Test
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30.11.2018

Praxis

Sicherer Stand

Die Gestalt des Recorders ist absolut sinnvoll gewählt. Durch seine konische Form liegt der Schwerpunkt des Geräts derart tief, dass der Stand des Zoom H3-VR supersicher ist: Umkippen nahezu ausgeschlossen. Hier wurde an fast alles gedacht. Das Einzige, das ich mir zusätzlich wünschen würde, ist eine mechanische Entkopplung des Arrays, damit Körperschallübertragungen nicht die Qualität des Aufnahmematerials trüben.

Eine unscheinbare Kleinigkeit des H3-VR stellt sich in der Praxis als wahres Highlight heraus. Die drei kleinen Gummifüßchen des Geräts sorgen für einen dermaßen sicheren Stand und schützen den Zoom so gut vorm Verrutschen, dass ich ihn einfach mehrmals auf verschiedenen glatten Oberflächen testen musste. Das Ergebnis: Ich bin begeistert! Einmal abgestellt, steht der H3-VR wie angewurzelt auf Tischplatten, Glasscheiben und Motorhauben.

Hilfreiche Menüpunkte

Nach dem Einsetzen der Micro-SD-Karte zeigt das Display die verbleibende maximale Aufnahmedauer für das jeweils gerade ausgewählte Audioformat an. Das ist praktisch. Gut (weil batterieschonend) ist auch, dass das ansonsten helle Display bei Nichtbenutzung nach einigen Minuten automatisch seine Hintergrundbeleuchtung ausschaltet. Sowohl die betreffende Dauer als auch die Kontraststufe der Darstellung lässt sich über das Menü steuern. Wer die optimale Batterieausbeute für seinen H3-VR erreichen möchte, kann im Menü sogar aus drei verschiedenen Batterietypen wählen (Alkali-Mangan-Zelle, Nickel-Metallhydrid-Akku und Lithium-Batterie). Was mir in der Praxis nicht gefällt, ist dagegen die Laufschriftfunktion des Displays. Denn der Kontrast des Displays ist zwar bei statischer Schrift gut. Doch werden überlange Textzeilen als Laufschrift angezeigt, die äußerst schwierig bis überhaupt nicht zu lesen ist. Das hängt damit zusammen, dass sich die Schrift schneller bewegt als sich das Display aktualisieren kann. Hier ist dringend eine bessere technische Abstimmung vonnöten.

Dennoch sind Display und Buttons ein echtes Highlight. Denn wenn der H3-VR hängend eingesetzt wird, dreht sich nicht nur die Displaydarstellung um 180°. Vielmehr arbeiten dann auch die beiden Auswahl-Buttons in die entgegengesetzte Richtung. Dadurch bleibt die Bedienung auch kopfstehend absolut intuitiv. Was mir noch positiv auffällt ist, dass der jeweils zuletzt aufgerufene Menü-Unterpunkt beim nächsten Öffnen des Menüs erscheint. Das erspart langwieriges Navigieren und Suchen und schont die Nerven.

Formatsache

Bei den Aufnahmeeinstellungen kann aus Ambisonics A, Ambisonics B (beziehungsweise FuMa und AmbiX), stereo und binaural gewählt werden. Da sollte also für fast jeden Wunsch ein Format dabei sein. Auf der Webseite des H3-VR steht außerdem eine Software zum Download bereit, mit der sich seine Aufnahmen ins 5.1-Surround-Format wandeln lassen. Doch nicht nur eine Mikrofoneinheit nebst Recorder bietet der H3-VR. Auch als Audiointerface lässt er sich nutzen. Und so ist sogar das Live-Streaming von Konzerten und Videokonferenzen mit 360°-Sound mit dem Zoom H3-VR möglich.

Wer im Ambisonics-A-Format aufzeichnet, muss mit dem H3-VR nicht mehr auf weitere Software zurückgreifen, um diese Rohdaten in die entsprechende Surround-Matrix zu konvertieren. Der Recorder kann das Format direkt VR-ready ins Format Ambisonics B wandeln. Eine tolle Sache ist auch, dass der H3-VR automatische Soundmarker setzen kann. Die Funktion wird im Menü aktiviert. So lässt sich gerade bei längeren Aufnahmen später schneller durch das Audiomaterial navigieren.

Eine handfeste Überraschung entdecke ich im Untermenü „Aufnahmeformat“. Hier lässt sich tatsächlich eine Auflösung von 96 kHz/24 Bit wählen. In den offiziellen Herstellerangaben findet sich nämlich nur ein Hinweis auf die bestmögliche Qualität des Audiointerfaces beim Ambisonics-Recording. Und diese Qualität liegt bei 48 kHz/24 Bit.

Den H3-VR aufbauen

Ist das gewünschte Format erst gewählt, gelingt das Ausrichten des Mikrofonarrays mühelos. Der Grund dafür ist zum einen, dass der auf ein Stativ geschraubte Schwenkarm den H3-VR mit einer Stativbefestigung per Rändelschraube befestigt wird. Das vereinfacht das An- und Abschrauben ungemein. Allerdings passt der Arm nicht auf das für Mikrofonstative typische 3/8-Zoll-Gewinde. Stattdessen muss ein deutlich schmaleres 1/4-Zoll-Gewinde zum Einsatz kommen, wie es üblicherweise bei Camcorder- und Kamerastativen verwendet wird. Wie auf den Fotos zu sehen, lässt sich der Zoom H3-VR mit einem solchen Stativ dann auch umso besser ausrichten. Das Beste aber ist, dass der mitgelieferte Schwenkarm H3-VR und Kamera zugleich halten kann. Ein weiterer Grund ist, dass der H3-VR automatisch erkennt, in welcher Position es sich in etwa befindet. Um eine perfekte Ausrichtung zu erreichen, bietet das Gerät eine Neigungsanzeige, die als eine Art digitale Wasserwaage agiert. Ein Fadenkreuz hilft dabei, die Mikrofonanordnung wirklich aufrecht oder auch tatsächlich vertikal zu justieren.

Mit dem H3-VR aufnehmen

Die Kombination aus Mic-Gain-Regler und Display sorgt dafür, dass sich die aufgegriffenen Signale komfortabel einpegeln lassen. Außerdem ist die Vorverstärkung ausreichend fein in 100 Stufen regelbar. Das Gleiche gilt für den Kopfhörerausgang. Im Grunde genommen ist aber eingangsseitig nicht unbedingt eine Pegelanpassung erforderlich. Denn der H3-VR hat auch eine „Level Detection“-Funktion, die automatisch für den optimalen Pegel sorgt. Um die Aufnahme zu stoppen wird der große Record-Button nochmals gedrückt. Einfacher geht es kaum.

Da die Mikrofone sehr empfindlich sind und auf eine Entkopplung des Mikrofonarrays vom Gerätebody verzichtet wird, kann das Kabel von an den H3-VR angeschlossenen Kopfhörern für sehr deutliche Nebengeräusche durch Körperschall sorgen. Es empfiehlt sich deshalb, hierfür auf einen Bluetooth-Transmitter-Adapter und kabellose Kopfhörer umzusteigen. Eine Alternative bietet die kostenlos downloadbare iOS-App „H3 Control“, die den H3-V3 um Software-Bedienknöpfe erweitert, die von iPhone oder iPad aus geräuschlos per Bluetooth agieren. Von Haus aus ist das Gerät jedoch nicht Bluetooth-fähig. Dafür muss erst der optional erhältliche Bluetooth-Adapter hinzugekauft werden. Eine Android-App stellen Zoom leider nicht bereit.

Und so klingt der Zoom H3-VR

Für unseren Recordingtest von Natur- und urbanen Umgebungsgeräuschen an einem Nachmittag habe ich mich auf die Soundqualität von 44,1 kHz/16 Bit beschränkt. Alle Aufnahmen wurden mit aufgesetztem Windschutz gemacht. Damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt, wie stark die Windgeräusche ohne Windschutz ins Kontor schlagen, findet ihr in den Audiobeispielen zum Vergleich zusätzlich eine weitere Stereodatei, die ohne Windschutz aufgezeichnet wurde. Da keine konkrete Schallquelle als Ziel diente, kommen im Testaudio nur die aufrechte und die hängende Variante, nicht aber „Endfire“ und „Endfire invert“ zum Einsatz. In unserer Vorschau könnt ihr in die Stereo-Aufnahmen hineinhören. Die Audiodemos der verschiedenen Surroundformate findet ihr als 4-kanalige WAV-Dateien zum Download hier: 

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