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Vintage Synth: Korg MS10

Mehr als nur ein kleiner Bruder!

Der Korg MS-10 ist ein einfacher, monophoner Synthesizer aus den guten alten Zeiten, in denen elektronische Instrumente oftmals mehr an den Physik- als den Musikunterricht erinnerten. Von der japanischen Firma Korg im Jahr 1978 als portables Budget-Modell vorgestellt, ist er wegen seines präsenten "dirty sounds" und seiner Mini-Modular-Optik schnell zu großem Ruhm gekommen. Und das zu Recht, wie (bestimmt nicht nur) wir finden!

Video: Der MS10 in Aktion

Oszillator
Der MS-10 verfügt über einen Oszillator mit Dreicks-, Sägezahn- und Pulswelle. Er kann wahlweise auch als Rauschgenerator mit weißem Rauschen eingesetzt werden. Über das Patchfeld und den External In kann Rauschen sogar gleichzeitig dem Oszillator beigemischt werden – dort auch pinkes Rauschen.

Filter
Das 12dB Resonanz-Lowpass-Filter des MS-10 ist berühmt für seinen druckvollen, schmutzigen Klang. Es klingt "fett" und reagiert feiner als beispielsweise ein 24dB Filter. Im Vergleich zu vielen anderen Synths mit 24dBFilter, bleiben hier aufgrund der Filterschaltung die tieffrequenten Anteile eines Signals bei Einsatz von viel Filterresonanz besser erhalten.

Das Filter verfügt über einen Eingang für externes Audiomaterial.

Hüllkurven
Es steht nur ein Hüllkurvengenerator bereit, den sich VCA und Filter teilen. Mittels Patchbay kann die Hüllkurve zur Modulation verschiedener Ziele wie Pulsbreite, Filtereckfrequenz oder Pitch eingesetzt werden. 

Modulation (LFO)
Das gleiche gilt für den LFO, der über Puls-, Dreiecks- oder Sägezahnwelle verfügt. Die Patchbay bietet außerdem die Möglichkeit, einen Rauschgenerator als Modulationsquelle einzusetzen (ohne dass der Rauschgenerator der VCO-Sektion aktiviert sein muss!). Hier steht weißes und rosa Rauschen zur Verfügung.

In der Mischsektion stellt man ein Verhältnis zwischen "EG" (Envelope) und "EXT" (Extern) ein, so bringt man z.B. die Filterbankfunktion für externes Audio ans Laufen – und bestimmt wie stark der Envelope oder LFO ("MG") die jeweiligen Parameter beeinflusst.

Steueranschlüsse: Die Patchbay
Wie bei einem Modulsynthesizer kann man beim MS10 in den Signalfluss eingreifen: von Oszillator über Filter bis hin zum externen Audioeingang finden sich hier alle Anschlüsse. Auch den LFO muss man hier patchen, um an die entsprechenden Ziele eine Modulation zu "schicken".

Im rechten Teil der Patchbay findet man neben CV/Gate Anschluss auch Trigger In/Out und Keyboard CV Out. Darüber lässt sich auch ein MIDI/CV Konverter anschliessen, der dem Synth den Weg ins MIDI-Zeitalter öffnet.

Spielhilfen
Links neben der Tastatur findet man ein Modulationsrad, das aber auch nur dann eine Funktion hat, wenn die richtigen Kabel stecken.

Fazit

Der Korg MS-10 ist ein einfacher Analog-Synthesizer, der auf den ersten Blick nicht besonders vielseitig ist.
Aber das, was er kann, das kann er richtig gut! Zum Beispiel Bässe oder schöne PWM Lead-Sounds. Synct man ihn per CV/Gate bzw. CV/Gate-MIDI-Interface mit einem Sequenzer, lassen sich dank der "bissigen" Hüllkurve hervorragend perkussive Patterns erstellen. Und auch als Filterbank für externes Audiomaterial sollte man den MS-10 nicht verachten! Im Verbund mit anderen Synths kann er dank Patchfeld dann richtig glänzen. Technisch gesehen ist er sehr zuverlässig, die Hardware unseres auf eBay gekauften Testgerätes weist auch nach 30 Lenzen noch keinen nennenswerten Verschleiß auf.

Die handliche "Knarzkiste" macht großen Spaß, das weiß nicht nur Mr. Oizo. Natürlich bietet der große Bruder MS-20 mehr Möglichkeiten, der kostet auf dem Gebrauchtmarkt aber auch fast das doppelte. Für 500 bis 600 Euro bekommt man mit dem Korg MS-10 nicht nur einen grandiosen Synth für Leads, Basslines und harte Sequence-Sounds sondern auch ein exquisites Design-Objekt!

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Autor

Ruben Seevers

Ruben Seevers arbeitet in Hamburg als Musiker und Fachjournalist und ist Keyboarder in der "Wir sind Helden" Live-Band. In seinem eigenen Projekt ONECOPIES ist er als Songwriter, Soundschrauber und Sänger aktiv. Ruben hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Synthesizer.

Audiobeispiele

Pro + Contra

  • Pro
  • Gutes Filter
  • Ext. Audio Eingang
  • Charakteristischer Klang
  • Zuverlässig und stimmstabil
  • CV/Gate Ein- und Ausgänge
  • Handlich und leicht
  • Gute Hardware Verarbeitung

  • Contra
  • Nur ein VCO
  • Nur eine Hüllkurve
  • Eingeschränkte Klangmöglicheiten
  • Kein MIDI
  • Keine Speicherplätze

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