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Test
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19.02.2019

Universal Audio Antares Auto-Tune Realtime Advanced & V76 Preamp

UAD Software 9.8 Update

Drei neue Plugins und macOS Mojave Kompatibilität

Universal Audios periodisch erscheinendes UAD Update fällt in Version 9.8 mit „nur“ drei neuen Plugins quantitativ ungewohnt schlank aus. Dafür gibt es aber auch endlich macOS Mojave Unterstützung. Ob qualitativ alles beim Alten ist und die Neuerscheinungen den gewohnt hohen Standard liefern, wird der folgende Test zeigen.

Neben Bug Fixes sowie Verbesserungen der Kompatibilität und der Grafik, die detailliert in den Release Notes aufgelistet sind, beinhaltet v9.8 diese drei neuen Plugins: 

  • V76 Preamplifier
  • Antares Auto-Tune Realtime Advanced
  • Diezel Herbert Amplifier

Details

V76 Preamplifier

Das legendäre Stück heimischer Ingenieurskunst hat eine bemerkenswerte Historie. Entwickelt wurde der V76-Vorverstärker in den 50ern und ist aufgrund seines warmen Röhrensounds immer noch heiß begehrt und weltweit in Studios im Einsatz. Mir selbst ist der V76 als einziger Mikrofonvorverstärker in Erinnerung geblieben, für den man zur Pegeleinstellung einen Schraubenzieher benötigt, und wenn man keinen Schraubenzieher besitzt, ist die Emulation von UAD vielleicht eine willkommene Alternative.

Als latenzfreies Unison Plugin kann der UAD V76 Preamplifier inklusive der authentischen Eingangsimpedanz am Mikrofoneingang eines Apollo Interfaces zur Aufnahme genutzt werden und auch im Mixdown lässt sich der Input selbstverständlich flexibel anpassen, um die Klangfärbungen der Röhren und Filter für jegliche Spuren und Instrumente zu verwenden.

Die Bedienmöglichkeiten sind entsprechend der Hardware spartanisch und wie die folgenden Abbildungen zeigen, absolut selbsterklärend. Eine nützliche Beigabe ist das U70-Modul (rechte Hälfte des GUI) zur optischen Pegelkontrolle. Weiterhin handelt es sich laut Hersteller bei diesem UAD Plugin um ein sehr aufwendiges Modelling sämtlicher Bauteile inklusive Nichtlinearitäten, was sich erwartungsgemäß in der CPU-Last widerspiegelt. Somit belastet eine Instanz des V76 ca. 28/56 (mono/stereo) Prozent eines DSP Chips der UAD Hardware.

Antares Auto-Tune Realtime Advanced

Antares Auto-Tune ist ebenfalls ein ikonenhafter Klassiker, allerdings im Kontext des Digitalzeitalters. Der primäre Einsatzzweck ist die Intonationsbearbeitung mittels einstellbarer Tonskalen, manuell definierter Zieltöne oder per MIDI, was in Kombination mit der quasi latenzfreien Berechnung der UAD Hardware DSPs sogar hervorragend in Echtzeit funktioniert.

Die neue UAD-2 Auto-Tune-Version ersetzt damit das Alte, bekommt den Namenszusatz „Advanced“, wird 50 Dollar teurer und schmückt sich im Gewand der aktuellen Vollversion Antares Auto-Tune Pro, welche es ausschließlich nativ gibt und damit nicht mit UAD kompatibel ist. Letztere bietet noch weitere Features wie den grafischen Editiermodus und eine gezielte Bearbeitung der Formanten und kostet 50 Dollar mehr als das neue UAD Plugin.

Eine Abgrenzung zur bisherigen und etwas günstigeren UAD Version fällt gar nicht mal so leicht. Natürlich bemerkt man unmittelbar, dass die Oberfläche komplett überarbeitet wurde, allerdings ist der anhand der Bedienelemente nachvollziehbare Funktionsumfang identisch. Ob unter der Oberfläche Verbesserungen stattgefunden haben, ist leider nicht ganz eindeutig; zwar wird die Möglichkeit beworben, den effektvollen Classic Mode von Auto-Tune 5 bei Bedarf verfügbar zu haben, doch auch in der alten Version kann man per Drehregler das Korrekturverhalten „Classic“ einstellen. Obwohl es legitim ist, die „Advanced“-Preispolitik in diesem Fall zu hinterfragen, muss ich dennoch sagen, dass der DAW-unabhängige Echtzeitzugriff beim Tracking und Performen mit meinem Apollo Interface gegenüber meiner nativen Auto-Tune Version einfach unschlagbar ist. Einen Vergleich beider Auto-Tune Varianten von UAD und weitere Audiobeispiele sind im folgenden Praxisteil zu hören. 

Diezel Herbert Amplifier

Die Amps von Peter Diezel sind weltweit gefragt, wenn es um brachiale Heavy-Sounds geht. Der Amp mit dem Namen Herbert, benannt nach Diezels schwerhörigem Vater, ist im echten Leben ein 180 Watt starker Röhrenverstärker mit drei komplett unabhängigen Kanälen, der 2003 das Licht der Welt erblickte.

Befeuert wird der Verstärker von sechs KT66 Endstufenröhren und der erste Kanal ist, wie allgemein üblich, für die unverzerrten Klänge zuständig und bietet einen enormen Headroom. Channel 2 steht für eine hohe Bandbreite an Zerrsounds von leichtem Crunch bis zum vollen Brett in Richtung Hot Rodded JCM800. Channel 3 sorgt dann für das volle Zerrgewitter. Für alle Kanäle lässt sich ein MidCut aktivieren, der in Intensität und Level (zum Pegelausgleich) geregelt werden kann.

Nun hat die deutsche Softwareschmiede Brainworx in Kooperation mit Peter Diezel den Herbert unter die Lupe genommen und in Softwareform für die UAD-Plattform bereitgestellt. Das Plug-In ist, wie üblich bei Brainworx, sehr detailgetreu ausgefallen, alle Regelelemente des echten Herberts sind auch im Plug-In an Ort und Stelle. Dazu kommt die Möglichkeiten, das Amp Plug-In mit 120 unterschiedlichen Impulsantworten von Aufnahmeketten (Cabs, Mikrofone, Recording Preamps) zu kombinieren, ein Noise Gate und ein einfaches Delay sind ebenfalls integriert. Mit einem Apollo Interface von Universal Audio kommt man zudem in den Genuss, das Plug-In latenzfrei (wie bei einem digitalen Multi-Effekt) als Unison Plug-In im Interface zu benutzen.

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