Test

Testmarathon Aktive Nahfeldmonitore bis 1000,- EUR das Paar

12 Budget-Lautsprecher im Vergleichstest

Drum prüfe , wer sich ewig bindet!

Aktive Studionahfeldmonitore sind Regie-Lautsprecher mit eingebauten Verstärkern ("Aktiv"), die man - daher der Name "Nahfeld" (engl. Near-Field) - in der Regel nicht sehr weit vom Abhörpunkt entfernt platziert. So bleibt der Einfluss des Raumes, in dem abgehört wird, unter normalen Umständen, in einem erträglichen Maß zu dem Direktsignal des Monitors. 

Die Seitenlänge des gleichwinkligen Dreieckes, welches Stereolautsprecher und Abhörpunkt idealerweise bilden sollten, bemisst man mit rund einem Meter. Den Gegensatz, mit großen Hörentfernungen, findet man unter der Rubrik Mid- bzw. Far-Field. Doch bei diesen Varianten nimmt der Einfluss des Raumes auf den Gesamtklang erheblich zu, und dementsprechend auch die Kosten für die obligatorische, optimale Raumakustik. Dafür belohnen sie einen aber auch im Gegenzug mit einer Stereobühne und Lebendigkeit, die man bei den kleinen Arbeitstieren vergeblich sucht.

Sitzt der Taler jedoch nicht allzu locker, sind solche Träume weit von der Realität entfernt - Pragmatiker prüfen deshalb sorgfältig, wo es was für welchen Preis zu holen gibt. Dass es dabei - wie so oft - nicht auf die schön beworbenen "harten Fakten" der Umverpackung ankommt, hat auch dieser Testmarathon wieder einmal voll bestätigt.

In der Einsteigerklasse "bis EUR 1000,- das Paar Straßenpreis" haben wir deshalb für euch einmal 12 typische Vertreter dieser Zunft herausgesucht und genauer ausgecheckt, wo es was für welchen Kurs zu holen gibt. Neben umfangreichen Hörvergleichen haben wir auch einmal alle Lautsprecher durchgemessen. Mit erstaunlichen Ergebnissen! Vielen Dank an dieser Stelle an die Jungs und Mädels von Musikelectronic Geithain für die Unterstützung und Realisierung der Messungen in ihrem schalltoten Raum.

Und nun hinein ins Vergnügen!

Testmarathon Aktive Nahfeldmonitore bis 1000,- EUR das Paar - Messergebnisse

Bei den Messungen sind wir wie folgt vorgegangen: Zur Bestimmung des Übertragungsverlaufs wurde im schalltoten Raum frontal auf die akustische Achse mikrofoniert (rot) sowie einmal horizontal, seitlich versetzt um 45°, um die Richtwirkung zu untersuchen (blau). Der Abstand betrug dabei immer einen Meter. Der hierbei erreichbare Pegel interessierte uns noch nicht, deswegen liegen manche Messungen höher oder niedriger. Das hat also nichts mit der maximal erreichbaren Arbeitslautstärke zu tun.

Bei der Messung der Klirrfaktoren habe wir hingegen zusätzlich darauf geachtet, dass ein Mindestschalldruckpegel von Pa = 90 dB/1m (SPL) bei den Terzmessungen erreicht wurden. Ideal wären dabei Messwerte unter 0,5% ab 100 Hz gewesen (blau und grün), aber auch Werte unter einem Prozent sind vollkommen okay. 

Oben links in den Diagrammen findet ihr immer den entsprechenden Modellnamen, damit wisst ihr, welche Messung zu welchem Speaker gehört. Bei der schieren Menge kommt man doch schnell mal durcheinander.

Schmale und hohe Ausreißer bei der Klirrfaktorenmessung deuten meist auf Gehäuseresonanzen hin, gröbere, breite Ausreißer hingegen auf totale Verzerrung als Folge z.B. des Aktivierens der Schutzschaltungen. Das bedeutet also, das Testobjekt schafft die von uns anvisierte Referenzlautstärke Pa = 90 dB/1m (SPL) nicht. Das ist bei Heimstudioboxen sicherlich nicht allzu tragisch, da unterhalb dieses Wertes durchaus mit weniger Verzerrungen zu rechnen ist und man bei höheren Lautstärkepegeln ohnehin nur Probleme mit dem Nachbarn bekommt. Dennoch, unter "voll-professionellen" Gesichtspunkten sollte dieser Wert für einen "amtlichen" Studiomonitor ohne deutliche Verzerrungen zu schaffen sein. 

Insgesamt ist also festzustellen, dass kaum ein Speaker die, von ihm selbst beworbenen, Kennzahlen zu schaffen scheint - und, dass man sich generell viel Mühe gibt, diese Werte auch zukünftig wenig vergleichbar zu halten. Nicht, dass ich den Firmen jetzt Täuschung unterstellen möchte, dennoch ist die Auslegung einiger Messergebnisse mehr als fragwürdig und Messdiagramme, auf denen zweistellige Glättungskoeffizienten Verwendung fanden, mehr als überflüssig.

Fairerweise ist hinzuzufügen, dass es keinen einzigen, schlechten Lautsprecher im gesamten Vergleich gibt, wenn man den entsprechenden Paarpreis nicht aus den Augen verliert. Viele der günstigsten Speaker sind auf Masse kalkuliert, und die gibt es eben nur in China! Qualitätsstreuung mit einbegriffen. Jedoch haben auch die Chinesen gelernt, und so gibt es hier mittlerweile recht viel Lautsprecher für wenig Geld zu holen. Als hochwertiger und günstiger Hi-Fi-Ersatz zum direkten Anschluss an TV, Laptop, o.ä. taugen auch die günstigsten Boxen des Testmarathons allemal.

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User Kommentare

ambee schrieb:10:07 | 15.01.2012

"Aktive Studionahfeldmonitore sind Regie-Lautsprecher mit eingebauten Verstärkern"ein viel zitierter irrtum. dafür, ob ein lautsprechersystem aktiv oder passiv ist, ist die frequenzweiche entscheidend. zwar stimmt es, dass die meisten lautsprecher mit eingebauten verstärkern eine aktive frequenzweiche besitzen, jedoch gibt es einige ausnahmen. der britische hersteller PMC verbaut zB in seinen kleinen modellen mit integrierten verstärkern passive weichen, somit sind das passive lautsprechersysteme ("activated" nennt das der hersteller).im PA-bereich gibt es dagegen systeme, in denen endstufe und speaker räumlich voneinander getrennt sind, dank der aktiven weiche in der endstufe aber als aktives system zu bezeichnen sind.

Felix Klostermann schrieb:15:43 | 15.01.2012

Hallo Ambee, danke für deinen Hinweis und Ergänzungen! Historisch gesehen hast du schon recht, allerdings hat sich mittlerweile der Begriff "aktiv" vor allem für Systeme mit eigenen, eingebauten Verstärkern etabliert, so dass ich diese Formulierung gewählt habe, um nicht noch mehr Verwirrung zu stiften. :-) Beste Grüße, Felix.

Jan schrieb:15:13 | 16.01.2012

Als Produktmanager von KRK in Deutschland weiß ich sehr wohl, warum KRK keine Messdiagramme veröffentlicht. Jedenfalls für die wenigsten Modelle. Zum einen sind wir Deutschen ja besonders papier- und zahlengläubig. Aus irgendeinem Grund sind die Tontechniker in weißen Kitteln vom Radio etc. ganz wild auf Diagramme, wenn es um das Pflichtenheft und die Investitionsentscheidung geht (provokantes Bild, das heute so nur noch in einigen Köpfen steckt). Zum andern ist es wirklich so: Da wird gemessen und nochmals gemessen und dann noch an den Parametern der Darstellung geschraubt, bis ein Bild dem entspricht, was der betreffende Hersteller für positiv hält.Da möchte ich doch ausdrücklich alle Menschen auffordern, bei dem Kauf von Lautsprechern nicht ihren Augen sondern ihren Ohren zu vertrauen. Dafür werde Lautsprecher ja auch gebaut.Sicherlich stimmt es, dass teure Monitore auch qualitativ in der Tendenz besser sein können. Aber manche Box hat einen stolzen Preis und die Qualität liegt eher im Marketing. Auf der anderen Seite gibt es auch günstige Monitore, bei denen man sich wundern muss, wie die so gute und zuverlässige Tools im Studio sein können.Und dann ist auf jeden Fall noch zu sagen: China ist die verlängerte Werkbank der ganzen Welt und so ziemlich jeden Herstellers von Lautsprechern. Aber auch die Chinesen können ordentliche Qualität liefern. Vorurteile helfen nicht beim Kauf!Hört hin und überlegt euch, was ihr hören wollt und was nicht. Und eines ist bei Studiomonitoren eh klar: Nicht schönen bitte!

Joe schrieb:11:48 | 18.01.2012

Gerne hätte ich die KRK VXT6 in diesem Test gesehen, da sie eher im Preisbereich der Genelec 8040 und der Dynaudio BM5a liegt.

Stefan Geidel schrieb:08:12 | 09.02.2012

Danke für den tollen Artikel. Schade, dass beispielsweise von Yamaha nur die HS-Serie und nicht die MSP-Serie getestet wurde... Bei einer Preisspanne von 250,-€ bis 1000,-€ pro Paar entsteht so ein Äpfel-Birnen-Vergleich!Vorschlag für´s nächste Mal:3 Kategorien machen (bis 500€; 500€ - 750€; 750€ - 1000€) oder von jeder Marke die besten Speaker bis 1000 €.

Felix Klostermann schrieb:14:15 | 09.02.2012

Hallo und vielen dank für die Vorschläge! In der Tat gibt es noch immer eine Menge Lautsprecher da draußen, die wir noch nicht untersucht haben... Was aber nicht heißt, dass wir das nicht noch tun werden :-) Kurz zur Vergleichbarkeit der einzelnen Ergebnisse: Ich habe mich bewusst gegen einen allzu engen preislichen Rahmen entschieden, um so möglichst viele Produkte von VERSCHIEDENEN Herstellern zusammenzutragen, die in etwa das gleiche Volumen/Gewicht, Treibergröße bzw. Leistungsklasse haben.

Charles schrieb:11:51 | 16.02.2012

Ich hätte auch gerne die KRK VXT 6 / 8 in diesem test gesehen!

Autor

Felix Klostermann

Felix Klostermann ist Diplom-Wirtschaftsingenieur für Elektro- und Informationstechnik. Sein Steckenpferd ist die elektronische Musik – sowohl als Mix Engineer im Studio als auch am FOH-Platz.

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