Studio One war einmal. Seit Fender Presonus übernommen hat, gab es bisher eher verhaltene Eingriffe in die DAW, etwa bei Preis und Update-Politik. Jetzt nimmt der Gitarren-Riese jedoch deutlichere Veränderungen vor und drückt neuen Produkten seinen Stempel auf. Betroffen ist zum Beispiel die Hardware – die neuen Interfaces der Quantum-Reihe tragen bereits den Namen Fender. Und jetzt trifft es auch Studio One: die Musiksoftware heißt ab sofort Fender Studio Pro!

- Channel-Overview
- Mustang und Rumble bieten riesige Ausstattung
- Audio-to-MIDI Konvertierung
- Studio Verb klingt sehr gut
- Arrangement-Übersicht
- Bei jedem Hochfahren Anmeldung nötig

Was das mittel- und langfristig für die inhaltliche Ausrichtung der DAW bedeutet, bleibt abzuwarten. In Sachen Feature-Set, Content und Marketing adressierte Studio One schon immer verschiedenste Musiker, Produzenten und Engineers – und setzte keine Genre-Grenzen. Ob das zukünftig so bleibt, steht in den Sternen. Was Fender Studio Pro 8 bereits jetzt alles zu bieten hat, erfahrt ihr hier!
DETAILS & PRAXIS
Jam Now lädt zum schnellen Improvisieren ein
Auf dem Weg zum Arrangement-Fenster begegnet man bereits dem ersten neuen Feature von Studio Pro 8: Die Templates der DAW wurden offensichtlich erweitert. Unter „Jetzt jammen“ könnt ihr zahlreiche Instrumental-Tracks vorhören und diese dann per Doppelklick in ein Jam-Arrangement umwandeln – eine Funktion, die auch die iOS-App Fender Studio: Jam & Record bietet.

Das Besondere an Studio Pro 8 ist allerdings, dass der Jam-Track nicht als Stereo-Mix, sondern als Multitrack im Arrangement erscheint. Dadurch könnt ihr Spuren und musikalische Elemente deaktivieren und bearbeiten.

Außerdem benennt Studio Pro 8 Events und Spurbedienelemente entsprechend und erstellt eine passende Spur für das Soloinstrument – so, wie es schon beim Template „Jetzt spielen“ in der Vorgängerversion war. Außerdem nutzen die Jam-Tracks auch den Akkord- und Arranger-Track – zwei Features, dank denen ihr schnell Veränderungen an Harmonik und Ablauf vornehmen könnt.
Die Tracks klingen ordentlich und eignen sich durchaus, um schnell zu improvisieren. Als Beispiel könnt ihr euch hier ein paar davon anhören.
Arrangement-Overview mit neuen Design
Das Interface wurde grafisch modernisiert, was mir so auch deutlich besser gefällt als bei Studio One 7. Einige Schaltflächenbeschriftungen mussten schlichten Symbolen weichen und auch die Transport-Bar wurde auf Vordermann gebracht. Außerdem hat man ein paar Kleinigkeiten ergänzt.

So könnt ihr im Inspektor jetzt sowohl das Event-Tab als auch den Kanal-Fader ein- und ausblenden, was sich besonders auf kleinen Displays als wertvoll erweisen dürfte. Außerdem lassen sich die Elemente, die im Spurbedienelement angezeigt werden, konfigurieren – erfreulicherweise gehören nun auch ein Pan-Regler und der neue Freeze-Button dazu.
Ebenfalls neu ist die Arrangement-Overview, die man auch aus Tracktion Waveform kennt. Dank des einblendbaren Mini-Displays könnt ihr in Fender Studio Pro 8 nun auch eine Art Vogelperspektive über die gesamte Produktion einnehmen. Auf den Anzeigebereich nimmt man praktischerweise direkt auf dem Overview-Display per Maus Einfluss.
Der weiße Rahmen verdeutlicht, welcher Bereich und wie viele Spuren im Arrangement-Fenster angezeigt werden. Ihr könnt den Rahmen auf beiden Ebenen vergrößern oder verkleinern, wodurch er auch als intuitives Zoom-Tool dient.
Kanalübersicht ermöglicht FX-Workflow
Das erste neue Feature, das sich massiv auf den Workflow der DAW auswirken dürfte, ist die Channel-Overview. Es fungiert wie in Ableton Live als horizontaler Channel-Strip, in dem die Effekte einer Spur nebeneinander in Slots angezeigt werden. Dort könnt ihr die FX-Parameter in einer Art Mini-Ansicht direkt verändern, ohne dass ihr das jeweilige Plugin im Mixer per Doppelklick öffnen müsst.

Alle in Studio Pro enthaltenen Effekte wurden für die Kanalübersicht natürlich schon entsprechend gemappt. Im Test hat es aber auch reibungslos mit Drittanbieter-Plugins funktioniert, deren Parameter zusätzlich frei konfigurierbar sind und als Regler oder Schalter angezeigt werden können. Ganz selten gibt es mal einen Darstellungsfehler bei der Parameterbeschriftung solcher Effekte, was an der frühen Version der Testsoftware liegen kann. Ob sich grafische Probleme im Zusammenhang mit der Channel-Overview und Drittanbieter-Plugins gänzlich vermeiden lassen, wage ich aber zu bezweifeln. Das kann wahrscheinlich kein Hersteller gewährleisten, auch nicht Fender.
Nicht nur gut für Gitarristen: Zwei Amp-Simulationen
Ebenfalls neu in Studio Pro 8 sind zwei Amp-Simulationen. Mustang Native ist für Gitarren zuständig, während hinter Rumble Native ein virtueller Bass-Amp steckt. Beide Plugins sehen der Software der Multi-Effekt-Workstation Tone Master Pro nicht nur zum Verwechseln ähnlich – sie bieten auch den gleichen Workflow.
Die beiden Amp-Modeler beinhalten virtuelle Verstärker und Effektmodule in Form von Gitarren-Pedalen, die ihr endlos kombinieren und zusammenstellen könnt – natürlich mit flexiblem Routing. Per Klick auf ein Modul aktiviert ihr den optischen Zoom, sodass ihr die Parameter leichter erkennt und einstellen könnt.

39 Gitarren- und 20 Bass-Tops und Verstärker sorgen für reichlich Auswahl. Darunter befinden sich Klassiker von Fender, Marshall, Vox, Orange und vielen anderen Herstellern. Noch mehr Kreativität ermöglichen die zusätzlichen 73 FX-Module (bei Rumble sind es „nur“ 70) aus den Kategorien Stompbox, Modulation, Delay, Reverb, Dynamics + EQ und Filter + Pitch.
So klingt die Fender DAW
Zeit, sich einen klanglichen Eindruck zu verschaffen. Dazu hören wir jeweils zuerst das DI-Signal der Gitarre, im Anschluss die Version mit Amp-Simulation. Wir starten mit einem saftigen Metal-Lick, das ohne Plugin natürlich harmlos, mit dem emulierten EVH-Top dann aber absolut brachial klingt. Mehr in Richtung Classic-Rock geht es mit der zweiten Gitarre und einer Verstärkerrekreation, für die höchstwahrscheinlich Mesa Boogie Modell gestanden hat.
Wesentlich sanfter klingt Gitarre drei, die außer einer JC-40-Combo für ihren butterweichen Sound Flanger statt Chorus verwendet. Die vierte Gitarre läuft durch eine Emulation eines klassischen Fender-Amps, wird aber durch eine Stompbox verzerrt und anschließend durch ein Echoplex-Pedal geschleift. Gitarre fünf nutzt für ihren sensationellen Sound ebenfalls einen Verstärker von Fender und fünf weitere Pedale.
Und auch die ersten beiden Bässe greifen bei der Amp-Wahl auf Fender zu, durch die die elektrischen Instrumente plötzlich ein ganz anderes Klangbild zeigen und äußerst kräftig zubeißen. Die darauffolgenden Beispiele nutzen dagegen lediglich zwei unterschiedliche Preamps und deuten den Wert von Mustang und Rumble als Mixing-Tools an. Der Synth-Bass wirkt durch das Plugin besonders in den Höhen präsenter und durchsetzungsfähiger, trotz des Reverbs aber auch schlanker. Zum Schluss verleihen wir der fetten 808 mit Rumble genügend Charakter und Verzerrung, um auch über kleinere Lautsprecher gut gehört zu werden.
Ob mit oder ohne die virtuellen Amps – Mustang und Rumble funktionieren als Multieffekte auch auf jedem anderen Signal, von Vocals bis hin zu Lead-Synths. Das wertet Studio Pro 8 effektseitig enorm auf. Was Vielfalt und Klangqualität anbelangt, liegen wir mit den neuen Amp-Simulationen so oder so deutlich über dem DAW-Durchschnitt.
Abseits der beiden Plugins könnt ihr bei Studio Pro 8 zusätzlich zwei weitere Fender-Produkte nahtlose integrieren. Zum einen besteht die Möglichkeit des barrierefreien Austauschs von Daten zwischen der DAW und der bereits erwähnten App Fender Studio: Jam & Record. Zum anderen könnt ihr Presets zwischen Studio Pro 8 und Tone Master Pro tauschen.
Wie gut ist die Audio-to-Note Conversion?
Die Konvertierung von Audiosignalen in MIDI-Informationen hat einen weiten Weg hinter sich. Die Qualität ist besonders bei komplexen Signalen nach wie vor stark vom Ausgangsmaterial abhängig. Dabei reicht oft schon viel Hall, um den Vorgang zu behindern. Fender Studio Pro 8 nutzt für die neue Signalanalyse daher zeitgemäß AI-Power.
Der Konvertierungsvorgang innerhalb der DAW ist denkbar einfach: Ihr müsst lediglich ein Audio-Event auf eine Instrumentenspur ziehen und schon wird der darin verborgene musikalische Content als MIDI-Datei dargestellt. Die Software unterscheidet dabei zwei grundlegende Vorgehensweisen. Sie extrahiert tonale und perkussive Informationen, also MIDI-Informationen für Instrumente oder Drums.

Wir stellen das Feature auf die Probe und beginnen mit dem Drum-Loop eines Acoustic-Sets. Hier ist das Ergebnis absolut zufriedenstellend. Es fehlen zwar ein paar Hi-Hats, aber das ist zu verschmerzen. Beim folgenden Urban-Loop erinnert das Extrakt allerdings nicht im Geringsten an das Original. Es sind nur einzelne Drum-Hits zu hören, der Beat oder Groove fehlt komplett.
Weiter geht es mit einem Klavier mit recht viel Hall. Den ersten Teil schafft Studio Pro überzeugend, im zweiten Teil fehlen dann aber recht viele Noten und es sind auch ein paar falsche Töne hörbar. Beim folgenden Synthesizer ist das Ergebnis ebenfalls ziemlich gut, bei der Konvertierung haben sich allerdings einige Oktavierungen eingeschlichen, die man nachträglich bearbeiten müsste. Noch größer ist die Herausforderung beim Gitarren-Loop, da dieser recht viel Delay aufweist. Diese Aufgabe meistert die AI vorbildlich. Auch hier ist das Ergebnis in Ordnung und entspricht größtenteils dem Original.
Zusammenfassend kann man sagen, dass bei der Umwandlung von Audio in MIDI noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, auch nicht bei Studio Pro 8. Insgesamt sind die Ergebnisse zufriedenstellend, kommen aber nicht ohne Bearbeitung aus. Bei komplexeren Vorlagen wie einem kompletten Song kommt dann die Stem-Separation ins Spiel. Die gibt’s bei Studio Pro 8 ja schon seit der letzten Version. Damit lassen sich die musikalischen Elemente trennen und schließlich separat in MIDI-Dateien umwandeln.
Hall-Plugins kann man nie genug haben, oder?
Auch im Bereich Hall legt Fender nach und erweitert die DAW um Studio Verb, eine Raumsimulation für realistische Reflektionen und Hallfahnen – und das insgesamt vierte Reverb-Plugin der DAW. Parameter und Workflow laufen ziemlich geradeaus, die maximale Nachhallzeit von 60 Sekunden und die Ping-Funktion stechen allerdings hervor.

Dank der Ping-Funktion könnt ihr den ausgewählten Raum vorhören. Dazu wird ein kurzes Breitbandgeräusch durch das Plugin geschickt, wodurch Einstellungen akustisch getestet werden, noch bevor ein anderes Signal das Plugin durchläuft. Der umfangreiche Frequenzbereich des Pings macht den Charakter des ausgewählten Raums deutlich und erleichtert so die Auswahl.
Das Plugin ist recht vielseitig, eignet sich aber besonders für musikalische Effekte und Räume, die ein Instrument klanglich verbessern. Deutlich hört ihr beim Synth-Loop im ersten Beispiel: Er klingt trocken nicht wirklich gut, durch das Default-Preset von Studio Verb dann aber sensationell. Das Instrument erhält durch das Plugin einen metallischen Klang, der sehr gut zum Loop passt.
Die erste Gitarre nutzt das Preset „Jazz Club“, das einen natürlichen und realistischen Raum authentisch nachbildet. Kreativer wird es bei Gitarre zwei, die ein Preset aus der Kategorie „Creative Spaces“ nutzt und stark vom Shimmer-Reverb profitiert. Genau wie Gitarre drei, bei der Studio Verb quasi zum Sounddesign-Tool wird und eine butterweiche Ambient-Atmosphäre zaubert. Zum Schluss platzieren wird einen weiteren Synthesizer in den berühmten Mailänder Dom.
Der Chord Assistant bekommt AI-Unterstützung
Abschließend begegnen wir noch einmal dem Thema AI, denn auch die Akkordauswahl profitiert jetzt davon. Erweitert wird das bereits bekannte Feature um harmonische Vorschläge, die von künstlicher Intelligenz kuratiert werden. Je heller die Schaltfläche eingefärbt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Harmonien klanglich tatsächlich zusammenpassen.

FAZIT – Fender Studio Pro 8 Test
Fender Studio Pro 8 bietet durchaus gute Features und Workflow-Verbesserungen. Wie ein Major-Update fühlt sich das Ganze aber nicht so richtig an, eher wie etwas, das mal Studio One 7.5 werden sollte. Wirklich schmackhaft wird den Usern der Branding-Wechsel damit nur bedingt gemacht.
Die beiden Amp-Simulationen klingen gut, erweitern Studio Pro enorm und waren ehrlich gesagt auch längst fällig. Presonus hatte dieses Thema nämlich eher stiefmütterlich behandelt – vermutlich weil längst klar war, was Fender in diesem Bereich plant. Die Channel-Overview funktioniert auch mit Drittanbieter-Plugins und setzt nun endlich auf den Ableton-inspirierten Umgang mit Effekten, ohne Plugins ständig öffnen zu müssen. Audio-to-MIDI bekommt eine 3+, wird in Zukunft aber hoffentlich noch besser. Warum die DAW ein viertes Hall-Plugin gebraucht hat, erschließt sich mir nicht. Da hätte es deutlich spannendere Optionen gegeben, besonders da Mustang und Rumble nochmal 14 Reverb-Pedale beinhalten. Aber wenigstens ist der Klang von Studio Verb gut und der Spaßfaktor hoch.
Was Stabilität und Performance anbelangt, gab es im Test keine Probleme. Auch ältere Arrangements ließen sich einwandfrei öffnen und ohne Probleme abspielen. Allerdings habe ich auch gerade erst Windows 11 komplett neu aufgesetzt und mein Babyface macht sowieso nie Probleme. Irritierend ist hingegen, dass ein in Studio Pro 8 erstelltes Arrangement nach Doppelklick plötzlich in Studio One 7 geöffnet werden möchte, was natürlich nicht funktioniert. Und dass ich mich bei jedem Hochfahren der Software anmelden muss, ist hoffentlich auch nur ein Bug, der bald verschwindet.
Der Weg in Richtung beatbasierte und elektronische Musik, den Studio One 7 mit Features wie Clip-Launcher, Stem-Separation oder Splice-Integration gerade erst eingeschlagen hatte, scheint vorerst gestoppt. Bleibt also nur die Frage: Quo vadis, Fender Studio Pro 8?























