Jomox Alpha Base MKII Test

Die Jomox Alpha Base MK2 ist die letzte Ausbaustufe einer langen Entwicklung: der Berliner Drum Machine Synthesizer aus der Werkstatt von Jürgen Michaelis. Von Xbase09 und AirBase99, über XBase 999 und 888 hin zu den Synthesizern wie SunSyn oder Moonwind: hier steckt Hardware-Erfahrung einer echten One-Man-Army drin!

Jomox Alpha Base MKII Test (Draufsicht, schräg)
Analoger Drum Synth im dicken Groove-Box-Style: Jomox Alpha Base MKII

Damit ist die Alpha Base Mk2 als ein gereiftes, eigenständiges Instrument mit starkem Charakter und klarer Handschrift zu verstehen. Doch was macht sie so besonders?

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • hybride Architektur aus Analog und Samples sinnvoll umgesetzt
  • extrem druckvolle, charakterstarke analoge Klangerzeugung
  • polyrhythmischer Sequencer mit Parameter-Locks
  • symmetrische Einzelausgänge
  • unverwechselbarer Sound
Contra
  • Bedienung durch dichte Struktur recht komplex
  • Kein vollwertiger Sampler (kein Slice etc.)

Highlights Jomox Alpha Base MKII

  • Zwei voll analoge Instrumente: Jomox Kick & MBrane Percussion Synth
  • sechs weitere Hybrid-Instrumente mit Samples, analogen Filter & VCAs
  • zwei zusätzliche, digitale Sample-Instrumente inkl. Sampling-Input
  • 64 Steps Sequenzen, Motion Recording, unterschiedliche Raster
  • Einzelausgänge, SD-Slot für Sample-Nachschub, DIN & USB MIDI

Analoge Drum-Synth-Groove-Box

Die Jomox Alpha Base Mk2 ist eine deutsche Drum-Machine mit analoger Klangerzeugung, einfachen Sampling-Optionen, zehn symmetrischen Einzelausgängen sowie elf komplex aufgebauten, teils hybriden Instrumenten. Das Holz an den Seiten sorgt für warme Industrial-Vibes, der Kontrast der schwarzen Schrift auf cremefarbenen Metallgehäuse ist wunderbar lesbar.

Die Jomox Alpha Base MKII passt mit Ohren gut in ein 19-Zoll Rack.

Zur umfangreichen “voll-analogen” Kick und MBrane Voices gesellen sich sechs Sample-basierte Stimmen, die über analoge VCAs und Filter geformt werden. Zwei reine Sample-Spuren einen FM-Synth mit vier Operatoren und sechs Stimmen kommen obendrauf.

Einen LFO gib es in jeden der elf Instrument, ein internes Reverb und Delay kommen im Send/Return-Verbund hinzu, können teilweise aber auch als Insert genutzt werden, was beim Re-Sampling spannend werden kann.

Unangefochtenes Highlight bleibt die legendäre Jomox-Kick, die mit 18 Parametern, vielen Sweetspots und enormem Druck weit über bloße 808- oder 909-Anleihen hinausgeht und der Kategorie Holz-Knüppel zuzuordnen ist. Auch Compressor, EQ und Gate Parameter sind als eigenständige Elemente der Kick zu verstehen.

Dicke, analoge Instrumente mit LSD Hihat

Hinzu kommt die markante MBrane-Stimme, deren komplexe “physikalische Struktur” sich besonders für Snares, Toms und experimentelle Percussion-Sounds eignet. Ebenfalls lässig: es gibt hier Scenes, die hervorragende Startpunkte ergeben: vier Snares, drei Toms und zwei Kicks stehen zur schnellen Auswahl. Auch eigene Scenes lassen sich schreiben!

Neben der deftigen Kickdrum und der etwas esoterisch anmutenden MBrane Stimme gibt es sechs weitere solide Instrumente, die mit reichlich mitgelieferten One-Shots starten und jeweils von einem eigenen, analogen Filter und VCA formvollendet werden. Zwei der Sample-Slots sind dabei für die HiHat reserviert, die Choke/Mute bietet und klassisch zwischen offen und geschlossen gespielt werden kann.

Das Filter dieser Spuren ist für High-Hats optimiert und im Ursprung seit der 999 im Einsatz. Grundsätzlich kann hier aber auch jedes andere Sample rein. Die Filter in den anderen sechs Sample-Spuren sind indes als Multi-Modes gestaltet und lassen sich so LP, HP, BP oder ganz im Bypass “routen”.

Anschlüsse Alpha Base mk2
Einmal Stereo-Out, einmal Stereo-In sowie achtmal Einzelausgänge für die hybriden Instrumente. Nutzt man diese alle liegen die beiden zusätzlichen Sampler-Spuren sowie der FM-Synth allein am Stereo-Out an. Clever!

Selbst der berühmte analoge – ehemals global geteilte – Metal Noise steht in der Alpha Base MK2 in jeder Spur individuell zur Verfügung und lässt sich dank neuer VCAs präzise dosieren.

Darüberhinaus liegen die hybriden Instrumente – Kick, MBrane, Open Hat, Closed Hat, Clap, Rim, Crash und Ride – allesamt separat auf Einzelausgängen an: sobald ein Kabel gesteckt wird, werden sie von der Stereo-Summe ausgenommen.

Mittlerweile sind alle Audio-Outs – einschließlich der Einzelausgänge – symmetrisch ausgeführt und liefern einen kräftigen Pegel von bis zu 20 dBu.

Einfacher Sampler

Ein Stereo-Input mit Sampling-Eingang ist vorhanden, zwei reine Sample-Spuren ohne analoge Extras kommen hinzu. SD-Card-Slot, USB und DIN MIDI, External-In und frontseitiger Kopfhörer-Ausgang runden die Ausstattung fürstlich ab.

Gegenüber der Mk1 wurde unter anderem das Display durch ein hochauflösendes OLED ersetzt, das nun markante, teils psychedelisch anmutende Animationen zeigt und einfach angenehmer auf dem Auge ist.

Zusätzlich spendierte Jomox der Mk2 Variante auch einige weitere Taster, deutlich buntere LEDs sowie einen erweiterten Sample-Vorrat zu adressieren.

Final Touches

Hauptsächlich wurden Bauteile-Änderungen vorgenommen und dabei gleich unter der Haube nachgebessert: Für die Hybrid-Kanäle stehen unter anderem – dank gut regelbarer VCAs – analoges Panning sowie fein-regelbarer Noise zur Verfügung.

Gefertigt werden die neuen Bords außerdem in Taiwan, wodurch sich tatsächlich ein leicht fetterer Sound als bei der MK1 einstellt. Mehr “theoretischen Noise” gibt es auf Grund des Summings der vielen VCAs zwar auch – auffällig war mir das aber nicht.

Die Sampling-Funktion ist indes identisch und auf fünf Sekunden bei 48kHz/16Bit Mono begrenzt, Samples können von und zur SD geladen werden – hierbei gibt es praktisch kaum Einschränkungen.

Ein ausgewachsener Sampler mit Slice, Poly und Co. wird die Jomox nicht – für Drum-Hits ist Gebotenes aber absolut ausreichend! Zumal ich selbst bei meiner 888 nie Samples vermisst und faktisch 15 Jahre mit dem Factory-Content gearbeitet habe.

Anders gesagt: die Roland TR-1000 kann eventuell auf dem Papier mehr, so richtig viel mehr ist das aktuell aber auch nicht. Vielleicht lieber die MPC Sample zur Jomox dazu?

Dicker 64 Steps Sequenzer

Die Jomox Alpha Base MkII kombiniert klassischen Lauflicht-Workflow mit moderner Sequencer-Features. Grundlage ist ein Step-Sequencer mit bis zu 64 Steps, variablen Rasterungen sowie individuellen Shuffle und Pattern-Längen pro Instrument – Polyrhythmen sind problemlos umsetzbar. Neu ist ein Pattern/Kit-Link, der die Settings bei Bedarf verbindet.

16 Step-Taster
Dicke Taster für die Instrumente zum Live-Spielen und Umschalten.

Es stehen ferner zwei Betriebsarten zur Verfügung: Im klassischen Trigger-Modus werden Sounds wie bei einer analogen Drum-Machine pro Step ausgelöst, inklusive Accent. Im Sequence-Modus lassen sich zusätzlich die Tonhöhe und sogenannte Parameter-Locks pro Step speichern und schreiben. Das ermöglicht gezielte Eingriffe in Filter, LFOs oder gar Sample-Auswahl.

Das 16 Encoder Bedienkonzept

Abseits des Sequencers versteht sich die Alpha Base MkII klar als Drum-Synthesizer. Die 16 Encoder im 4×4-Layout greifen direkt auf die Parameter des gewählten Instruments zu, nochmals ergänzt durch eine zweite Ebene (A/B) für noch mehr Parameter.

Die dichte Beschriftung ergibt sich aus den unterschiedlich aufgebauten Instrumententypen – insbesondere Kick, MBrane und Sample-Spuren folgen eigenen Parameter-Strukturen: Die Encoder sind oberhalb für Kick und MBrane Soundparamter beschriftet, unterhalb der Encoder finden sich die Parameter der Sample-Voices. Weniger Text und mehr leuchtende LEDs wäre ggfls. besser gewesen.

16 Encoder
Die 16 Encoder sind zentrales Bedienelement und bedienen jeweils alle Parameter eines Instruments. Eine B Page gibt es teilweise auch noch. Ebenfalls lässig: Mute der Instrumente ist durch die Push-Funktion der Encoder jederzeit realisierbar.

Die Sample-Instrumente sind in den oberen Encoder-Reihen einheitlich organisiert und bieten direkten Zugriff auf Pitch, Start- und Endpunkt sowie die Sample-Auswahl. Bis zu 500 Samples lassen sich pro Session adressieren – kurbeln, mein Freund, kurbeln –, ergänzt durch separate ADSR-Hüllkurven für Amp und Filter.

Fein aufgelöstes Display

Das OLED-Display zeigt zwei Encoder-Reihen gleichzeitig an – inklusive konkreter Werte – sowie hier und da mit hilfreichen Animationen. Die Darstellung wirkt aufgeräumter als beim Vorgänger, selbst wenn die Schrift kleiner ausfällt. Auch die Abkürzungen sind weniger kryptisch.

Das Display des neuen Alpha Base ist höher aufgelöst, anders gestaltet und so besser zu lesen.
Hier seht ihr die ersten acht Parameter der Kickdrum. Die Rechtecke stellen den aktuellen Wert da.

Die Filtersektion befindet sich in der dritten Reihe der Encoder: Cutoff, Resonance, Envelope Amount und Routing (aka Filter-Style). Jede Stimme verfügt über einen eigenen LFO sowie Volume-Regler, erreichbar dann über die unterste Reihe der Encoder.

Neben 64 Wellenformen stehen dem LFO Rate und Modulationstiefe zur Seite; die B-Page übernimmt Zielzuweisungen wie Tune, Amp und Cutoff. Da die LFO-Wellenformen auf kurzen Samples basieren, lassen sich theoretisch auch eigene Verläufe hinzufügen. Das nur am Rande, die Maschine hat aus der Box heraus bereits genügend Optionen!

Audio Samples
0:00
Ruff Niice Schnurps

tightes (USB) Programming

Die USB-MIDI Verbindung der Alpha Base ist ebenfalls besser und bietet für jedes Instrument einen eigenen Channel. Für das Triggering steht auf External Channel 16 sogar eine Pianorolle für alle Instrumente mit unterschiedlichem Pitch zur Seite. Darüberhinaus verkraftet die USB-Leitung jede Menge Daten, sodass außerhalb des internen Sequenzers komplexe und zugleich tighte Beats programmierbar werden. Das ist besser als bei den alten Kisten gelöst!

Das Parameter-Locking ist indes nicht so flexibel wie bei beispielsweise Elektron gelöst, dafür lädt die Maschine mehr zum Schrauben im Studio ein – dabei immer ein Instrument im Fokus. Das Umschalten zwischen Trigger- und Edit-Modus wirkt nicht ganz optimal, ähnlich wie die separaten Modi für Rec Parameter, Pitch-Sequencer und Real-Time-Write. Die LEDs fallen indes recht hell aus, wodurch die Beschriftung – insbesondere der Step-Taster – stellenweise etwas in den Hintergrund tritt.

Fazit – Alpha Base mk2 Test

Analog ist hier kein Buzzword, sondern klanglich sofort greifbar – und bei Jomox gewohnt souverän umgesetzt. Bereits „out of the box“ wirkt die Summe druckvoller und edler als etwa bei der TR-1000, die im Gegenzug etwas mehr „production-ready“ abgestimmt daherkommt.

Schon am Stereo-Ausgang separieren sich die Instrumente der Alpha-Base erstaunlich kristallin und ergeben einen warm-teuren Gesamteindruck ohne Zutun. Das ist im Alltag viel wert. Mit hochwertigem Outboard wird daraus dann endgültig großes Kino.

Reverb und Delay nimmt man dankend mit: Für den Studio-Feinschliff sind sie weniger gedacht, erfüllen live aber zuverlässig ihren Zweck. Die Eingriffsmöglichkeiten sind überschaubar, klanglich decken sie die Basics ab – und gerade in minimalen Setups gilt: lieber haben als brauchen.

Wer die klassische Jomox-Snare oder analoge Toms vermisst, wird mit der MBrane dennoch weit kommen – vorausgesetzt, man investiert Zeit in ihr Verständnis. Sie zeigt sich so deutlich flexibler, als zunächst vermutet. Der einzige echte Kritikpunkt bleibt damit die Beschränkung auf eine MBrane-Stimme.

Unterm Strich bleibt festzuhalten: Trotz gestiegener Bauteilpreise ist die Alpha Base 2 weiterhin zum bemerkenswert fairen Preis „Made in Germany“ erhältlich – und klanglich immer noch eine der charakterstärkeren Drum Machines am Markt, selbst wenn die 888 vergleichsweise noch dreckiger konnten. Bei der nervten im Studio-Alltag allein die unsymmetrischen Ausgänge, zumal sie “strubbeliger” zu bedienen waren. Die Alpha Base Mk2 hingegen ist gereift und bietet viel Boutique-Sound für einen fairen Kurs!

Features

Artikelbild
Alpha Base MKII
Für 1.899,00€ bei
  • Analoge Kick- und MBrane-Synthese mit umfangreicher Parameterkontrolle
  • Sechs Sample-Instrumente mit analogen Filtern, VCAs und ADSE-Hüllkurven
  • Zwei zusätzliche digitale Sample-Spuren + Sampling-Input
  • 64-Step-Sequencer mit variablen Rastern und Polyrhythmen
  • Parameter-Locks (Edit Locks) und Motion Recording
  • Individuell regelbarer analoger Metal Noise pro Spur
  • Acht Einzelausgänge plus Stereo-Out
  • OLED-Display mit erweiterter Visualisierung
  • 16 Encoder im 4×4-Layout mit direktem Zugriff und Push-Mute
  • LFO pro Stimme mit Sample-basierten Wellenformen
  • Interne Effekte (Reverb, Delay) mit Send/Return-Struktur
  • SD-Karten-Slot für Samples
  • USB- und DIN-MIDI sowie Audio-Eingang
  • PREIS: € 1899,- (Straßenpreis am 30.3.26)
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