Drums Hersteller_Zildjian
Test
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08.08.2016

Praxis

Das "Avedis-Feeling" ist sofort spürbar

Samtig fühlen sich die neuen A Avedis Becken an, damit unterscheiden sie sich von der rauen Patina jahrzehntelang gespielter Originale. Bei Form und Gewicht stellt sich allerdings sofort das vertraute Gefühl ein, das das Hantieren mit alten "Aveden" so mit sich bringt. Einzig die Gewichte der Hi-Hat-Becken fallen etwas aus dem Rahmen, wenn man tatsächlich die Paperthin Typen der 50er Jahre als Referenz hernimmt. Diese Dinge werden allerdings zur Nebensächlichkeit, wenn der Sound stimmt. Die ersten Schläge zeigen: er stimmt. Natürlich sind Beckentests - zumindest, wenn es um die klangliche Beschreibung geht - etwas höchst Subjektives. Im Fall unserer Testobjekte ist die Sache allerdings einfach, denn es gibt nicht nur klare Vergleichsbecken - nämlich alte und neue Avedis-Becken -, sondern auch eine deutliche Zielsetzung seitens des Herstellers. Und die lautete, den Klang der alten Becken neu aufzulegen und um moderne Elemente zu ergänzen. Und das ist Zildjian wirklich überzeugend gelungen.

Im Vergleich mit den regulären, modernen A Zildjian Becken fällt sofort der reduzierte Obertongehalt auf. Während der mittige, leicht kehlige A-Sound in beiden Fällen sofort erkennbar ist, klingen die A Avedis Testbecken deutlich belegter und eben auch tiefer im Grundton als die Vergleichsmodelle neueren Datums. Dazu zählen in diesem Test etwa 15 Modelle aus den 80er Jahren bis heute, darunter Medium- und Ping Rides, New Beat Hi-Hats sowie ein Satz Becken aus den 60er Jahren, darunter eine 15er Hi-Hat. Wie bei allen alten Becken ist es auch im Falle von Zildjian gar nicht so einfach, wirklich gut klingende Exemplare zu finden. Viele sind zu dick (meist aus den 70ern und 80ern), manche haben ein harsches Obertonspektrum, manchen fehlt die Definition, anderen die Komplexität. All diese Exemplare hat sich Zildjian ganz offensichtlich nicht zum Vorbild für die neuen A Avedis genommen, denn hier dominiert ein sehr harmonisches Klangbild das Geschehen.

Die Hi-Hats klingen definiert mit klassischem Ton

Zunächst fällt mir auf, wie sauber alle drei Hi-Hat-Modelle beim Zutreten schließen. Die Folge ist eine tolle Definition beim geschlossenen Spiel, die allerdings nicht mit Schärfe erkauft wird, sondern rund und holzig, aber eben nicht matt klingt. Beim Öffnen erzeugen alle Modelle einen kehlig schlürfenden Sound, wie man ihn sehr oft auf alten Jazz- und Funk-Aufnahmen hört. Dieser ist nicht besonders laut, eher mittig-nasal, dabei aber schnell ansprechend und komplex. Daran dürften die recht dünnen Top-Becken, die etwas tiefere Hämmerung sowie die Beschichtung einen hörbaren Anteil haben. Im Vergleich mit einer modernen New Beat Hi-Hat zeigt sich auch hier deutlich der reduzierte Obertonanteil der A Avedis Instrumente. Interessanterweise besitzen alle drei Größen tatsächlich einen fast identischen Klangcharakter, sie unterscheiden sich praktisch nur in der Tonhöhe. Die 14er ist dabei am hellsten und durchsetzungsstärksten, Freunde eines - gerade bei Studioaufnahmen - etwas zurückhaltenderen Sounds dürften bei den größeren 15er und 16er Versionen fündig werden. Wer es gerne scharf und laut mag oder Fan eines modernen Funksounds à la David Garibaldi ist, wird mit den A Avedis Hi-Hats hingegen nicht unbedingt glücklich werden. Ich habe euch hier alle Modelle aufgenommen.

Die Crash/Rides sind echte Allrounder

Wer ein bisschen Erfahrung mit alten, guten Avedis Becken hat, findet den Grundsound hier schnell wieder: mittig, mit klaren, aber präsenten Obertönen. Als klassische Akzent-Crashes funktionieren natürlich besonders das 18er und 19er sehr gut, hier gefällt mir besonders, wie gut sie sich dynamisch kontrollieren lassen. Nach dem Anschlag öffnen sie zügig und können einen sehr massiven Körper entwickeln, wenn man kräftig reinhaut. Gleichzeitig lassen sie sich sehr gut als Ride auf der Schulter spielen, die großen Kuppen addieren, neben Klarheit, auch einen verwendbaren Bellsound.

Ab 20 Zoll tendiert die Anwendung natürlich eher Richtung Ride, besonders das 21er erzeugt allerdings auch einen großartigen, rauchig-komplexen Crash, der in allen meinen aktuellen Projekten eine sehr musikalische Figur gemacht hat. Bei der Stickdefinition ist bei allen fünf Modellen eine unaufdringliche Silbrigkeit zu vernehmen, die auch nach kräftigen Profilschlägen schnell wieder hörbar wird. Die Abstimmung aller Testbecken untereinander ist sehr gut gelungen, der einzige Ausreißer ist hier das 22er, welches dem 21er tonal sehr nahe kommt. So nahe, dass ich beim Abhören der Soundfiles im ersten Moment an einen Benennungsfehler glaubte. Zildjian weist allerdings darauf hin, dass es bei den A Avedis Modellen zu stärkerer Streuung kommen kann. Insgesamt sind dies tolle Becken für Fans eines klaren, aber musikalischen Sounds. Wer dem gepflegten Trash und Wobble huldigt, ist bei den A Avedis allerdings nicht an der richtigen Adresse. Ich habe euch alle Becken jeweils alleine, im rockigeren Groove-Kontext sowieso etwas jazziger gespielt aufgenommen. Wie bei den Crash/Rides habe ich euch zum Abschluss auch hier ein File mit allen drei Größen im direkten Vergleich aufgenommen.

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