Test
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07.10.2020

Zoom H8 Test

Portabler Zwölf-Spur Audio Recorder

Aufnehmen Du sollst!

Als ich den Digitalrecorder Zoom H8 das erste Mal in den Händen halte, muss ich spontan an den Millenium-Falken denken: Die achteckige Form des XLR-Anschlussblocks, die vorstehenden Mikrofonkapseln des XY-Aufsatzes, die versenkten Bedienelemente und Drehregler – all das erinnert mich Han Solos legendäres Sternenschiff aus den Star-Wars-Filmen. Und schon höre ich die Stimme eines kleinen grünen Männchens mit großen Ohren, der mir zuflüstert: „Aufnehmen Du sollst!“ Mache ich, aber erstmal schaue ich mir den H8 genauer an.

Der japanische Hersteller Zoom pflegt seit Jahren sein Fieldrecorder-Portfolio und der H8 ist das neuen Topmodell der Handy-Recorder-Serie: ein mobiles Aufnahmegerät mit riesigem Funktionsumfang, das zudem als USB-Audio-Interface nutzbar ist. Wir von bonedo verfolgen Zooms Handy-Recorder seit langer Zeit, hier findest Du Tests zum Zoom H5 und dem Zoom H4 Pro, oder dem etwas spezielleren Zoom Ambisonic-Recorder H3-VR.

Details

Design des Zoom H8 polarisiert

Das Design des Zoom H8 ist schon speziell und das kantige Design dieses Recorders wird sicherlich polarisieren. Aber die Form ergibt bei genauerer Betrachtung Sinn, der H8 ist klar in drei Blöcke gegliedert: Zum einen der untere Bedienungs-Block, mit den Start-, Stop und Record-Tasten und dem 50 x 37 mm großen und farbigen Touchscreen. Der Mittelblock stellt so etwas wie die Eingangssektion dar, die achteckige Form erlaubt den Anschluss von bis zu sechs XLR-Kabel auf engstem Raum. Der dritte Block ist der Mikrofonaufsatz und das ist der Part, der den Zoom H8 so spannend macht, denn der Mikrofonaufsatz ist wechselbar!

Wechsel-Mikros

Wie beim H5 oder H6 setzt Zoom auch beim H8 auf das System der austauschbaren Mikrofonaufsätze. Im Lieferumfang des H8 ist der XYH-6 Aufsatz enthalten, ein XY-Stereomikrofon mit zwei Kondensatormikrofonen mit Richtcharakteristik Niere und einem einstellbare Aufnahmewinkel von 90° oder 120° Grad. Den Tontechniker in mir erfreut die korrekte Anordnung der Mikrofonkapseln, so können keine Phasenprobleme durch Laufzeitunterschiede entstehen.

Inzwischen bietet Zoom jede Menge weitere Mikrofonaufsätze an, die viele – auch sehr speziellere Aufnahmesituationen – abdecken: Es gibt ein MS-Mikrofon (MSH-6), ein weiteres XY-Mikrofon mit Druckgradientempfängern (MYH-5), ein Mono und ein Stereo-Richtmikrofon (MGH-6 und SSH-6). Zusammen mit dem H8 wurden zudem weitere, sogenannte V2-Aufsätze vorgestellt: ein Stereo-Aufsatz mit drehbaren Kapseln für XY und AB-Aufnahmen (XAH-8), ein Ambisonic-Mikrofon (VRH-8) und eine Eingangs-Expander (EXH-8), der den H8 um zusätzliche vier XLR-Eingänge erweitert.

Die Aufsätze werden einfach aufgesteckt und durch zwei Spannzangen arretiert. Durch die Form der Buchse kann man auch nichts falsch herum aufstecken. Sowohl der Verbindungsstecker am Aufsatz als auch die Buchse am H8 machen einen stabilen Eindruck. Über zwei seitliche Bolzen wird die Arretierung wieder gelöst. Wird kein Aufsatz benötigt, kann zum Schutz eine Abdeckung angebracht werden. Bei angestecktem Aufsatz kann man diese Abdeckung an der Unterseite des Zoom H8 befestigen.

Überschaubarer Lieferumfang

Der Lieferumfang des Zoom H8 ist recht überschaubar. Tatsächlich hat der Hersteller in den letzten Jahren beim Zubehör rigoros abgespeckt: Im Karton befindet sich lediglich der Recorder selbst, der XYH-6 Mikrofonaufsatz und vier AA-Batterien. Keine zweite Mikrofonkapsel, kein Transportcase (noch nicht einmal eine Tasche), kein USB-Kabel und keine Speicherkarte – all das war mal Lieferumfang, zum Beispiel des Zoom H6 enthalten, den Kollege Aggi Berger getestet hat. Dafür gibt es beim H8 – Achtung: Rarität! – eine gedruckte Kurzanleitung in fünf Sprachen. Als Software-Beigabe liegen noch zwei Lizenzkarten bei, für eine Cubase LE- und eine Wavelab Cast-Version, also ein DAW-Programm zur Musik-Produktion und ein Programm zur Erstellung von Podcast-Content.

Viele Ein- und Ausgänge

Für seine Größe besitzt der Zoom H8 ganz schön viele Ein- und Ausgänge. Kanal eins bis vier sind reine Mikrofonkanäle, die Kanäle A und B besitzen XLR/Klinke-Kombibuchsen zum Anschluss von Mikrofonen und Instrumenten. Sowohl das Aufsatzmikrofon als auch die sechs Eingänge am Mittelblock besitzen ein Gain-Rädchen, Kanal eins bis vier zusätzlich einen Schiebeschalter zur Aktivierung eines -20 dB-Pads. Bei den Kanälen A und B lässt sich mit diesem Schiebeschalter die Eingangsimpedanz für hochohmige Signale anpassen, ein Pad besitzen diese beiden Kanäle nicht. Am XYH-6-Aufsatz befindet sich noch ein 3,5 mm Stereo-Line-Eingang, dessen Signal allerdings an das Stereomikrofon gekoppelt, also nicht separat abzugreifen ist. Jeder Eingang besitzt einen beleuchteten Taster, welcher den Kanal für die Aufnahme scharf schaltet (er leuchtet dann rot) und außerdem als Clip-Indikator bei übersteuerten Signalen dient.

An Ausgängen besitzt der Zoom H8 einen Stereo-Line Ausgang und einen Kopfhörerausgang, deren Lautstärke getrennt geregelt werden kann. Zudem hat der H8 einen kleinen Mono-Lautsprecher an Bord, der allerdings nur zum rudimentären Abhören taugt.

Nicht 12, eher 8+2+2

Laut Zoom erlaubt der H8 die gleichzeitige Aufnahme von zwölf Spuren, was im Prinzip auch richtig ist. Wäre man aber pingelig, müsste man anmerken, dass vier dieser zwölf Spuren keine separat aufzunehmenden Signale sind! Davon gibt es beim H8 nämlich genau acht (H8… ok, verstanden…). Die Spuren neun bis zwölf generieren sich zum einem aus der Stereo-L/R-Mischung der Eingangssignale und zum zweiten aus der sehr praktischen Backup-Funktion: Ist diese Funktion aktiviert, wird ein um zwölf Dezibel reduziertes Duplikat des Aufsatzmikrofons auf die SD-Karte geschrieben. Falls man also durch überraschende Pegelsprünge, zu optimistisches Einpegeln oder einfach aufgrund einer Fehlbedienung ein verzerrtes Signal aufgenommen hat, hat man noch eine Rettungs-Stereospur in der Hinterhand. Bei genauem Hinsehen ist der Zoom H8 also ein 8+2+2-Recorder.

Aufnahmeformate und Betriebsdauer

Der Zoom H8 erlaubt unkomprimierte Audio-Aufnahmen bis maximal 96 kHz und 24 Bit; MP3s können mit 128, 192 oder 320 kbit/s Datenrate auf die SD-Karte geschrieben werden. Als Aufnahmemedium dienen SD-Karten (unterstützt werden SD-, SDHC- und SDXC-Karten). Eine Karte ist zwingend nötig, da der H8 keinen internen Speicher besitzt. In den Spezifikationen werden als maximal Kartengröße 512 GB genannt, auf der Zoom-Webseite findet man aber eine Kompatibilitätsliste, auf der sogar eine 1 TB-Karte aufgeführt ist. Aber selbst 512 GB sollten ausreichend Speicherplatz bieten, damit wären über 806 Stunden Stereoaufnahmen mit 44,1kHz/24Bit möglich! Im MP3-Format reden wir dann von tausenden Stunden an Aufnahmekapazität. Bei Vollauslastung, also der gleichzeitigen Aufnahme aller zwölf Spuren bei 96 kHz und 24 Bit, bietet eine 512 GB-SD-Karte immer noch Speicherplatz für über 40 Stunden Audiodaten.

Da geht dem H8 natürlich viel früher die Puste aus: Für eine frischen Satz AA-Batterien gibt Zoom eine maximale Betriebsdauer von 15 Stunden an. Dieser Wert gilt allerdings nur für einen Stereo-Aufnahme mit 44,1 kHz/24Bit. In der Praxis wird man bei Verwendung von höheren Audiowerte, mehr Kanälen, einer aktivierten Phantomspeisung, Akkus statt Batterien etc. mit weniger Stunden rechnen müssen. Über den USB-Port kann der Zoom auch mit dem optionalem Netzteil AD-17 oder vom Rechner mit Strom versorgt werden.

Bluetooth-Remote – leider nur optional

Man kann den H8 via Bluetooth und Zoom Control App von einem Tablet oder Smartphone steuern, aber dafür ist ein externen Bluetooth-Empfänger nötig. Schade, dass man den H8 nicht von Haus aus Bluetooth-fähig macht. Praktisch wäre das vor allem für den Musiker, der sich selbst aufnimmt: Der sitzt für die Aufnahme naturgemäß vor den Mikrofonen, während der H8 für eine Bedienung „hinter dem“ Stereomikro ausgelegt ist.

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