Das Sontronics Zeta ist der jüngste Zuwachs im Portfolio des britischen Herstellers, der für bezahlbare, hochwertige Mikrofone „handmade in the UK“ steht. Zahlreiche Modelle lagen bereits auf der bonedo-Testbank, so auch die „Flagship“-Mikrofone Mercury, Saturn 2 oder Sigma. Der Briten jüngster Streich: Ein Großmembraner nur mit Niere, ohne Pad und Low-Cut für knapp über 1000 Schleifen. Hab ich jetzt nicht unbedingt drauf gewartet.

- hochwertige Komponenten
- tadellose Verarbeitung
- sehr guter Klang
- vielseitig einsetzbar und doch charakterstark
- –


„No frills“-Design
Das Zeta trägt wahrlich nicht dick auf, obwohl es gewichtig in der Hand liegt: Schlichter Plastikkoffer, Schraubhalterung statt Spinne, das Mikrofon selbst in schlichtem Schwarz und wie bereits erwähnt ohne irgendein schaltbares Feature. Das Ganze erinnert mich nicht nur optisch sehr an das Mojave MA-201fet – ein hervorragendes Mikrofon mit selbem Schaltungsprinzip, gleicher Philosophie und ähnlichem Preisschild, das im bonedo-Test die Bestnote einfahren konnte und von dem ich selbst zwei Stück besitze.

JFET-Technik und Lundahl im Innern
So schlicht das Zeta von außen wirkt, so unspektakulär ist auch das Innenleben. Optisch. Technisch zeichnet sich das JFET-Schaltungsdesign durch die Verarbeitung hoher Eingangs-Impedanzen und geringes Eigenrauschen aus, das Sontronics beim Zeta mit beeindruckenden 9 dB (A-gewichtet) angeben. Das Mojave kommt im Vergleich auf 14 dB. Zentral ist der Übertrager aus dem Hause Lundahl, das in der Audiowelt für gehobene Qualität steht.

Bestwerte
Auch die übrigen Werte können sich sehen lassen: Die hohe Empfindlichkeit von 33 mV/Pa und die Schalldruckverträglichkeit von bis zu 125 dB SPL lassen ein Pad tatsächlich überflüssig erscheinen und sollten vom feinsten Gitarrenanschlag bis zum lautesten Drummer alles detailliert aufzeichnen können. Der veröffentlichte Frequenzgang sieht extrem linear aus, mit einer ganz leichten Anhebung oberhalb von 12 kHz und einem Dip bei 40 Hz – wahrscheinlich, um den fehlenden Low-Cut auszugleichen. Aber Diagramme sind bei Mikrofonen eigentlich selten so wichtig wie der tatsächliche Sound. Mal hören, wie high das Zeta performt.

Das Zeta an den Drums
Da das Mojave MA-201fet als Vergleichskandidat prädestiniert scheint, baue ich es in allen Testsituationen neben dem Zeta auf. Die Schraubhalterung funktioniert übrigens hervorragend und weder Trittschall noch Stabilität im Test ein Problem. Los geht es am bzw. etwa einen Meter vor dem Schlagzeug, an dem mein Kompagnon Jan „Brenna“ Kölpin Platz nimmt.
Vintage-Flair
Das kann sich hören lassen! Der Grundcharakter der Mikrofone ist erstmal sehr ähnlich – beide punkten mit knackigen Transienten und fokussierter Niere. Das Mojave präsentiert ein ausgewogenes und fettes Kit. Das Sontronics bringt die Mitten und damit die Snare etwas weiter nach vorne. Die Bassdrum klingt trotzdem satt, die Höhen atmen leichtes Vintage-Flair, fallen früher ab und erinnern mich irgendwie an gute Bändchen, ohne jedoch Condenser-Crispness vermissen zu lassen. Auch verdichtet das Zeta das Signal etwas mehr, der Lundahl-Übertrager scheint mehr zu komprimieren als der Jensen im Mojave.
Das Zeta an der Akustikgitarre
Als nächstes baue ich beide Mikrofone etwa 80 cm vor der Akustikgitarre auf, beide zeigen grob auf den Übergang von Hals und Korpus.
Der erste Höreindruck bestätigt sich. Das Zeta klingt warm, rund und detailreich. Erneut haben die Höhen ein eher weiches Bändchen-Flair, sind aber trotzdem präsent. Das Mojave liefert im Vergleich mehr „Jangle“ oben rum und klingt in den Mitten etwas hohler. Für die eher janglig klingende Studio-Takamine würde ich hier das Zeta bevorzugen. In einem dichten Mix würde sich das Mojave wiederum wohl besser durchsetzen, aber wozu gibt es Equalizer?
Das Zeta für die Stimme
In Ermangelung versierten Fachpersonals in Sachen Vocals mache ich einen Voiceover-Test. Mit dem Mojave MA-201fet mache ich seit vielen Jahren zuhause Sprachaufnahmen für’s Radio, es passt einfach super zu meiner Stimme und klingt selbst ohne EQ groß und fertig. Der Charakter des Zeta kommt auch hier wieder durch. Die Höhen sind mild und schön ausgewogen, es klingt genau so präsent wie warm und einfach angenehm. Mit meiner Stimme gefällt mir die Präsenz des Mojave einen Tacken besser, aber das ist nur Geschmackssache.
Alternativen
In der Preisklasse des Zeta mangelt es nun wirklich nicht an guten Mikrofonen. Platzhirsch Neumann bietet das TLM 103 an, AKG seinen Klassiker C414 mit schaltbaren Richtcharakteristiken und Pads und sE ihr Äquivalent 4400A sogar schon als Pärchen. Aber: All diese Kondensatormikros haben keinen Übertrager. Die aktuelle Version des 201fet ist allerdings ebenfalls etwas günstiger als das Sontronics.
Test des Sontronics Zeta: Fazit
Das schlichte Schwarze ist ein tolles Mikrofon. Bauteile und Verarbeitung sind auf hohem Niveau und ich wüsste nicht, warum es an irgendeiner Signalquelle nicht funktionieren sollte. Sein Klangcharakter ist im besten Sinne rund: Satter wie straffer Bass, warme, detaillierte Mitten und softe, aber trotzdem präsente Höhen. Ein Klang, der im besten Sinne „musikalisch“ und im Studio vielseitig einsetzbar ist, sich aber angenehm von den meisten modernen Großmembranern abhebt. Somit ist es sowohl eine attraktive Option als Arbeitspferd für Home- oder Projektstudios als auch eine charaktervolle Alternative zu anderen Großmembranern in gut bestückten Mikroarsenals großer Studios. Für „hand-built in the UK“ geht der Preis definitiv in Ordnung. Pad oder Low-Cut habe ich nicht vermisst.

- Großmembran-Kondensator-Mikrofon
- Nieren-Charakteristik
- Hochempfindliche JFET-Schaltung
- Lundahl-Übertrager
Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz - Empfindlichkeit: 33 mV/Pa
- Impedanz: ≤200 Ohm
- max. Schalldruckpegel: (bei 0,5 % THD @ 1 kHz) 125 dB
- Eigenrauschen: 9 dB (A-bewertet)
- Stromversorgung: 48-V-Phantomspeisung erforderlich
- Gewicht: 0,68 kg
- hergestellt in: UK
- Webseite: sontronics.com
Preis: € 1089,– (Straßenpreis am 1.4.2026)