen Akkorden sorgt.

Die erweiterte Klangformung, zu der etwa die separate Kontrolle einzelner Drum-Elemente oder die Platzierung einzelner Parts im Mix zählen, verdeutlicht noch einmal den praktischen Mehrwert von Tonalic Studio. Allein die Parameter Drive, Ambience und Effect arbeiten schon äußerst effizient und machen weitere FX-Plugins oft überflüssig. Im Grunde profitieren also fast alle User von der erweiterten Version.

Welche instrumentale Einspielungen enthält die Library?
Die Library ist der zentrale Bestandteil beider Tonalic-Versionen. Sie besteht aus über 7.000 Tonalics, wie Celemony die Audio-Takes nennt. Dafür hat Celemony über 30 Session-Musiker engagiert – darunter viele große Namen aus der Branche. Talentierte, „unverbrauchte“ Nachwuchskünstler hatten leider keine Chance.
Unter den 7.000 Tonalics befinden sich Instrumentengruppen die Bass, Guitar, Drums und Percussion – in etlichen Instrument- und Spielvarianten, Funktionen und Genres. Den Löwenanteil haben die Gitarren. Bei der Suche nach „Guitar“ spuckt die Library nicht weniger als 4.115 Ergebnisse aus. Kombiniert man die Suchbegriffe „Guitar“ und „Pop“, sind es immer noch 1.286 Performances mit Akustik- und E-Gitarren, Banjos oder Ukulelen.

Anders formuliert: Das Angebot von Celemony Tonalic ist mehr als üppig und man benötigt schon ein bisschen Zeit, bis man im Bilde ist und die besten Performances für den eigenen Songs gefunden hat. Die Library zu durchstöbern, bereitet aber pure Freude – sie zeigt sich spielerisch und bewegt sich klanglich auf einem ziemlich hohen Niveau. Die Bässe nimmt man gern mit, für Drums und Percussion allein wird man sich die neue Software von Celemony eher nicht holen.

Hier ein kleiner Ausschnitt. So klingen die Tonalics mit einer simplen Akkordfolge:
Lässt sich mit Celemony Tonalics einfach arrangieren?
Grundsätzlich fällt die Bedienung von Tonalic einfach aus. Wer es aber darauf anlegt, kann es auch kompliziert haben und sich in den Details verlieren. Im Tonalic Helpcenter gibt es derzeit kein PDF-Manual. Celemony setzt dafür auf zahlreiche Video-Tutorials. Eigentlich kommt man aber auch gut in Eigenregie klar und hat relativ bald seine eigene Arbeitsweise gefunden: Einspielung aussuchen, per Preview-Funktion im Bandkontext checken, auf die Timeline ziehen, beliebige Chords auf der Akkordspur wählen oder ein MIDI-File einfügen – dahinter steckt ein simples Prinzip, das viele Tonalic-User glücklich stimmen wird.

Kleiner Tipp: Auch wenn die Tonalics sehr audio-elastisch sind, sollte man jeweils aufs originale Tempo achten und möglichst nah dranbleiben. Eine Slow Guitar klingt bei diesem Plugin zwar bei 180 bpm noch erstaunlich gut, wirkt aber spielerisch wenig authentisch.
Zudem kann und sollte man ruhig mehrere Instanzen von Tonalic in der DAW öffnen. Drums, Bass und Guitar auf drei einzelnen Spuren – das macht Sinn.
Wie detailliert kann man die Audio-Einspielungen bearbeiten?
Tonalics Studio öffnet mit den „Refine Controls“ die Türen zur freien Nachbearbeitung. Ähnlich wie bei Melodyne bekommt ihr auch eine Pianorolle auf den Schirm, die alle Noten übersichtlich darstellt. Die einzelnen Töne lassen sich in Pitch, Timing und Amplitude bearbeiten.
Fast schon magisch zeigt sich das Voice Leading. Normalerweise sorgt die Funktion für eine musikalisch sinnvolle Stimmführung und verhindert so unnatürliche Akkordsprünge. Mit ein bisschen Fantasie erzeugt sie in Kürze aber auch schräg invertierte Chords – das macht Spaß! Praktisch wäre noch ein Stift-Tool zum Einzeichnen beliebiger Noten.

Auch fürs Mixing lassen sich die meisten Tonalics einfach, aber effektiv per Drive und Ambience bearbeiten.
Für wen rentiert sich das Abo von Celemony?
Tonalic ist ganz klar ein Spezialist und kein Allrounder für die Musikproduktion. In der jetzigen Version richtet sich das Plugin an User, die im Homestudio ausdrücklich traditionelle oder „akustische“ Musik produzieren und keine hochkarätigen Musiker oder eine Liveband vor dem Mikrofon haben. Als sehr effizient erweist sich die Library für das Songwriting, für Acoustic Pop, Jazz, Rock Blues oder auch Latin – Musikstile, die es meist schon vor den 80er-Jahren gab.
Das Tonalics-Material ist fürs klassisches Handwerk ideal – Innovation klingt allerdings ein bisschen anders. Für das Wow-Erlebnis fehlen uns noch viele weitere Sounds. Die Wunschliste ist sogar ziemlich lang: Vocals und Chöre, Pianos und E-Pianos, Orgeln und weitere Tasteninstrumente, Streicher, Sax & Brass und auch historische oder exotische Instrumente würden musikalisch inspirieren. In der realen Welt gibt es eindeutig mehr zum Stöbern. Für Producer, die sich auf hippe Ideen bringen lassen wollen, ist Tonalic nicht die coolste Wahl.
Gibt es Alternativen zu Celemony Tonalic?
Im Grunde gibt es keine Eins-zu-eins-Alternative: Tonalic performt vor allem bei Gitarren und Bässen sehr authentisch – mit herkömmlichen MIDI-Phrasen oder Audio-Loops ist da nichts zu holen. Wer sich für eine Software wie Tonalic interessiert, sollte daher auch verschiedene Mitspieler im Blick behalten – das gilt vor allem für Musiker, die Produkte lieber einmal kaufen als sich auf ein monatliches oder jährliches Abo einzulassen.
Ein Rundum-Blick lohnt sich vor allem bei Toontrack, uJam und Native Instruments. Toontrack hat sich vor allem mit den Serien EZdrummer, EZbass und EZkeys etabliert – klanglich sind die auch gut, doch kommen sie nicht an Tonalic heran. Bei uJam gibt es mehrere virtuelle Drummer, Bassisten und Gitarristen, die Tonalic in Sachen Audio-Qualität und Flexibilität aber ebenfalls nicht das Wasser reichen können. Auch bei Native Instruments Session Gitarrist und Session Bassist vermisst man die natürliche Dynamik von Celemony Tonalic.
Wer schließlich eine traditionelle Begleitautomatik haben möchte, arrangiert mit Band-in-a-Box im Rechner wahrscheinlich immer noch am besten. Letztlich sind all diese Arranger-Tools mehr als sinnvolle Ergänzung, denn als Tonalic-Ersatz zu verstehen. Man kann ihre Sounds auch so einfach per MIDI-Keyboard anspielen – das bietet Celemony nicht.
FAZIT: Celemony Tonalic Test
Celemony Tonalic hätte gern schon ein paar Jahre früher erscheinen können. Immerhin ist die neuartige Arranger-Software in der Studioversion so gut und individuell, dass man sich als Producer auch im beginnenden KI-Zeitalter dafür begeistern kann. Das Handling ist relativ einfach, die klanglichen Resultate erstaunlich natürlich und die Abo-Preise fair. Bei technischen Fragen hilft das kompetente Support-Team schnell weiter – ein weiterer Pluspunkt.
Es gibt ein Aber: Aktuell konzentriert sich die Library zu stark auf Drums, Percussion, Bass und Gitarre. Ergo, die Software ist partout nichts für jeden Producer – es sei denn, man möchte seine Songs oder elektronischen Tracks als Acoustic Version veröffentlichen.
Insgesamt kann man Celemony zu dieser Premiere gratulieren und gleichzeitig hoffen, dass Tonalic durch weitere inspirierende Sounds und Instrumente schon bald mehr Farbe bekommt und viele Fans gewinnt.
Features
- Arranger-Software als Abo-Modell
- Zwei verschiedene Versionen: Arranger und Studio
- DNA von Celemony Melodyne
- Gitarre, Bass, Drums, Percussion
- Über 7.000 Performances von 30 Studiomusikern
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 10, Mac OS 12.0, Online-Aktivierung, VST3, AU, AAX, ARA-Unterstützung bei Studio One Pro 7.2.3 oder Fender Studio Pro 8
- WEBSEITE: tonalic.com
- PREISE: (Straßenpreise vom 29.01.2026)
- 19,90 Euro für Celemony Tonalic Arranger 1 Month,
- 29,90 Euro für Celemony Tonalic Studio 1 Month
- 195 Euro für Celemony Tonalic Arranger 1 Year
- 289 Euro für Celemony Tonalic Studio 1 Year























