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Test
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22.11.2012
Test

Pioneer CDJ-2000 Nexus Test

DJ Multiplayer

Des DJs wildester Traum?

Pioneers CDJ-2000 geht in die nächste Runde – mit bewährten Features und spannenden Neuerungen. Dazu zählen automatische Beat-Synchronisation kompatibler Geräte, Slip-Looping, eine Tonart-Hilfestellung, Quantisierung von Hotcues, Cover Art, Track-Rating oder auch HID- und MIDI-Support für DJ-Programme von Drittherstellern. Doch der Japaner kann noch mehr. Zum Beispiel Audiostreams von mobilen Devices unter Android und iOS abspielen und mit dem Rest der Truppe im Gleichschritt marschieren lassen oder von Pioneers Software Rekordbox analysierte Daten auf einen USB-Stick schreiben und mit Cover-Art, ID3-Tags, zoombaren Wellenformen und Beatgrid auf sein Display zaubern.

Kommt nun nach dem vermeintlichen Aus für die Schallplatte etwa der Untergang für die CD oder gar das Ende des DJ-Laptops? Soweit würde ich vielleicht nicht gehen wollen, jedoch zeigte der Tabletop-Bolide im Schnellcheck letzte Woche, dass er nicht nur als Multiformat-Player eine gute Figur macht, sondern sich durch bemerkenswerte Updates tatsächlich in der Lage sehen könnte, den Rechner zumindest im Live-Einsatz in der Kanzel vergessen zu machen. 

Details

Knapp zwei Jahre hat es also gedauert, bis Pioneers Flaggschiff CDJ-2000 in die Revision genommen wurde. Herausgekommen ist der CDJ-2000 Nexus, der mit Eigenschaften wie automatischer Synchronisierung mehrerer Player, einem verbesserten Bildschirm und Network-Play über die eingebaute Netzwerkbuchse neue Käufer rekrutieren soll. Network-Play? Was, wozu soll das denn gut sein, wird sich nun vielleicht der eine oder andere fragen. Ganz einfach: Genau wie der vor Kurzem vorgestellte XDJ-Aero ist der Nexus in der Lage, Musik vom PC oder Mobile-Device abzuspielen. Und natürlich hat er nach wie vor ein CD- und USB-Laufwerk verbaut. Ein paar weitere Appetithäppchen gefällig: Slip-Modus, Mastersync, Beatgridding, Loopmode-Slider, Needle-Search, Phasenmeter, Quantisierung, Cover Art, Rating, zoombare Wellenformen – das klingt vielversprechend.

Um diese neue, wunderbare DJ-Welt zu betreten, bedarf es allerdings Rekordbox, Pioneers Antwort auf Traktor und Scratch Live. Rekordbox analysiert den Musikbestand, legt Taktraster an, checkt dann auch auf Wunsch gleich aus, ob die Tracks zweier CDJs in der Tonart harmonieren und verdeutlicht dies direkt auf dem Laufwerk-Screen. Der Sync-Knopf erledigt den Rest. Ein Laptop ist nicht zwingend erforderlich, denn zum einen lassen sich Analysedaten auf den Stick oder die SD-Card speichern, zum anderen kann das Handy oder Tablet einige Funktionen übernehmen. Ja, und am besten hat der DJ so zwei bis vier von diesen CDJ-Teilen samt kompatiblem Mixer und Pioneer-Effektgerät im DJ-Studio. Dann kann er auch so abrocken, wie es Laidback Luke, Kissy Sellout und die anderen Protagonisten in den neuen Pioneer-Trailern tun. Kosten? Bei knapp 1899 Euro UVP pro Unit für das zuvor geschilderte Setup etwa 10.000 Bucks. Ooops.

Wir wollen in diesem Artikel nicht sämtliche Qualitäten des CDJ-2000 Nexus ansprechen, denn wir haben den Vorgänger CDJ-2000 bereits im April 2011 im Artikel des geschätzten Kollegen Numinos vorgestellt. Stattdessen richten wir den Fokus primär auf das, was mit der Revision kommt. Zum Teil handelt es sich dabei um Funktionen, die sich aus der Erweiterung der Rekordbox-Software ergeben und demzufolge Einzug in die Hardware halten. Doch gibt es auch einige kosmetische und technische Abwandlungen. Unser Testmodell wurde nur mit einem Stromkabel angeliefert, der freundliche Support hat uns jedoch mitgeteilt, dass neben dem Gerät selbst folgende Artikel zum Lieferumfang gehören: LAN-, Cinch-, Netz-, USB- und Control-Kabel sowie die Rekordbox-CD.

Die Vorderseite offeriert die Einflugschneise für den Silberling. Der Player unterstützt Musikdateien der Formate MP3 und AAC mit konstanten und variablen Bitraten bis zu 320 kbps. WAV- und AIFF-Files können in den Sampling-Frequenzen 44,1 sowie 48 kHz vorliegen und eine Bittiefe von 16 oder 24 Bit aufweisen. An der Rückseite fällt auf, dass der USB-Anschluss genau wie das Kensington-kompatible Loch etwas weiter nach links gewandert sind. Ansonsten sehe ich hier einen Power-Knopf, einen Stereo-Cinch-Ausgang, einen koaxialen digitalen Ausgang, Faderstart-Controls und die bereits erwähnte Netzwerkschnittstelle. Das war’s. Mehr braucht’s auch nicht, um den Burschen an das Stromnetz, den Mixer und den Rechner anzustöpseln. Wichtig: Bei einer reinen LAN-Verbindung über ein Switching-Hub können bis zu zwei Computer am digitalen Ringelpiez teilnehmen. Bei WLAN-Verbindungen können vier PCs und/oder Mobilgeräte dem CDJ-Verbund beitreten. 

Aufbau
Ein Blick auf die Oberfläche bietet mit einigen Farbabwandlungen zunächst überwiegend Bekanntes, also auf der linken Seite die Tasten zum Starten, Cuen, Skippen, Spulen und für die Richtungsänderung, gefolgt von drei Hotcues und den SD- und USB-Slots für Wechselspeicher. Unterstützt werden SD-Cards bis 2 GB-Kapazität. Bei einer SDHC darf sich der DJ 32 Gig genehmigen. Die erlaubte Hierarchietiefe für maximal 10000 Ordner und 10000 Dateien beträgt acht. Ähnlich ist es bei USB-Datenträgern, nur dass hier HFS+ unterstützt wird und die maximale Datenspeichergröße nicht dokumentiert ist. Im Test mit einer externen 500GB-Platte gab es keine Probleme.

Festplatten oder Flashspeicher zu integrieren ist bei den Herstellern angesagt, keine Frage. Wer mag, kommt also nur mit einem Stick oder einer Card bewaffnet zum Set. Bei dem Gewicht kann man dann auch gleich mal ein paar zusätzliche Chips (plus Backup) in den Koffer packen, ohne Kreuzschmerzen vom Schleppen zu bekommen. Zu unsicher? Daten-GAU? Nun ja, gegen abgerauchte Nadeln und Laser ist ja auch kein Kraut außer Ersatzteilen gewachsen. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass der digitale Vertrieb stetig voranprescht. Und führende Gurus der Musikindustrie sehen zumindest auf dem Privatsektor das mobile Device mehr und mehr als legitimen Nachfolger der CD an, wozu sicherlich auch die neuerdings ach so hippen „was-weiß-ich“-Flatrates der Mobilfunkanbieter zur personalisierten Streaming-Music für einen Zehner im Monat beitragen. Folglich werden die Hemmschwellen immer weiter aufgeweicht, was letztlich dann auch wieder mit dem Nexus zu tun hat, da er viele dieser Formate direkt unterstützt und eben auch Wireless-Play von Tracks ermöglicht. Wir kommen darauf noch zurück, aber blicken erst mal auf die rechte Seite, wo der Pitchfader Platz gefunden hat. Die Pitchrange beträgt entweder 6, 16 oder 100 Prozent, wobei die Auflösung zwischen zwei Hundertsteln und fünf Zehnteln beträgt. Er wird begleitet von den Tasten für die Pitchrange, das Mastertempo und den Sync-Brüdern sowie den Einstellrädern für die Vinyl-Emulation (Anlauf- und Bremsgeschwindigkeit) und dem Auswurf-Button.

Display-Sektion
Hier residiert zweifelsohne das beste Display, was ich bisher an einem DJ-CD-Player gesehen habe. Grundsätzlich ähnlich wie beim Vorgängermodell „aufgebaut“ steht es in einem angenehm geneigten Betrachtungswinkel von knapp 30 Grad zum Benutzer, ist sehr fein aufgelöst und kontraststark. Drei wesentliche Neuerungen konnte ich in dieser Sektion ausmachen. Erste Auffälligkeit: Der Rekordbox-Button rechts oben ist neu hinzugekommen. Er startet die Netzfahndung nach kompatibler Rekordbox-Gerätschaft, PC und Mobile-Device inbegriffen. Zweite Auffälligkeit: Das Display ist nun in der Lage, Wellenforminformationen in fünf Stufen zu zoomen. Das Beatgrid wird gut dargestellt. Ein optional einblendbares, vierschrittiges Phasenmeter rundet das Angebot der visuellen Mixhilfen ab. Und selbstverständlich zeigt es Track- und auf Wunsch erweiterte Titelinfos (Artist, Album, Cover-Art, Laufzeit und mehr), Wellenformgesamtüberblick, Cuepoints (etwas klein), Loops, Tonart und dergleichen an. Echt super! Überhaupt gefallen mir die ganzen Suchoptionen und -filter sehr gut. 

Im Zentrum residiert das überdimensionale, im Drehwiderstand einstellbare Jogwheel mit seinem integrierten Display. Neu in dieser Sektion sind der Slip- und Loop-Mode-Button. Letztgenannter aktiviert taktsynchrone Beat-Loops, welche dann über den an der Spitze verbauten horizontalen Slider in acht unterschiedlichen Längen (wer tiefer cutten will, nimmt die Tasten auf halbrechts) aufgerufen werden können. Dieser Vorgang geschieht wahlweise auch „geslippt“, also bei fortlaufend im Hintergrund gepufferter Abspielposition, was einem Serato Loop-Roll oder Native Instruments Flux-Mode ähnelt. Das hat den Vorteil, dass der Titel auch bei waghalsigeren Schleifenzerstückelungen synchron zu einem anderen Deck bleiben kann. Diese Methode ist sicherer als herkömmliche Loops, wo man je nach Zeitpunkt der Interaktion, besonders bei Loops kleiner ¼ Takt, einen Versatz generieren kann. Slip klappt im Übrigen auch mit Reverses und Scratches. Wir verbuchen also den „Scratch und loop dich schwindelig und bleib dabei im Takt“- Button als sehr willkommene Neuerung für den Nexus und hören uns zwei Audiobeispiele dazu an. Bei den Loop-Rolls kann die Quantisierung ebenso Verwendung finden, wie ihr anhand der beiden Screenshots feststellen könnt. Manuelle Loops sind natürlich ebenfalls an Bord. Schleifenflanken können zudem über das Jogwheel oder die Search-Tasten in Halbframeschritten eingestellt werden. Für den Einsprungspunkt der Schleife liegt die Toleranz bei plus/minus 30 Frames und natürlich kann der Out-Punkt nicht vor den IN gesetzt werden. Wird IN länger als 1 Sekunde gehalten, erzeugt dies einen 4-Beat-Auto-Loop.

Ebenfalls ein taufrisches Tool ist „Loop-Active“. Traktor-User kennen das Prozedere bereits. Man speichert einen Loop auf einen freien Slot und stellt diesen auf aktiv. Erreicht der „Abspielkopf“ nun irgendwann diese Stelle, verfängt er sich in der Wiederholschleife und man kann sich in aller Ruhe mit anderen Sachen beschäftigen, ohne dass das Musikstück unerwartet ausläuft. Zum Beispiel Effekte abfeuern, nächsten Titel reinmixen, Cola holen oder Telefonnummern tauschen.

Neu ist auch die Quantisierung für Hotcues, was bedeutet, dass der DJ bei eingeschaltetem „Quantize“ einen Hotcue setzen kann, der automatisch auf das nächstgelegene Rekordbox-Beatgrid einrastet. Das funktioniert aber nicht nur in eine Richtung, sondern beim Nexus bilateral, so dass wildes Drücken selbst ohne Taktgefühl seitens des Protagonisten auch hier zu einem brauchbaren Ergebnis führt. Und der „EDM-Salat, serviert mit wildem Gerumpel“ wird von der Speisekarte gestrichen. 

Der Fairness halber sei jedoch erwähnt, dass gerade in musikalischen Gefilden jenseits des Viervierteltaktes aus der Konserve diese Funktion auch gern mal ausgeschaltet bleibt, da die Beats eventuell zu stark „gebrochen“ sind, das Sample nicht passt oder den Rhythmen mit einem klassischen Beatgrid nicht beizukommen ist. Vielleicht weist auch das live eingespielte Material Temposchwankungen auf und kann daher mit der Average-BPM-Detection für das Raster nichts anfangen. Bei dieser Methode („normal“) errechnet die Software die durchschnittlichen Takte pro Minute und legt dann, beginnend mit dem Aufschlagtakt, das Grid an. Rekordbox bietet jedoch noch ein zweites Verfahren der dynamischen („dynamic“) Analyse an. Im Anschluss sind die Wellenformanalysen eines Titels abgebildet, einmal straight-forward aufgezeichnet, ein anderes Mal mit willkürlichen und linearen Temposchwankungen über die Laufzeit. Im ersten Bild liegt das Grid an den Peaks an, in den anderen Screenshots nicht. Das Raster müsste ergo von Hand nachjustiert werden. Eine weitere Variante wäre die frequenzselektive „Peak-Methode“, um Drum Beats oder Hi-Hats herauszufiltern.

Das Beatgrid wird auch zur Synchronisierung mehrerer CDJ-Einheiten genutzt, was wir mangels Zuspielern nicht testen, jedoch nachvollziehen können. Und wer „Sync“ sagt, muss auch „Master“ sagen – so viel Konsens sollte sein. Denn gerade in Setups mit mehr als drei Abspieleinheiten kann es wichtig sein, die übrigen drei Player zum Hauptdeck zu synchronisieren. Daher der „Master“-Button.

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