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Korg KingKORG Test

Virtuell-analoger Synthesizer

Majestät gibt sich die Ehre

Mit dem virtuell-analogen Synthesizer KingKORG knüpft Korg an eine lange Tradition an, die mit den analogen Legenden aus eigenem Hause – MS20, Mono/Poly und Konsorten – begann und von erfolgreichen virtuell-analogen Modellen wie dem Prophecy/Z1, dem MS2000 und dem Radias fortgeschrieben wurde. Jetzt tritt ein Synthesizer auf den Plan, der keine falsche Bescheidenheit walten lässt: Nicht weniger als ein König möchte der KingKORG sein – angesichts dieser Ahnenreihe und der Konkurrenz in Form von Nord Lead 2X, Virus und Co. eine Ansage, die von einem gesunden Selbstbewusstsein in der Firmenzentrale zeugt.

Glaubt man den Verheißungen in den Prospekten, dann ist der KingKORG durch Emulation verschiedenster Oszillator- und Filterschaltungen ein ziemlicher Sound-Alleskönner – wie man es von einem Alleinherrscher erwartet. Diese Klangvielfalt hört auf den Namen XMT (eXpanded Modeling Technology) und wird durch ein Bedienkonzept mit vielen Reglern gebändigt, das direkten Zugriff auf alle wichtigen Parameter bieten soll. Der Regent lässt also keinen Zweifel daran, dass er auf die Bühne gehört. Dabei gibt er sich erfreulich volksnah: Das alles bekommt man zu einem moderaten Preis von ca. 1200 Euro. Ob der KingKORG wirklich ein König ist oder nur ein etwas größenwahnsinniger Boulevard-Prinz, lest ihr in diesem Testbericht.

Details

Des Königs neue Kleider

Für einen richtigen König ist natürlich nur das Beste gut genug, also goldenes Geschmeide – und viel davon! Tatsächlich schimmert das Bedienfeld des KingKORG in mattem Gold, oder ist es etwa nur schnödes Kupfer oder Messing? Fakt ist, das Panel ist aus Metall (wahrscheinlich Alu, aber Obacht, das wäre ja Majestätsbeleidigung!) und in einer Farbe getönt, die man so bei einem Synthesizer noch nicht gesehen hat. Ob man es mag oder nicht, ein Blickfang ist es auf jeden Fall. Der Rest des Gehäuses ist aus Kunststoff gefertigt, wodurch das Instrument angenehm leicht ausfällt: Gerade einmal sieben Kilogramm bringt der schlanke Synthesizer mit 61 Tasten auf die Waage. Ob man mit dem Herrscher auf dem Rücken per pedes die Alpen überqueren möchte, weiß ich nicht, aber der KingKORG ist problemlos zu transportieren und empfiehlt sich für den Bühneneinsatz. Trotz der Plastikkonstruktion wirkt das Gehäuse auch stabil genug für so manches Live-Schlachtfeld. Das gilt für die Potis leider nur eingeschränkt: Sie fühlen sich für ein selbsternanntes Bühneninstrument für meinen Geschmack etwas zu fragil an. Was sie in der Praxis aushalten, wird aber nur ein Langzeittest klären können. Im Wappen trägt der König übrigens zum Zeichen seiner Herrschaft das Empire State Building – wie ließe sich der Machtanspruch auch eindrucksvoller untermauern als mit ein bisschen phallischer Symbolik.

Konzept

Der KingKORG ist ein 24-stimmig polyphoner, virtuell-analoger Synthesizer. Er ist 2-fach multitimbral, das heißt, man kann zwei verschiedene Sounds übereinander schichten oder die Tastatur an einem einstellbaren Punkt splitten. Ein solches Setup aus bis zu zwei Timbres umfasst ein Program. Timbres lassen sich zwar nicht einzeln speichern, aber immerhin zwischen Programmen kopieren. Pro Stimme gibt es drei Oszillatoren, die neben den klassischen Synth-Schwingungsformen auch komplexe Gebilde wie ring- oder crossmodulierte Schwingungen beherrschen. Mit Schwingungsformen wie „Dual Saw“ oder „Unison Square“ kann ein einzelner Oszillator schon wie mehrere klingen. Alternativ können die Oszillatoren eine von 64 DWGS-Waves oder eines von 30 PCM-Samples liefern, wodurch auch digitale Klangwelten sowie einige Naturinstrumente abgedeckt werden. Außerdem kann jedem Oszillator das Eingangssignal vom Mic-Input als Klangquelle zugewiesen werden.

Auch die Filtersektion des KingKORG ist umfangreich und vielseitig. Ein ordinäres Multimodefilter wie beim einfachen Synthie-Fußvolk stünde einem Monarchen auch nicht gut zu Gesicht – es muss schon etwas mehr sein! Das Filter beherrscht insgesamt 18 Typen (7 Tiefpass-, 5 Hochpass- und 6 Bandpassfilter), worunter zahlreiche Modelle bewährter Schaltungen aus der Analogära sind. Bezeichnungen wie „LFP MG“, „LPF MS-20“ und „HPF P5“ verheißen eine Klangvielfalt, die sich bei den Sahnestücken der Synthesizergeschichte bedient.

Zwei LFOs und zwei Hüllkurvengeneratoren stehen zu Modulationszwecken bereit. Weitere Modulationen lassen sich über sechs sogenannte „Virtual Patch“-Verbindungen realisieren. Hinzu kommt eine gut bestückte Effektabteilung, die neben verschiedenen Delay-, Hall- und Modulationseffekten auch mehrere Verzerrer, Amp-Simulationen, einen globalen EQ und sogar einen Röhren-Overdrive mit richtiger Vakuumröhre beinhaltet. Auch die Effektsektion ist vergleichsweise üppig mit Bedienelementen bestückt, sodass die Effekte spontan eingesetzt werden können. Ein Vocoder und ein Arpeggiator runden das Angebot ab.

Der KingKORG bietet 200 überschreibbare Preset-Programme und 100 freie User-Speicherplätze, was im heutigen Umfeld vergleichsweise wenig ist. Allerdings führt eine zu große Zahl von Sounds immer auch zu Kategorisierungs- und Navigationsproblemen. Bei zu vielen Klängen braucht man umso länger, um den Richtigen zu finden, und alles erscheint etwas wahllos. Meinen Access Virus TI würde ich viel häufiger einsetzen, wenn er nur halb so viele Presets hätte – man verzettelt sich leicht bei der Suche nach Klängen. Ein Instrument, bei dem man jeden Sound persönlich kennt und schnell parat hat, hat unbestreitbare Vorteile, vor allem auf der Bühne. Daher passt die Beschränkung des Speicherplatzes durchaus zum Hands-On-Performance-Konzept des Synths. Man behält jederzeit den Überblick und kommt schneller zum Ergebnis. In Zukunft wird es für den KingKORG eine Librarian-Software geben, die zum Testzeitpunkt leider noch nicht fertig war. Laut Korg soll sie aber bald erhältlich sein. Damit wird man Klänge auf dem Computer archivieren können.

Bedienfeld

An der Aufgabe, das Innenleben eines komplexen Synthesizers intuitiv bedienbar zu machen, sind schon viele gescheitert. Der KingKORG unternimmt einen weiteren Anlauf und bringt dafür neben einer Menge Potis gleich drei Displays mit. Die Bedienoberfläche ist übersichtlich in die einzelnen Blöcke der Klangerzeugung unterteilt. Vielleicht haben die Designer bei der Konzeption des Panels einen verstohlenen Blick auf das Nordische Königshaus geworfen – es wäre nicht die schlechteste Inspiration.

Entgegen der Gewohnheit möchte ich mit dem „Rundflug“ über die Regler und Knöpfe diesmal in der Mitte beginnen. Das liegt daran, dass der linke Teil des Bedienfelds von der Effektsektion eingenommen wird, die erst später in der Signalkette folgt. Das zentral angeordnete Hauptdisplay kann zwei Zeilen à 16 Zeichen darstellen und zeigt in der Standardansicht die Nummer und den Namen des gewählten Programms. Dreht man an einem Regler, so werden der betreffende Parameter und der eingestellte Wert angezeigt, was eine genaue Editierung ermöglicht. Nach einer guten Sekunde wechselt das Display danach wieder zurück zur Standardansicht. Links und rechts der Anzeige findet man ein Plus/Minus-Tasterpaar und einen Endlos-Datenregler mit Druckfunktion. Der Regler dient zur Soundauswahl und Werteeingabe, während die Taster durch ein langes Menü navigieren, in dem man alles einstellen kann, was keinen eigenen Knopf abbekommen hat.

Unterhalb des Displays liegen acht Taster, mit denen sich Klangkategorien wie „Lead“, „Bass“ oder „Strings“ aufrufen lassen. So ist der Weg zum gewünschten Sound mit dem Datenrad nicht so weit. Auch selbst erstellte User-Programme lassen sich in diese Kategorien einsortieren. In Verbindung mit dem „Favorites“-Button lassen sich auf diesen Knöpfen fünf Sammlungen von jeweils acht persönlichen Lieblingsklängen (oder eben Sounds für bestimmte Songs oder Einsatzgebiete) ablegen – sehr praktisch, zumal es leider keine Möglichkeit zur direkten, numerischen Klanganwahl gibt. 

Jener „Favorites“-Knopf liegt zusammen mit einem „Program“-Button, der die normale Programmauswahlstruktur aktiviert und nebenbei für das Aufrufen des Global-Menüs zuständig ist, einem Speichertaster („Write“) und einem „Shift/Exit“-Knopf (für die Zweitfunktionen bestimmter Regler und Taster und zum Verlassen von Menüs) links vom Display. Rechts findet man zwei Buttons für Timbre A und B, also die beiden gleichzeitig spielbaren Sounds. Hier wählt man, welchen der Klänge man über das Panel bearbeiten möchte, wobei es auch möglich ist, beide gleichzeitig zu selektieren. Darunter haben ein Taster für die Aktivierung der Splitfunktion und die Einstellung des Splitpunktes sowie ein Knopf für den Arpeggiator und das Tempo Platz gefunden. Letzterer kann in Verbindung mit dem Shift-Taster auch als Tap-Tempo-Button genutzt werden. Eine unscheinbare LED namens Original Value bildet den Abschluss der zentralen Kommandoeinheit: Sie leuchtet beim Editieren von Klängen immer dann, wenn der jeweils eingestellte Wert mit dem gespeicherten identisch ist. Auch sehr praktisch!

Die rechte Hälfte des Bedienfelds wird von der Klangerzeugung eingenommen, beginnend mit der Oszillatorsektion. Hier findet man zunächst einen Select-Taster, der jeweils einen der drei pro Timbre verfügbaren Oszillatoren zur Bearbeitung auswählt. Die Auswahl wird über drei LEDs angezeigt. Mit dem Type-Regler wählt man für den betreffenden Oszillator eine der zahlreichen Schwingungsformen, DWGS-Waves oder PCM-Samples aus, was in einem eigenen, kleinen Display angezeigt wird. So entfällt der Blick auf das Hauptdisplay und man muss nicht in Menüs abtauchen, um zu erkennen, wie der Klang aufgebaut ist. Weiterhin bietet die Oszillatorabteilung einen Button zur Aktivierung der Portamento-Funktion, einen Regler für die Portamento-Zeit sowie zwei weitere Drehregler für Tune/Level und Control. Letzterer bietet je nach eingestelltem Oszillatortyp Zugriff auf bis zu zwei weitere Parameter, z.B. Pulsbreite oder Detune.

Weiter geht's mit der Filterabteilung. Sie bietet ein großes Poti für den Cutoff und ein kleineres für die Resonanz. Auch hier wird der jeweils gewählte Filtertyp in einem eigenen Display dargestellt. Anders als bei den Oszillatoren erfolgt die Auswahl aber über einen Type-Taster, den man bei 18 Filtertypen dann eben entsprechend oft drücken muss, um zum Ziel zu gelangen. Immerhin ist per Shift-Taster auch ein Rückwärts-Steppen möglich. Ein weiterer Regler kümmert sich um die Hüllkurvenintensität und das Keytracking. Es folgt die Amp-Sektion, in der sich ein großes Level-Poti und zwei Taster für den Unison-Mode und den Vocoder befinden. Ganz rechts befindet sich die Modulationsabteilung. Für die beiden LFOs und die beiden Hüllkurvengeneratoren gibt es jeweils einen Auswahltaster, mit dem der gewünschte LFO oder der Hüllkurvengenerator zur Bearbeitung selektiert wird. Ein praktisches Detail: Die dazugehörigen LEDs pulsieren beim Spielen und geben visuelles Feedback über die Frequenz des LFOs bzw. das Level der Envelope. Die Einstellungen für Frequenz und Intensität bzw. für Attack, Decay, Sustain und Release werden über Drehregler vorgenommen. Über den Velocity-Taster lässt sich für die Hüllkurven auch eine Anschlagsempfindlichkeit einstellen.

Springt man nun nach links, so findet man neben den beiden Reglern für die Gesamtlautstärke und den Mikro-Eingangspegel die verschiedenen Effektsektionen, mit denen der Feinschliff erfolgt. Die beiden Mastereffekte TUBE und EQ machen den Anfang. Ihre Settings werden übrigens nicht mit Programmen abgespeichert. Stellt man also eine Röhrenverzerrung ein und wechselt dann das Programm, so bleibt sie aktiv. Der Röhrenoverdrive bietet einen Knopf zur Aktivierung, einen Boost-Schalter für noch mehr Power und ein Drive-Poti. Je mehr Drive eingestellt ist, desto heller leuchtet es rot aus dem Röhren-Fensterchen ganz links.

Die übrigen Effekte des KingKORG gruppieren sich in die Sektionen PRE FX, MOD FX und REV/DELAY. Alle drei Abteilungen bieten einen großen Drehschalter für die Auswahl des Effekttyps. Per Druck auf diesen Schalter wird der Effektblock den Timbres A, B oder beiden zugewiesen. Unter den PRE FX sind Verzerrer (Distortion, Decimator und zwei Ampsimulationen), ein Ringmodulator und TONE, eine Art Ein-Knopf-EQ. Für die Feineinstellung gibt es einen Drive/Freq-Regler. Die MOD FX bieten Modulationseffekte wie Chorus, Tremolo, Flanger, Phaser und Rotary mitsamt Depth- und Speed-Potis. In der REV/DELAY-Abteilung stehen jeweils drei Hall- und Delayprogramme zur Verfügung (Hall, Room, Plate sowie Tape Echo, Mod Delay und BPM Delay). Passenderweise gibt es dazu zwei Potis für Depth und Time. Die beiden Delays „Mod Delay“ und „BPM Delay“ laufen übrigens synchron zum eingestellten Master-Tempo oder einer MIDI-Clock.

Links von der 61 Tasten umfassenden, leichtgängigen Synth-Tastatur ist der typische Korg-Joystick eingelassen. Er wird von vier roten LEDs effektvoll beleuchtet und von zwei Oktavtastern flankiert.

Anschlüsse

An der königlichen Rückseite findet man zunächst den Anschluss für das externe Netzteil (vorbildlich mit Kabelsicherung, aber ein internes Netzteil wäre natürlich schöner gewesen) sowie den Netzschalter. Diesen muss man sowohl zum Ein- als auch zum Ausschalten etwas gedrückt halten, was ein versehentliches Ausschalten erschwert. Daneben liegt der XLR-Mikrofoneingang. Hier kann ein dynamisches Mikrofon angeschlossen werden, um den Vocoder des KingKORG zu befüttern. Es folgen der Stereo-Ausgang (2x Klinke) und zwei Pedalanschlüsse (Sustain und eine zweite Buchse, die sowohl Fußtaster als auch Expression-Pedale akzeptiert). Links daneben liegt eine Miniklinkenbuchse, hinter der sich ein CV/Gate-Ausgang verbirgt. Darüber kann der KingKORG analoge Synthesizer steuern, die nicht über MIDI verfügen, wie zum Beispiel den hauseigenen Monotribe ab der neuen OS-Version 2.1. Ein entsprechendes Kabel liegt bei, sodass Besitzer des Monotribe sofort loslegen können. Ein MIDI-Pärchen, eine USB-to-host-Buchse (für MIDI und die Editorsoftware) sowie ein vorne links platzierter Kopfhörerausgang (Miniklinke) machen die Anschlüsse des KingKORG komplett.

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